• 24.02.2021 00:32 | von Elias Quaderer

    Erste Schritte in Richtung Normalität

    Ab 1. März sind Treffen bis zu zehn Personen wieder erlaubt. Mit einer Durchimpfung der breiten Bevölkerung wird bis Ende Juli gerechnet.

    Die «Winterruhe» hat Wirkung gezeigt. Verzeichnete Liechtenstein vor Weihnachten im 7-Tages-Schnitt 43 Fälle pro Tag, so liegt dieser Wert momentan bei zwei Fällen pro Tag. Darumsieht die Regierung den Zeitpunkt gekommen, in einem ersten Schritt die bestehenden Massnahmen zu lockern. Dabei war der Regierung aber wichtig, «diesen Öffnungsschritt mit klaren, einfachen Regeln zu ­machen», sagte Regierungschef Adrian Hasler an der gestrigen Pressekonferenz. So gilt für jegliche Zusammenkünfte ab dem 1. März die «Zehnerregel»: Veranstaltungen mit bis zu zehn Personen sind wieder möglich. Genauso dürfen sich im Familien- und Freundeskreis neu bis zu zehn Personen treffen und auch im öffentlichen Raum wird die Obergrenze für Menschenansammlungen auf zehn Personen erhöht. «Man muss sich bei uns nur eine Zahl merken – die Zehn», verdeutlichte Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini.

    Weiter dürfen alle öffentlich zugänglichen Einrichtungen in den Bereichen Kultur, Unterhaltung, Freizeit und Sport wieder öffnen. Hierzu zählen auf kultureller Seite Kinos, Museen, Lese- und Konzertsäle und auf sportlicher Seite Turnhallen, Schwimmbäder und Fitnesscenter. Auch hier sind aber Veranstaltungen von über zehn Personen verboten. Allerdings kann bei Sportstätten und Fitnesscentern der normale Betrieb – unter Einhaltung von Schutzkonzepten – geführt werden. Die Zehnergrenze greift dort nur bei organisierten Gruppentrainings.

    Gastronomieöffnung im November war ein Fehler

    Weiterhin geschlossen bleiben die Gastronomie und die Casinos. Regierungschef Adrian Hasler führte aus, dass in diesen Bereichen weitere Lockerungen vom weiteren Epidemieverlauf und dem Verhalten der Schweiz abhängig ist. Sollte der Bundesrat heute die Öffnung der Gastronomie beschliessen, so werde die Regierung nochmals darüber diskutieren. «Wir glauben aber nicht, das dies der Fall sein wird», so Hasler. Auf jeden Fall soll ein Ausweichverhalten von Schweizern nach Liechtenstein verhindert werden. Die Regierung will nicht nochmals den Fehler einer verfrühten Öffnung machen. Denn nachdem Ende November die Regierung den Wirten erlaubte, ihre Lokale wieder zu öffnen, schossen die Fallzahlen in die Höhe. Pedrazzini gab an der Pressekonferenz unumwunden zu: «Das ist schiefgegangen.» Den dritten Peak an Coronafällen, den das Fürstentum im Dezember erreichte, hätten die Nachbarregionen nicht verzeichnet. Er sei liechtensteinspezifisch gewesen und wohl auf die Öffnung der Restaurants zurückzuführen.

    Bis Ende Juli sollten die Willigen geimpft sein

    Und wie sieht der weitere Fahrplan aus? Die Regierung werde   die Lage drei Wochen, nachdem die neuen Massnahmen in Kraft treten, nochmals beurteilen. Bei einer guten Entwicklung sei die Möglichkeit gegeben, dass allenfalls die Personengrenze erhöht und die Gastronomie geöffnet werde. Für die Frage von weiteren Lockerungen ist auch das Fortschreiten der Durchimpfung von Bedeutung. Nach aktuellem Stand haben die impfwilligen Bewohner und die Pfleger in den Heimen bereits die zwei Impfdosen erhalten. Das exponierte medizinische Personal im Landesspital und in der Grundversorgung sollte bis Ende dieser Woche durchgeimpft sein. Und alle Impfwilligen Jahrgang 1940 und älter bekamen zumindest bereits ihre Erstimpfung. Die Impfwilligkeit liegt bei den bisher geimpften Jahrgängen zwischen 60 bis über 70 Prozent.

    Nach aktuellem Planungsstand geht Pedrazzini davon aus, dass bis Ende Juli bzw. Anfang August die Impfwilligen geimpft sein sollten. Ab diesem Zeitpunkt sollte wieder «ziemliche Normalität» herrschen. Allerdings bleibe die grosse Frage, ob allfällige Mutationen des Virus den Impfplan durcheinanderbringen, da beispielsweise Nachimpfungen erforderlich werden. Die Verbreitung von Coronavirus-Mutanten konnte dank effizientem Contact-Tracing aber bisher zurückgedrängt werden. Zudem war beim Ausbruchsmanagement der Mutanten von Vorteil, dass Liechtenstein vor allem auf PCR-Tests setzt. Denn mit dieser Testmethode könne jeweils auch nachgewiesen werden, ob eine mutierte Variante des Coronavirus vorliegt oder nicht. Zwar werde in der Regierung auch immer wieder andiskutiert, ob man das Testregime nicht abändern soll – zum Beispiel, indem man mehr Schnelltests einsetzt. «Am Ende dieser Überlegungen steht aber, dass das, was wir haben, doch nicht so schlecht ist.»

    Zum Schluss der Pressekonferenz gab der Gesundheitsminister seine Einschätzung, unter welchen Bedingungen man schliesslich alle Massnahmen aufheben würde. Einerseits müssen auch in der grösseren Region die Fallzahlen so niedrig sein, dass man sagen kann: «Diese Krankheit ist extrem selten.» Und andererseits: Sobald einmal alle den Zugang zu einer Impfung haben, werde es politisch schwierig sein, noch Massnahmen zu rechtfertigen. Weil dann werde man argumentieren: «Wer sich nicht impfen lassen will, muss das in Eigenverantwortung so tragen.»

     

    Kultur: «Es ist ein Anfang»

    Die Kulturhäuser in Liechtenstein dürfen ab Montag wieder öffnen – allerdings ist der Ein-lass im Rahmen der Schutzmassnahmen lediglich zehn ­Besuchern gewährt. Aufgrund dessen hat das Schlösslekeller-Team entschieden, das Klein­theater bis zur neuen Spielzeit im September trotz Lockerung nicht zu öffnen. Zum einen wolle man nun kein «Hau-Ruck-Programm» auf die Beine stellen, wie Markus Schädler sagt. Zum anderen würde sich eine Öffnung aufgrund der Zehn-Personen-Regelung für den Schlösslekeller nicht lohnen. TAK-Intendant Thomas Spieckermann sieht die minime Lockerung grundsätzlich «als ein positives Zeichen», wie er sagt. «Zunächst einmal verstehe ich die Wiedereröffnung als ein Zeichen dafür, dass die Kultur in Liechtenstein langsam wieder zurück ins gesellschaftliche Leben kommen kann.» Dies sei ein wichtiger Schritt: «Theater kann wieder stattfinden, wenn auch in einem sehr engen Rahmen.» Die Begrenzung auf zehn Besucher sei eine extreme Einschränkung, die dem Theater, das sowohl regionale als auch internationale Künstlerinnen und Künstler präsentiert, enge Grenzen auferlege. «Gleichwohl ist es ein Anfang, und ich hoffe auf weitere Öffnungen in den folgenden Wochen hin zu einem normalen Spielbetrieb», so Spieckermann. 

    Das TAK wolle , sobald möglich, wieder spielen und ein Programm für die Besucherinnen und Besucher anbieten. Derzeit werde eruiert, was für Vorstellungen das sein können. «Wir denken dabei in verschiedene Richtungen und werden unse­ren März-Spielplan entsprechend überarbeiten.» Für viele Produktionen würde eine Vorstellung mit zehn Zuschauern keinen Sinn machen. Der TAK-Intendant bleibt aber optimistisch und hofft, dass sich allenfalls neue Perspektiven ergeben könnten. «Wir haben in den vergangenen Wochen eine neue Bühne in unserem Foyer eingebaut, die speziell für kleinere Formate konzipiert ist. Diese Bühne könnte sich anbieten, um bereits im März wieder Vorstellungen für unsere Besucherinnen und Besucher zu spielen», so Spieckermann. (bfs)

     

    Gastronomen hoffen weiter

    Der Liechtensteiner Hotel- und Gastronomie Verband (LHGV) hatte vergangene Woche in einer Aussendung noch darauf gedrängt, dass die Gastronomie bereits am 15. März geöffnet werde. Die Regierung erklärte hingegen an der gestrigen Pressekonferenz, dass die Gastronomie weiterhin geschlossen bleibt. Eine Wiedereröffnung soll erst in der zweiten März-Hälfte sondiert werden.
    Dennoch hegt der Hotel- und Gastronomieverband weiterhin die Hoffnung, dass ein Neustart der Gastronomie am 15. März möglich ist. «Unserer Ansicht nach spricht nichts gegen eine Öffnung der Innenräume am 15. März mit Schutzkonzepten, sofern die Zahlen mit Blick auf die weitere epidemiologische Entwicklung nicht ansteigen und die Parameter in den nächsten drei Wochen so bleiben.» 


    Öffnung der Aussenräume ist keine Option
    Der Schweizer Bundesrat hat den Öffnungsvorschlag eingebracht, dass Gastronomen am 1. April im Freien wieder öffnen  dürfen. Hagen steht jedoch einer reinen Öffnung der Aussenräume kritisch gegenüber, weil dies für die Gastrobetrieb nicht praktikabel ist in Hinblick auf den Wareneinsatz und die Mitarbeiter. Auch wenn sich dies die Gäste wünschen würden, gibt es grosse logistische Herausforderungen: «Wenn mehrere Tage schlechtes Wetter wäre, müssten wir frische Lebensmittel entsorgen», sagt der Präsident des Liechtensteiner Hotel- und Gastronomie Verbandes. (equ)

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