• 23.10.2020 06:00 | von Desiree Vogt

    «Die Frage ist, wie lange wir durchhalten können»

    Liechtenstein setzt weiterhin auf wenig Einschränkungen – und viele Tests. Aber wie lange?

    Kein Tag ohne neue Schlagzeilen. Ja fast schon stündlich scheinen die Länder bzw. deren politische Verantwortliche neue Entscheidungen zu treffen, die auch Auswirkungen auf Liechtenstein haben. Vor allem, wenn es um die Schweiz geht – den Nachbarn, mit dem Liechtenstein über den Zollvertrag in Bezug auf den Pandemieplan und auch wirtschaftlich eng verbunden ist. Nur kurz nach der Einführung der allgemeinen Maskenpflicht hat der Schweizer Gesundheitsminister Alain Berset angekündigt, am kommenden Mittwoch weitere einschneidende Massnahmen zu beschliessen. Auch ein «Mini-Lockdown» werde nicht ausgeschlossen. Liechtenstein bleibt nichts anderes, als die Lage dauernd zu beobachten und wenn nötig, ebenfalls schnell zu reagieren.

    «Der Aufwand ist riesig, aber er lohnt sich»
    «Kurz gesagt möchten wir möglichst wenig Einschränkungen und gleichzeitig möglichst wenige schwere Krankheitsverläufe. Das wollen wir mit verschiedenen Massnahmen erreichen», so Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini generell zur liechtensteinischen Strategie. Man wolle viel testen, auch bei geringen Symptomen. Enge Kontaktpersonen würden ermittelt, in Quarantäne geschickt, regelmässig kontaktiert und bei geringsten Anzeichen zum Test aufgefordert. Und Infizierte würden ebenfalls jeden Tag kontaktiert und bei Verschlechterung des Zustands ohne Verzögerung zu einer ärztlichen Untersuchung geschickt, sodass gegebenenfalls eine Therapie möglichst früh eingeleitet werden könne. «Das ist ein riesiger Aufwand, der täglich ansteigt, aber ich denke, wir müssen ihn leisten.» Dieser Service sei wahrscheinlich weltweit einzigartig, aber Pedrazzini ist überzeugt, dass dies eine gute Strategie ist. «Die Frage ist nur, wie lange wir sie durchhalten können. Wir können länger durchhalten, wenn wir die Spitze der Infektionen bald brechen können, und dazu bedarf es der Disziplin und des Verantwortungsbewusstseins aller Einwohnerinnen und Einwohner.»

    «Massnahmen wirken erst mit gewisser Verzögerung»
    Die Regierung Liechtenstein hatte letzte Woche aber ebenfalls wissen lassen, dass sie bezüglich neuer Massnahmen, sollten diese notwendig werden, nicht «zimperlich» sein werde. Ob dabei auch ein «Mini-Lockdown» in Frage kommt, lässt Pedrazzini vorerst aber offen und sagt: «Wir beobachten die Lage dauernd und werden gegebenenfalls weitere Massnahmen ergreifen. Die Fallzahlen steigen immer noch und Massnahmen wirken erst mit einer gewissen Verzögerung. Die strengsten Massnahmen nützen aber wenig, wenn die Einwohnerinnen und Einwohner nicht konsequent und diszipliniert bei allen Begegnungen die Abstands- und Hygieneregeln einhalten.» Der Fokus liege jetzt darauf, dass die Wirtschaft weiter arbeiten kann, aber eben mit Konzepten, die vor einer Ansteckung schützen. «Wenn die Regierung wieder Massnahmen ergreift wie im März/April, dann muss sicher auch die Frage nach einer finanziellen Unterstützung diskutiert werden», lässt er wissen, dass das Szenario «Mini-Lockdown» zumindest schon gedanklich durchgespielt wurde.

    Besonders schlimm für Liechtenstein wäre es, wenn St. Gallen einen solchen Lockdown beschliessen würde. Der unmittelbare Nachbarkanton bzw. das, was dort entschieden wird, hat für Liechtenstein doch eine grosse Bedeutung. Ob und wie Liechtenstein darauf reagieren würde, kann Mauro Pedrazzini derzeit aber ebenfalls nicht konkret sagen. «Die Situation ist dynamisch und die Regierung wird zum gegebenen Zeitpunkt entscheiden.»

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