• 21.01.2021 06:00 | von Elias Quaderer

    Bringschuld der Parteien, Holschuld der Medien

    Zum Wahlkampf gehört die Medienschelte der Parteien. Was passt dieses Mal nicht? Die Präsidenten der FBP, DpL und FL geben Auskunft.

    In der Diskussionsrunde von Radio L äusserten sich Vertreter dreier Parteien kritisch zur Wahlkampf-Berichterstattung. Woran nahmen sie Anstoss? Eine Nachfrage.
    FBP -Präsident Marcus Vogt erklärte in der Diskussionsrunde, weshalb seine Partei nicht an der Podiumsdiskussion des Vaduzer Medienhauses teilnehmen wolle. Seine Begründung: Es könne keine unparteiische Moderation und Diskussion gewährleistet werden. «Wir müssen uns doch nichts vormachen, das ‹Vaterland› gehört der VU», so der Parteipräsident auf Anfrage. Woran Vogt konkret eine parteipolitisch beeinflusste Berichterstattung festmacht, führte er nicht aus. Er nannte bloss den Kommentar des Chefredaktors in der Dienstagsausgabe und «die Berichte der letzten Wochen.»

    DpL-Präsident stört sich an «suggestiven Fragen»

    DpL-Präsident Thomas Rehak bläst in dasselbe Horn. Er wettert, dass in Liechtenstein nur «Parteiblätter» herausgegeben würden; eine politisch neutrale Presse gebe es nicht. Die grossen Tageszeitungen hätten dieses Mal besonders seine Partei in den Fokus genommen; man habe teilweise «unsere Leute bewusst und gezielt in ein schlechtes Licht gerückt.» Damit meinte Rehak wohl die Berichte über die widersprüchliche Coronaposition der Partei und über einige ihrer Exponenten, die Sympathien für Verschwörungstheorien hegen. 
    Aber würde in anderen Staaten die Presse nicht auch darüber berichten, wenn sich Parlamentskandidaten auf Plattformen von Verschwörungstheoretikern bewegen? «Diese Frage ist äusserst suggestiv», so die Antwort von Rehak. Die Zeitungen würden sich genau solcher «suggestiven Fragen» bedienen, um «medienunerfahrene Kandidaten» in «eine gewisse Ecke» zu stellen. 
    Zudem frage man die Kandidaten anderer Parteien nicht, wie sie sich zur Coronapolitik positionieren. Das mag sein. Aber andere Kandidaten sind in den sozialen Medien oder in Leserbriefen – im Gegensatz zu bestimmten DpL-Kandidaten – auch nicht durch ihre «coronaskeptische» Haltung aufge-
    fallen.
     
    Kommunikationshürden bei der Freien Liste

    Die Freie Liste ist konkreter, was sie sich von den Medien in der Berichterstattung wünscht. Mediensprecher Ecki Hermann führt aus, dass er sich von der Presse gerne «verschiedene Gefässe» – nicht nur die Parteienbühne – gewünscht hätte, um die Kandidaten zu präsentieren. Aber auch vom Fernsehen hätte er sich mehr Diskussionsrunden erhofft. «Da hätte man sicher mehr machen können». 

    Allerdings ist die Freie Liste in puncto Medienanfragen auch kein einfacher Fall. Klopft man bei der Parteigeschäftsstelle an, wird einem mitgeteilt, dass das Co-Präsidium nicht für die Kommunikation mit Medien zuständig sei. Stattdessen wird man an den Mediensprecher der Partei, Ecki Hermann, verwiesen. Hermann ist allerdings gleichzeitig als Arzt tätig und hat dementsprechend momentan anderweitig alle Hände voll zu tun. Folglich wartet man bei der Freien Liste auch auf die unverfänglichsten Fragen um ein Vielfaches länger auf Antwort  als bei den anderen Parteien. Dass andere Politiker, die gleich das Telefon abnehmen, häufiger in der Presse auftauchen, kann so nicht verwundern.

    Angesprochen auf die Hindernisse räumt Hermann ein: «Wir werden den Input gerne aufnehmen, dass für den nächsten Wahlkampf jemand das Amt des Mediensprechers übernimmt, der sofort auf Anfragen reagieren kann.» Dennoch wollte er zum Schluss festhalten, dass das «Nachbohren» doch zum Beruf eines Journalisten dazugehöre. Es sei nicht nur eine «Bringschuld» der Parteien, sondern auch eine «Holschuld» der Medien. Es bleibt aber die Frage: Wenn eine Partei von sich aus nicht auf die Medien zugeht, um ihre Inhalte zu verbreiten, darf sie sich dann über mangelnde Berücksichtigung beschweren?

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