• 14.01.2021 07:00 | von Mirjam Kaiser

    «Wir wollen vergessenes Schaffen bekannt machen»

    Martin Merker und seine Frau Anna Adamik haben eine CD mit unveröffentlichten Werken von Josef Friedrich Doppelbauer aufgenommen.

    Im Vorfeld des 100. Ge­burts­tags von Josef Friedrich Doppelbauer fragten dessen Nachkommen Michaela und Tho­mas Doppelbauer 2018 beim Musikerehepaar Martin Merker und Anna Adamik an, um ein Konzertprogramm zu Doppel­bauers Ehren für die Schattenburg-Konzerte der Musikfreunde Feldkirch zusammen­zu­­stellen.

    Nur Chorwerke waren bekannt «Zu diesem Zeitpunkt war uns der Name Doppelbauer lediglich durch die Celloschule des Bruders Rupert und die Chorwerke von Josef Friedrich Doppelbauer bekannt», erzählt Martin Merker, der seit 2018 an der Musikschule Liechtenstein Cello unterrichtet. Die Sonate für Cello und Klavier aus dem Jahr 1952 habe sie jedoch sofort in ihren Bann gezogen: «Ein an Carl Orff erinnernder Eröffnungssatz, ein Scherzo «à la Hindemith» und als Finalsatz eine Fuge, die nach einer Art Trauermusik klang und somit der finalen Wirkung eines Schlusssatzes quasi den Boden entzog – das war für uns einzigartig», so Martin Merker. Zudem habe die Sonate eine ganz eigene Tonsprache, die «das klingt wie Orff oder Hindemith» schnell vergessen liesse.

    Viele Manuskripte im Familienarchiv aufgetaucht

    Aus dieser Begeisterung für den Komponisten heraus sei das Projekt einer CD-Aufnahme geboren worden. Daraufhin eröffneten Michaela und Thomas Doppelbauer dem Musikerehepaar Einblick in ihr Familienarchiv, wo es viele Briefe, Dokumente und vor allem Manuskripte von noch nicht ver­­- öffentlichten Kompositionen zu sichten galt. «Schnell stellte sich heraus, dass ausser der Sonate nur ein einziges weiteres Werk für Cello und Klavier, die ‹Fünf kleinen Stücke›, für unsere Besetzung existieren», so Merker. Doch stattdessen seien viele weitere Manuskripte und Drucke für Cello und Klavier solo aufgetaucht. In monatelanger Arbeit tippten die beiden Musiker die noch nicht veröffentlichten Kompositionen in ein Musiknotationsprogramm auf dem Computer ein, um die Stücke les- und spielbar zu machen.

    Nach dem Studium dieser Stücke nahmen Martin Merker und Anna Adamik kurz vor Ostern 2019 einige davon im Festsaal des Vorarlberger Landeskonservatoriums in Feldkirch mit dem Bregenzer Tonmeister Markus Brändle auf.

    Weltweite Verbreitung durch Naxos-Verlag

    Dank früherer Zusammenarbeiten mit dem Offenburger Streichtrio, bei dem Martin Merker Mitglied ist, konnte die CD Ende 2020 auf dem renommierten Label Naxos veröffentlicht werden. «Damit kann eine weltweite Verbreitung der Aufnahme garantiert werden», so Merker. «Nun hoffen wir, dass diese CD dazu beitragen wird, das in Vergessenheit geratene kammermusikalische Schaffen Josef Friedrich Doppelbauers einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.» Die CD-Aufnahme sei also quasi eine Auftragsproduktion der Familie Doppelbauer gewesen. «Die erste dieser Art in meinem Leben», sagt Martin Merker.

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