• 24.10.2020 10:00 | von Elias Quaderer

    Jungparteien als Sprungbrett für die Polit-Karriere

    Zahlreiche Politiker sammelten ihre ersten Erfahrungen in den Jugendorganisationen der FBP und VU – etwa Peter Marxer oder Adolf Heeb.

    Sowohl die Jugendorganisation der Fortschrittlichen Bürgerpartei als auch der Vaterländischen Union haben bereits ein halbes Jahrhundert auf ihrem Rücken. Und beide Organisationen dienten bereits einer Reihe von künftigen Politikern als Plattform, auf der sie ihre ersten politischen Gehversuche unternehmen konnten. 

    So war der Initiant und erste Präsident des Jugendreferats der FBP (ab 1981 Junge FBP) Peter Marxer. Er sollte sich später nicht nur als Landtagsabgeordneter und Präsident der Bürgerpartei einen Namen machen, sondern auch als Leiter der grössten Anwaltskanzlei des Landes.

    Erster Vizepräsident des Jugendreferats wurde der spätere Landtagsabgeordnete und Regierungsrat Anton Gerner. Auch dem zweiten Präsidenten des Jugendreferates war eine steile politische Karriere beschieden: der Historiker, Landtagsabgeordnete und Regierungsrat Alois Ospelt. 

    Mitgliedersuche mit besonderen Methoden
    Aber auch bei der Jugendunion kann die Gründergeneration mit ein paar grossen Namen aufwarten. So handelte es sich beim Gründer um den Radsportler und späteren Parteipräsidenten Adolf Heeb.

    Und bereits 1972, zwölf Jahre vor der Einführung des Frauenstimmrechts, wirkte im Landesvorstand der Jugendunion die spätere stellvertretende Landtagsabgeordnete Hildegard Beck mit.

    Ein Dokument aus den 1960er-Jahren im Parteiarchiv der VU zeugt von den Bemühungen, junge Erwachsene in die Jungparteien einzubinden: In einer Liste sind alle damaligen Liechtensteiner Studenten und deren politische Verortung mit «R» und «S»  erfasst – die Abkürzung für «rot» und «schwarz». Die Jugendunion untersuchte, welche Studenten als Mitglieder in Frage kämen. 

    Die Landtagskandidaten der Jugend
    Bei beiden Jugendorganisationen bestand die Praxis, eigene Kandidaten auf die Wahllisten zu portieren oder jungen Kandidaten der Landespartei ihre besondere Unterstützung zuzusagen.

    Die Jugendunion konnte mit «ihrem» Kandidaten Wolfgang Feger, der 1970 zum stellvertretenden Abgeordneten gewählt wurde, einen Erfolg verbuchen. Ebenfalls als Vertreter der Jugendunion galten die beiden stellvertretenden Abgeordneten Elias Nigg und Karlheinz Oehri.

    Das Jugendreferat unterstützte 1978 vier Kandidaten, von denen drei der Einzug in den Landtag gelang: Josef Biedermann, Armin Meier und Louis Gassner. Der vierte Kandidat, Klaus Wanger, wurde zwar nur stellvertretender Abgeordneter. Später machte er aber als Partei- und Landtagspräsident  politisch Karriere.

    Sind die Jugendorganisationen somit Kaderschmieden für künftige Politiker? Nicht unbedingt. Es gab  wiederholt  Phasen, in denen die Jungparteien praktisch nicht in Erscheinung traten.

    Es lag an den Mitgliedern der Jugendorganisation selbst, ob sie als bedeutende politische Kraft im Land wahrgenommen wurden. Nicht zufällig sollten jene, die bereits in den Jungparteien Organisationstalent und Ehrgeiz bewiesen, später in der Politik hoch hinaufsteigen.

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