• 25.11.2020 06:00 | von Elias Quaderer

    Massentests: Österreich ist kein Vorbild

    Nach Südtirol will nun Österreich breite Teile der Bevölkerung «durchtesten». In Liechtenstein sind hingegen keine Massentests geplant.

    In Mitteleuropa werden Massentests, um unerkannte Infektionen aufzudecken, immer beliebter. Die Slowakei testet seit Ende Oktober beinahe das gesamte Land, in Südtirol sind bis Montag gut zwei Drittel der Bevölkerung freiwillig getestet worden. Die österreichische Regierung plant mit Massentests im Dezember, sich den Weg aus dem Lockdown zu erleichtern. In Liechtenstein ist diese Massnahme hingegen keine Option. Das Ministerium für Gesellschaft erklärt auf Anfrage, dass an der bisherigen Teststrategie derzeit keine Änderungen zu erwarten sind.

    Antigen-Schnelltests mit Unsicherheiten versehen
    Grund für die Zurückhaltung des Ministeriums für Gesellschaft ist die Testsicherheit: Die Slowakei, Südtirol und ­Österreich setzen Antigen-Schnelltests ein. Die Ergebnisse dieser Testmethode haben aber nur eine «eingeschränkte Aussagekraft», erläutert das Ministerium. Denn der Antigen-Schnelltest ist weniger empfindlich als die PCR-Methode. Das heisst: Der Antigen-Schnelltest kann nur hohe Viruskonzentrationen zuverlässig erkennen. Damit ist der Schnelltest stärker abhängig vom Zeitpunkt des Tests: «Nur in den ersten vier bis fünf Tagen, nachdem die Symptome auftreten, schlägt der Schnelltest an», gibt das Ministerium Auskunft. 
    Die niedrigere Empfindlichkeit birgt die Gefahr, dass häufiger falsch negative Ergebnisse auftreten: Eine Person erhält ein negatives Testergebnis, obwohl sie am Virus erkrankt ist.

    Gefahr falsch negativer Ergebnisse bleibt bestehen 
    In Österreich soll der Unsicherheit der Schnelltests entgegengewirkt werden, indem positive Resultate nochmals mit den ­zuverlässigeren PCR-Test überprüft werden. Aus Sicht des Ministeriums für Gesellschaft ist diese Kombination von Antigen-Schnelltests und PCR-Tests aber nicht zielführend. Denn durch das Nachtesten können nur falsch positive Ergebnisse nachkorrigierte werden – sprich: Personen, die einen positiven Testbescheid erhielten, obwohl sie nicht am Virus erkrankt sind. «Die Gefahr von falsch negativen Resultaten wird durch diese Kombination der Testmethoden nicht eliminiert», stellt das Ministerium für Gesellschaft klar. Die grosse Bedrohung gehe aber von den falsch negativen Ergebnissen aus, da hier die Erkrankung unerkannt bleibt und weitere Personen angesteckt werden können. Die falsch positiven Ergebnisse seien hingegen weniger problematisch: «Die betroffene Person geht einfach in die Quarantäne, ohne dass sie es müsste», so das Ministerium.
    Aus diesen Gründen werden in Liechtenstein Personen, die Symptome aufweisen oder aus anderen Gründen ein Testergebnis benötigen, weiterhin mit der zuverlässigeren PCR-Methode getestet. Allerdings überprüfe Liechtenstein fortlaufend seine Teststrategie. Ausserdem verfolgt das Ministerium für Gesellschaft mit Interesse die Durchführung und die Wirkung von Schnelltests, die derzeit in anderen Staaten durchgeführt werden.

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