• 22.10.2020 11:00 | von Mirjam Kaiser

    «Unser Tal erzählt viele Geschichten»

    Anfang Oktober erschien Doris Röckles 4. Rheintal-Roman «Die List der Schanktochter». Dabei steht die Burg Schellenberg im Mittelpunkt.

    Ihr aktueller Roman «Die List der Schanktochter» spielt auf der Burg Schellenberg. Das ist Ihr erster Schauplatz in Liechtenstein selbst. Bin ich da richtig?
    Doris Röckle: Das stimmt so nicht ganz. Bereits der Roman «Das Mündel der Hexe» hatte als Schauplatz die Burg Vaduz. Ich versuche stets zwischen der Schweizer und der Liechtensteiner Rheinseite abzuwechseln, was mir bisher bestens gelungen ist. Im Moment steht es also zwei zu zwei.

    Inwieweit finden sich im aktuellen Buch wahrheitsgetreue geschichtliche Begebenheiten?
    Mir ist die Geschichte rund ums Rheintal und seine Burgen sehr wichtig. Auch im aktuellen Roman «Die List der Schanktochter» ist dies so gehalten. Nebst den alten vergessenen Namen unserer Dörfer erfährt der Leser auch wieder jede Menge über die Burg Schellenberg. Die Schellenberger Herren waren treue Dienstmänner der Stau­fer Kaiser. Ihr Reichtum rührt daher und ist einer der Gründe, warum die junge Anna von Schellenberg den Freiherrensohn Ulrich von Hohensax zu ehelichen vermag. Ehen unter Stand bedeuten den Verlust des Adelstitels und trotzdem sind die Hohensaxer diesen Handel eingegangen. Dann geht es auch um den Konflikt zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Innozenz IV. und die Rolle, die der hiesige Klerus darin spielte.

    Der Roman spielt im «Rhyntal» 1243. Wie sind Sie dieses Mal bei der Recherche vorgegangen?
    Wie immer. Erst suche ich mir eine Burg, dann vertiefe ich mich in alte Bücher und Schriften. Jede Burg wartet mit Ereignissen auf, die faszinieren. Wie gesagt, im Falle des vorliegenden Romans war es vordergründig die Vermählung der Anna von Schellenberg. Es war damals bestimmt eine Sensation, denn Adelstitel bezeugen Macht. Je mehr ich mich in die Geschichte vertiefte, desto mehr Details kristallisierten sich heraus und am Schluss passte alles wunderbar zusammen.
    In «Die List der Schank-tochter» geht es um eine Halbwaise, die mit Schikanen Ihrer Stiefmutter zu kämpfen hat. Dies ist ja auch heute noch ein aktuelles Thema.

    Was hat Sie dazu inspiriert?
    Ich selbst habe zum Glück noch beide Elternteile, jedoch gibt es in meinem näheren Umfeld tatsächlich die Konstellation Stiefmutter – Stiefkinder. Allerdings kann ich nicht genau sagen, was wirklich der Auslöser für die Tatsache war, dass meine Protagonistin Halbwaise ist. Vielleicht ist es einfach die Gabe, mich in die Menschen hineinzufühlen, die Dinge mit ihren Augen zu sehen und dabei mit ihnen zu leiden.

    Mit dem Knaur-Verlag hatten Sie schon einige Erfolge zu feiern und können auf gute Verkaufszahlen blicken. Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?
    Zum einen sicher damit, dass unser Tal eine Menge Geschichte zu erzählen hat. An allen Ecken und Enden befinden sich Burgen, bedeutende Handelswege führten hier durch und immer wieder kam es zu Fehden zwischen den Adelsherren. Für historische Romane gibt es eine grosse Fangemeinde, nicht nur hier in Liechtenstein. Auch Leser aus Deutschland werden mit einem Mal auf unser Tal aufmerksam. Selbst meine Lektorinnen waren von allen Romanen auf Anhieb begeistert. Man sagt mir immer wieder nach, dass ich die Dinge so wunderbar beschreibe, dass man sich als Leser selbst mitten im Geschehen sehe, vielleicht ist das der Erfolg meiner Bücher.

    Die Erscheinung Ihres vierten Buches fällt ebenfalls in die Coronazeit. Wie stark haben Sie die Auswirkungen der Coronakrise gespürt? Gingen die Verkaufszahlen vielleicht sogar in die Höhe, da die Leute mehr Zeit zum Lesen hatten?
    In der Tat haben sich besonders E-Books in dieser Zeit sehr gut verkauft. In den Buchläden lief es nicht ganz so gut, denn anfangs waren diese ja geschlossen. Auch viele meiner Lesungen mussten abgesagt werden. Schade für mich, denn ich liebe den Kontakt mit den Lesern. Während den Lesungen erzähle ich auch immer viel über das Leben im Mittelalter und dabei sehe ich die Begeisterung in den Augen der Zuhörer. Das tut gut, macht mir Mut weiterzuschreiben. 

    Das aktuelle Buch ist Ihr vierter Mittelalter-Roman. Sind noch weitere geplant?
    Ich schreibe bereits am fünften historischen Roman. Dieses Mal werden die Burg Guten­berg und der Schwabenkrieg von 1499 im Mittelpunkt stehen. Also wieder eine Burg auf der Liechtensteiner Rheinseite. 

    Buchpräsentation
    Der Roman wird voraussichtlich am 3. Dezember in der Landesbibliothek präsentiert.

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