• 18.10.2020 21:41

    Unkonventionelles zum Schluss

    Im letzten Konzert der diesjährigen Podium-Reihe bewies Flötistin Hannah Wirnsperger Mut zu experimentellen Klängen.

    Letzte Woche hatte die Violinistin Karoline Wocher die Latte für das letzte Konzert im Podium-Wettbewerb mit einer bravourösen Leistung noch einmal ziemlich hoch angesetzt. Aber auch die gestrige Konzertmatinee im TAK wird den anwesenden Zuhörern als Highlight in Erinnerung bleiben – Hannah Wirnspergers Mut zu einem unkonventionellen Programm sei dank. Ein Solokonzert einer Flötistin gibt es ohnehin nicht allzu oft zu erleben. Dadurch, dass der für die Begleitung am Kla­vier vorgesehene Taiwanese Hu Jung verhindert war, stand Hannah Wirnsperger als Solistin nur noch mehr im Rampenlicht. Dies machte auch Änderungen im Programm notwendig, ebenso wie der Umstand, dass Wirnsperger erst vor Kurzem aus Estland angereist ist, wie sie verriet. Barfuss und gut gelaunt stand sie wenig später auf der Bühne und sagte ihre Stücke selbst an. Diese entwaffnende Lockerheit kam gut an und liess die coronabedingten Begleitumstände – es musste auch während des Konzerts Maske getragen werden – etwas vergessen.

    In Klassik, Jazz und Pop gleichermassen daheim
    Nicht nur Klassikfreunden aus der Region dürfte die junge Flötistin schon das eine oder andere Mal aufgefallen sein, auch im Jazz- und Pop-Umfeld – etwa in der Formation «Salida del Sol» oder in den «Studio Live Sessions» mit «Cojaqua» vergangenen August – liess Hannah Wirnsperger immer wieder aufhorchen. Begonnen hat ihre Laufbahn 2007 an der Liechtensteinischen Musikschule bei Hossein Samieian, der in seiner Funktion als Programmleiter der Podium-Konzerte anwesend und sicherlich stolz auf seine ehemalige Schülerin war. Seit 2017 studiert Wirnsperger an der Musikhochschule Lu­zern und ist Stipendiatin der Internationalen Musikakademie. 
    Zu Beginn stand mit Johann Sebastian Bachs «Partita in a-Moll» für Solo-Flöte ein Meisterstück klassischer Musik auf dem Programm, wonach aber schon bald der Sprung in die Gegenwart erfolgen sollte. Nach einem zarten Beginn spielte sich die junge Flötistin ausdauernd durch die mäandernden Variationen des Themas, das in seiner lebhaft-verspielten Art sogleich an die Barockzeit denken liess. Ein ziemliches Kontrastprogramm war dann das nachfolgende Stück aus der Feder ihrer Dozentin in Luzern, Bettina Skrzypczak. Sie holte gleich zu Beginn tief Luft, um dann mit einem hohen Ton das Stück einzuleiten, das einer herausfordernden Collage aus moderner Klassik und Free-Jazz glich. Wie eine Synthese die­ser gegensätzlichen Stücke wir­kte Sigfrid Karg-Elerts «Sonata Appassionata in fis-Moll» von 1921. 
    Einerseits wies es klassische Melodien auf, energiegeladene Intermezzi unterstrichen aber auch immer wieder den modernen Charakter. 

    Flöte und Tuba – ein spannendes Duo
    Ganz allein stand Wirnsperger dennoch nicht auf der Bühne, für ein Stück holte sie sich ihre Studienkollegin aus Luzern, die finnische Tubistin Annika Granlund, dazu. Ein ungleiches Duo, wenn das am tiefsten und das am höchsten gestimmte Instrument zusammenspielen, wie Graziano Mendozzi in der Einleitung hervorhob. Die Komposition «A4» von Suvi Linnovaara in drei kurzen Sätzen war dann wie erwartet experimentell, es fing mit atmosphärischen Klängen an, woraus sich nach und nach ein Dialog der beiden so unterschiedlichen Instrumente entwickelte. Bisweilen strich Granlund gar mit dem Geigenbogen an der Tuba, was auch Maestro Mendozzi so noch nie gehört hatte. Die kurze Zugabe, der «Estländler» von Arvo Pärt, laut Wirnsperger «eine Melange aus Ländler und estnischer Volksmusik», wirkte dagegen fast schon konventionell. «Wer sagt, dass Liechtenstein musikalisch ein konservatives Land ist? Dieses Konzert würde auch gut in eine moderne Konzertreihe in London oder New York passen», bemerkte Graziano Mendozzi, bevor er auf die am 6. Dezember stattfindende Preisverleihung verwies. Ob der Mut zu experimentellen Klängen dort belohnt wird, wird sich zeigen – der Applaus des Publikums war Wirnsperger auf jeden Fall sicher. (jk)

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