• 22.11.2020 19:02 | von Nicole Oehri-Elkuch

    Unterhaltungsmusik im klassischen Stil

    Beim vierten Konzert der Reihe «Erlebe SOL» gaben Pianist Mario Häring und Cellist Benedict Kloeckner ihr Können zum Besten.

    «Es ist wahrscheinlich einer der wenigen Orte auf der ganzen Welt, wo überhaupt Konzerte stattfinden können», stellte Benedict Kloeckner am Sonntag im Rathaussaal in Vaduz fest. Der junge Musiker wurde 1989 in Deutschland geboren und zählt zu den herausragenden Künstlern seiner Generation. Als Solist konzertiert er weltweit mit erstklassigen Orchestern und ist Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe. Er gründete 2014 das internationale Musikfestival Koblenz, wo er auch künstlerischer Leiter ist.

    Gemeinsam mit dem Pianisten Mario Häring gab der Cellist am Sonntag im Rathaussaal in Vaduz das letzte Konzert der der diesjährigen Konzertreihe «Erlebe SOL». Mario Häring stammt aus einer deutsch-japanischen Musikerfamilie und wurde ebenfalls 1989 in Deutschland geboren. Seit 2011 ist er Stipendiat der Internationalen Musikakademie in Liechtenstein.

    Von Wien bis Buenos Aires
    Geschickt inszenierten die beiden jungen Künstler gestern Vormittag ein Konzert, als ob sie zum Tanz auffordern wollten. So unterschiedlich die Werke auch waren, verband alle drei, dass sie von Komponisten geschrieben wurden, welche im Bereich der Unterhaltungsmusik arbeiteten. Zu den Sonaten von Beethoven und Schubert wurde auf Wiener Bällen getanzt und in Buenos Aires spielte Astor Piazzolla in einer Tangokapelle.
    Die Sonate von Ludwig van Beethoven für Violoncello und Klavier (in D-Dur, op. 102, Nr. 2) wirkte fast so, als ob die beiden erst verträumt und in langsamen Schritten dahingleiten. Dann klang sie so, als ob sie plötzlich erwachten und zu einem lebhaften Tanz aufsprangen. Gelassener und mit weniger scharfen Kontrasten präsen­tiert sich die Arpeggione-Sonate für Violoncello und Klavier (in a-Moll, D 821) von Franz Schubert. Zuerst stimmte Häring mit Klaviermusik in das Allegro moderato ein. Kloeckner folgte mit dem Violoncello kurze Zeit später.

    Zu Schuberts Zeiten eignete sich ein spezielles Instrument namens «Arpeggione» für das Arpeggio – Spiel (harfenartig gebrochenes Spiel von Akkorden). Ein Instrument mit gitarrenförmigem Korpus, etwas kleiner als ein Violoncello und mit flachem Boden. Doch schon die Biedermeierzeit überlebte das Instrument nicht. Als Alternative wird gerne das Violoncello genutzt. Da die satten fünfstimmigen Akkordfolgen sich mit nur vier Saiten nicht darstellen lassen, hilft nur ein Trick: arpeggio spielen. Geschickt nutzte Schubert die spieltechnischen Besonderheiten des Arpeggione für seine musikalische Konzeption. Auch Kloeckner setzte diese Technik gestern geschickt ein und bewies damit einmal mehr sein können.

    Tango am Sonntagvormittag
    Von einem ganz anderen Temperament als die ersten beiden Werke präsentierte sich das Stück Le Grand Tango von Astor Piazzolla. Auch die Zuschauer liessen sich von den rassigen Rhythmen anstecken und schienen den Tango zu geniessen.

    Als Zugabe wählten die beiden Künstler ein weiteres Stück von Piazzolla und spielten Oblivion. Es sei die Idee von Häring gewesen und passe in zweierlei Hinsicht gut, so Kloeckner. Zum einen, weil im nächsten Jahr der 100. Geburtstag von Astor Piazzolla gefeiert werde und zum anderen sei damit der Zustand des Vergessens gemeint, führt der Cellist weiter aus und bezieht sich damit auf die Corona-Pandemie. 

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