• 20.10.2020 06:19 | von Elias Quaderer

    Die Kraft der Sonne stärker nutzen

    Die Solargenossenschaft Liechtenstein verlangt ein ambitionierteres Vorgehen bei der Energiewende.

    Vor dem Hintergrund der Landtagswahlen 2021 präsentierte die Solargenossenschaft Liechtenstein (SGL) gestern an einer Medienorientierung im Café des Kunstmuseums ihr Forderungspapier «Energiewende in Liechtenstein». Die Solargenossenschaft wirft den von der Regierung herausgegebenen Massnahmenpapieren «Energievision 2050» und «Energiestrategie 2030» eine zu langsame Gangart in Richtung Energiewende vor. SGL-Geschäftsführer Andi Götz erläutert: «Energieminister Daniel Risch hat gesagt, man solle nicht überambitioniert sein. Wir können uns angesichts des Klimawandels aber nicht vorstellen, wie man die Energiewende anders als ambitioniert schaffen will.»

    «Die Energie fällt vom Himmel»
    Das Papier umfasst insgesamt 13 Forderungen an die Politik. Kernbestandteil ist einerseits, dass die Liechtensteinischen Kraftwerke fortan nur noch Strom aus erneuerbaren Quellen importieren dürfen. Andererseits soll das Potenzial für erneuerbare Energie im Land selbst stärker ausgeschöpft werden – insbesondere durch die Förderung von Fotovoltaikanlagen. «Warum die Wertschöpfung den Nachbarländern überlassen, wenn bei uns wortwörtlich die Energie vom Himmel fällt?», sagte die Klima- und Energieexpertin Yvonne Deng, die am Forderungspapier mitgearbeitet hat.  Die Energiestrategie der Regierung sieht eine Verdoppelung der bisherigen Fotovoltaik-Zubauziele vor. Die Solargenossenschaft fordert hingegen Zubauziele, mit denen sich die Stromerzeugung bis 2050 um das 15-Fache steigern würde. Damit könnte in dreissig Jahren der gesamte derzeitige Stromverbrauch Liechtensteins mit Sonnenenergie gedeckt werden.

    Der massive Ausbau der Fotovoltaik soll mit verbesserten Rahmenbedingungen gelingen. So verlangt die SLG, dass alle Neubauten zwingend eine Fotovoltaikanlage an der Fassade oder auf dem Dach haben müssen. Gleichfalls sei die Abschaffung der Einspeisevergütung wieder rückgängig zu machen: Nur noch bis Ende dieses Jahres erhalten die Besitzer einer Fotovoltaikanlage eine Vergütung für überschüssigen Strom, den sie wieder in das öffentliche Netz einspeisen. Die Solargenossenschaft kritisiert, dass mit dem Ende der Vergütung falsche Anreize gesetzt werden. Hausbesitzer würden fortan nur noch so viel Solarstrom produzieren, wie sie selber auch verbrauchen können; eine Einspeisung ins öffentliche Netz sei nicht mehr attraktiv.  

    Gemeinden bremsen Anlagenausbau
    Aber auch die Gemeinden sieht die Solargenossenschaft in der Pflicht. Die bisherigen Regelungen zur Förderung von Fotovoltaikanlagen seien uneinheitlich und gewisse Gemeindereglemente würden deren Ausbau sogar noch verhindern. So bestehe beispielsweise in Triesen ein Bauverbot für Fotovoltaikanlagen in der Dorfkernzone. «Dies, obwohl sich manche Fotovoltaikanlagen heute optisch kaum mehr von herkömmlichen Dachziegeln unterscheiden,» so der SGL-Vizepräsident Josef Vogt. Die Solargenossenschaft ruft die Politik dazu auf, Stellung zu ihrem Forderungspapier zu beziehen.

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