• 04.05.2021 06:00 | von Mirjam Kaiser

    Ursprünglicher Fokus auf Riet und Wasser

    In der Kulturgütersammlung Ruggell finden sich unter anderem zahlreiche Zeugnisse der Fischerei und des Tuarbaabbaus.

    1986 begann Paul Büchel als Vorsitzender der Kulturkommission Kulturgüter zu sammeln. Nicht wie in manchen ­anderen Gemeinden sind in Ruggell alle Gegenstände beschrif­tet. «Ich habe alle Objekte sofort inventarisiert und angeschrieben», so Paul Büchel. Zunächst wurden diese in Räumen des Schulgebäudes und des vormaligen Werkhofs untergebracht. Erst 2010 erhielt die Kulturgütersammlung neben dem Werkhof im ­alten Fabrikgebäude der Firma Jud eigene Lagermöglich­keiten. «Uns wurden immer wieder grössere Sammlungen, wie z. B. grosse Teile einer Küferei- und Wagnereiausstattung, angeboten, doch weil wir nur wenig Platz hatten, mussten wir diese Angebote ablehnen», erklärt Paul Büchel. 

     

    Letzter Berufsfischer war in Ruggell tätig
    Ursprünglich wollte sich die Gemeinde Ruggell bei ihren Kulturgütern auf die Themen Riet und Wasser beschränken. «Doch dies wurde mittlerweile etwas ausgeweitet», weiss Paul Büchel. Doch die ganzen Utensilien des letzten Berufsfischers von Ruggell, Andreas Büchel, machen auch heute die Sammlung noch zu etwas Speziellem. «Die Fischerei ist für Ruggell etwas Besonderes, weil es dies in den anderen Gemeinden nicht so lange gab», weiss Johannes Inama, der heutige Vorsitzende der Kulturgüterkommission, die für die Betreuung der Sammlung zuständig ist. Darunter finden sich selbst geknüpfte Netze, Angelruten, aber auch Stachel, die früher anstelle eines Ruders genutzt wurden, um Boote zu manövrieren. Früher sei weniger im Rhein gefischt worden, sondern mehr in den Gemeindegraben und Kanälen. Im Mühlebach bei der Mühle (die 1971 abgebrochen bzw. abgebrannt wurde) hatte Andreas Büchel gar eine Fischzucht betrieben. 
    Dem Themengebiet Riet sind diverse Tuarbaspaten zuzuordnen, mit denen früher Torf gestochen wurde. Ebenfalls finden sich zwei hölzerne «Bäära», eine Art Schubkarre für Tuarba und Gras, in der Sammlung. Auch drei Güllenkarren inklusive «Schöpfer» sind erhalten. Um weitere Zeugnisse des bäuerlichen Lebens zu bewahren, liess Paul Büchel vom Ruggeller Küefer Sebastian Walch in den 1980er-Jahren mehrere Holzbadewannen, Waschtröge und Schöpfer anfertigen. Auch eine Obstmühle, eine Obstpresse und ein Schnapshafen sind in der Sammlung zu finden, wie sie häufig in Privathaushalten vorkamen. Was weniger oft vorhanden war, sind Getreideputzmaschinen. In der Sammlung befindet sich jene aus dem Haus Nummer 84. «Ich nutze immer noch die alten Hausnummern», erklärt Paul Büchel dazu.
    Wie die Leute früher lebten, lässt sich auch an der kleinen Stubenecke erahnen, in der eine Eckbank inklusive Tisch steht sowie ein alter Ofen, dessen Ofentüren aus einem inzwischen abgerissenen Privathaus abmontiert und in der Sammlung in einen von Marzell Biedermann nachgebauten Ofen eingebaut wurden. An der Wand hängen alte Fenster von 1870, die aus dem Haus mit der Nummer 28 stammen. Dieses Haus sei genau an der Grenze zwischen den beiden Ortsteilen «unterhalb der Tanne» und «oberhalb der Tanne» gestanden. «Schüler dieser beiden Ortsteile haben sich früher gerne bei Schneeballschlachten duelliert», weiss Paul Büchel. Um früher den eigenen Besitz, wie zum Beispiel Werkzeugstiele, zu markieren, habe man Brandeisen mit den Initialen oder Hauszeichen machen lassen. Das Brandeisen mit der Inschrift A B und R8 sei das erste Stück der Sammlung gewesen, erklärt Paul Büchel. Auch Pfähle habe man mit Hauszeichen beschriftet, um die Grundstücke zu markieren. Paul Büchel zeigt einen Pfahl mit einem Glassymbol drauf; dieses stamme aus dem Haus Nummer 5, da sich dort vermutlich eine Schnapsbrennerei befand. «Insgesamt 88 Hauszeichen hat es in Ruggell gegeben», so Paul Büchel. 

    Wirtshausschilder und Schlauchwagen
    Insgesamt 613 Gegenstände befinden sich derzeit in der Ruggeller Sammlung. «Manche Dinge haben wir von Mauren, Balzers und Schellenberg übernommen», so Paul Büchel. Dabei handelt es sich vorwiegend um Güter, die etwas mit Ruggell zu tun haben. So finden sich beispielsweise die beiden eisernen Wirtshausschilder der ehemaligen Gasthäuser Schwert und Sternen in der Sammlung. «Wie alt die Schilder sind, wissen wir leider nicht», so Paul Büchel. Weitere Raritäten sind der hölzerne Schlauchwagen der Feuerwehr vor 1927 und die Motorspritze von 1949. Auch eher alltägliche Gegenstände wie Rechen, Bügeleisen oder Waagen finden sich in der Ruggeller Sammlung. «Wenn wir bestimmte Objekte haben wollten, mussten wir oft auch Dinge mitnehmen, die wir nicht in ­unsere Sammlung aufnehmen wollten. Aber die Leute wollten die Sachen loswerden», sagt Paul Büchel grinsend.
    Mit den Gegenständen aus der Sammlung organisiert die dreiköpfige Kulturgüterkommission von Zeit zu Zeit kleine Ausstellungen im Foyer des Rathauses. Auch kommen die Objekte regelmässig beim Erntedankfest oder in historischen Ausstellungen im Küefer-Martis-Huus zum Einsatz. Die Kulturgütersammlung kann auf Anfrage besichtigt werden.

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Kulturgütersammlung in Ruggell
Marzell Biedermann, Paul Büchel und Johannes Inama kümmern sich um die Pflege der Ruggeller ...
Foto: Daniel Schwendener
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Ruggell: Kulturgütersammlung in Ruggell