• 23.10.2020 06:00 | von Bettina Stahl-Frick

    Assitej – Verein mit internationaler Strahlkraft

    Vereinspräsident Georg Biedermann wünscht sich für Assitej mehr Anerkennung von offizieller Seite.

    Den Verein Assitej Liechtenstein gibt es in Liechtenstein seit bereits 15 Jahren. Was hat sich in puncto Kinderrechte in dieser Zeit getan?
    Georg Biedermann:
    Es hat sich sehr viel Positives getan, auch dank der Kinderlobby Liechtenstein, welche seit 2011 jährlich ein Kinderrecht in den Fokus stellt und am 20. November, dem Tag der Kinderrechte, eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedern durchführt. In diesem Jahr geht es um das Kinderrecht auf Kunst und Kultur mit einer Veranstaltung im TAK, wo es um den Wert der Künste in unserer Gesellschaft geht. Die Assitej Liechtenstein engagiert sich voll und ganz für dieses Kinderrecht mit all seinen Aktivitäten. Unter anderem gibt sie seit sechs Jahren jungen bildenden Kunstschaffenden die Chance, ein Plakat zum Kinderrecht auf Kunst und Kultur zu gestalten, welches in diesem Jahr Simon Egger entwarf und vergangene Woche im Kunstmuseum präsentierte. Auf den parallel publizierten Postkarten ist das Kinderrecht auf Kunst und Kultur sehr schön ausformuliert.

    Wo gibt es noch Handlungsbedarf?
    Die Kinderrechtskonvention wurde vor 31 Jahren von beinahe allen Staaten auf der Welt unterzeichnet. Die Frage ist nur, wer für die Umsetzung dieser Kinderrechte verantwortlich ist. Bei uns gibt es dank der Kinderlobby mit mittlerweile 22 Mitgliedern ein beachtliches Netzwerk, das sich für die Umsetzung der Kinderrechte einsetzt. Noch fehlt es leider in der Gesellschaft an ehrlicher Wertschätzung für diejenigen, welche sich für das Wohl von Kindern und Familien engagieren, viele davon ehrenamtlich. Es wäre wunderbar und visionär, wenn die Kinderrechte in unserer Verfassung verankert wären.

    Auf welche Projekte zielt Assitej konkret ab?
    Assitej bringt grundsätzlich Menschen zusammen, um Wissen und Praxis in den darstellenden und zeitgenössischen Künsten für Kinder und Jugendliche auszutauschen und schafft einen Raum zum gemeinsamen Denken und Entwickeln von neuen Ideen. Die weltweiten Zentren und dementsprechend auch die Mitglieder der Assitej Liechtenstein profitieren von den unterschiedlichen Formen der nationalen und internationalen Vernetzung, von Weiterbildungsformaten für Künst­lerinnen und Künstler sowie von «Next-Generation»-Angeboten. Die Assitej Liechtenstein organisiert zudem eigene Veranstaltungen und Initiativen, die der Förderung einer liechtensteinischen Theater- und Kulturlandschaft für junges Publikum dienen. Feste Projekte der Assitej Liechtenstein sind unter anderem der Kinderkulturkalender «Wundertüta», die Koordination von «MUS-E» in Liechtenstein, welches die Künste in die Schulen bringt, Kunstprojekte für Kinder und Jugendliche sowie Weiterbildungsangebote für Kunstschaffende. Wir sind mit diversen Projekten präsent.

    Wird die Präsenz auch wahrgenommen, beziehungs­weise welchen Stellenwert hat der Verein in der Gesellschaft?
    Unser Zielpublikum und unsere Partner nehmen unsere Arbeit sehr wohl positiv und wertschätzend wahr. Leider wird von offizieller Seite die Notwendigkeit von Assitej Liechtenstein immer wieder hinterfragt, was natürlich sehr enttäuschend für uns ist. Im Vergleich zu anderen Zentren, wie beispielsweise der Schweiz, Dänemark oder Deutschland, können wir uns als nationales Zentrum des Weltverbandes noch immer keine feste Geschäftsstelle leisten. Die Aufgaben der Geschäftsführung erfolgen grösstenteils ehrenamtlich. Mit dem Erna-Mündle-Haus, in dem wir unsern Sitz haben und wo wir auch eine Künstlerresidenz und auch immer wieder interessante Salonabende anbieten, ist die Aussenwirkung um einiges gestiegen.

    Wie werden die Projekte von Kindern und Jugendlichen überhaupt angenommen?
    Unsere Projekte, die wir oft­mals in Zusammenarbeit mit unseren mittlerweile 38 Mitgliedern umsetzen, erfahren eine grosse Aufmerksamkeit und wurden sehr gut angenommen: das Skulpturenprojekt bei der Ausstellung von Bad RagARTz, das Filmprojekt in Zusammenarbeit mit dem «Drägg­spatz» und dem TAK, die Konferenz der Kinder, welche zur Teilnahme an der Weltgipfelkonferenz der Kinder in Nürnberg führte, das Kunstprojekt mit einer Spielgruppe zur frühkindlichen Förderung, die Dänische Theaterfestwoche, das Jung-Autoren-Festival «Interplay», um nur einige Beispiele zu nennen. Die Wahrnehmung der fachspezifischen interna­tionalen Projekte, wie beispielsweise Teilnahmen am internationalen Regieseminar, di­ver­se «Artistic Gatherings», die regelmässigen Treffen der deutsch­sprachigen Zentren oder Veranstaltungen der anderen internationalen Partner, erfolgt stärker unter den Theater- und Kunstschaffenden.

    In welcher Verbindung steht Assitej Liechtenstein mit den anderen Mitgliedstaaten?
    Als Mitglied im Weltverband stehen wir in Verbindung mit den anderen Assitej-Zentren weltweit. Mit den deutschsprachigen Vorständen gibt es, wie schon erwähnt, regelmässige Treffen und Austausch. Alle drei Jahre findet ein Weltkongress statt, in den Zwischenjahren sind es «Artistic Gatherings» mit Delegierten der mittlerweile 90 Assitej-Zentren.

    Was wäre aus Vereinssicht für die Zukunft wünschenswert?
    In erster Linie wünschen wir uns eine Sockelfinanzierung, um den wachsenden Aufgaben, die im Sekretariat anstehen, nachzukommen. Aus Vereinssicht wäre es nach 15 Jahren kontinuierlicher Arbeit im Bereich der Kinder- und Jugendkultur, für die Weiterbildungsangebote im Kunst- und Kulturbereich, für die Vernetzung und Vertretung von Liechtenstein im internationalen Kontext mehr als wünschenswert, neben der ideellen auch eine kontinuierliche finanzielle Anerkennung zu erfahren. Wir wünschen uns, dass all jene, die sich in der künstlerischen Arbeit mit und für Kinder und Jugendliche engagieren, sei es auf oder hinter der Bühne, im Ausstellungsraum oder im Atelier, die gebührende Anerkennung erhalten, die sie verdienen. Denn die Auseinandersetzung mit Kunst und die kulturelle Teilhabe eröffnet jungen Menschen Welten. Sie erfahren Menschheitsgeschichte, Ideen, Traditionen und Visionen. Das hilft ihnen, sich zu orientieren und den eigenen Weg zu finden. Kunst in all ihren Formen fördert Fantasie, Flexibilität, Erfindungsgabe, Ausdauer und Beharrlichkeit – Kompetenzen, die in heutigen Zeiten wichtiger sind, denn je.

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