• 19.10.2020 17:43 | von Mirjam Kaiser

    Trotz Corona viel zu tun

    Die Vaduzer Künstlerin Hanna Roeckle ist bisher gut durch die Coronazeit gekommen und freut sich über viele Aufträge und Ausstellungen. 

    Dieses Jahr hätte Hanna Roeckle zwei grössere Einzelausstellungen gehabt, die beide auf Anfang kommenden Jahres verschoben wurden. Stattdessen taten sich ihr einige andere Möglichkeiten auf. Neben Auftragsarbeiten bekam Hanna Roeckle die Möglichkeit, an mehreren kleineren Gruppenausstellungen teilzunehmen. So waren Arbeiten von ihr in der Galerie am Lindenplatz in Vaduz und in den Bege Galerien in Ulm zu sehen. Derzeit zeigt Hanna Roeckle Werke in der Galerie Mariette Haas in Ingolstadt, im Skulpturenpark der Galerie Fabian & Claude Walter in Zürich und im Centre dàrt Contemporain Frank Popper in Marcigny in Frankreich. In der Bechter Kastowsky Galerie in Wien ist ihr eine Einzelausstellung gewidmet, die bis Ende November verlängert wurde.

    Zum Kunstwettbewerb des Kantonsspitals eingeladen
    «Ich habe dieses Jahr immer extrem viel zu tun gehabt», so Roeckle. Beispielsweise wurde sie als eine von fünf Kandidaten zu einem grossen Kunstwettbewerb des Kantonsspitals St. Gallen eingeladen. Dabei geht es um die Ausschmückung einer 32 Meter langen Decke in einer Aussenhalle. «Wenn meine zwei grossen Ausstellungen dieses Jahr nicht verschoben worden wären, hätte ich nicht die Zeit dazu gehabt, bei diesem Wettbewerb mitzumachen», erklärt Hanna Roeckle. Daher hatte die Coronazeit fast schon positive Auswirkungen für sie.

    In den letzten Monaten konnte Hanna Roeckle einige Kunst-am-Bau-Projekte realisieren. So gestaltete sie unter anderem in einer Pharmafirma in Wil grosse Wandobjekte und war massgeblich an der Planung und Gestaltung von neuen Wohnateliers im Mühleholz beteiligt. Das Haus, das an der Stelle der alten Weberei Rosenthal steht, plante sie zusammen mit einem der drei Architekten des Kunstmuseums Liechtenstein, Christian Kerez. Die Raumgestaltung mit bis zu vier Meter hohen Räumen ist an das Gewerbe angelehnt, das sich früher einmal dort befand. Auch befasste sich Hanna Roeckle für das Bauprojekt mit der Geschichte der alten Weberei. «Das Historische war mir bei diesem Bau ebenso wichtig wie eine zeitgemässe Architektur», so Roeckle. So habe sie die Quartiergeschichte unter anderem mit alten Fotografien mit in die Architektur einbezogen. Ausserdem gestaltete sie die auffällige K­­eramikfassade und schmück­te das Treppenhaus mit Wandobjekten und Fotografien. Ebenfalls in dieser Zeit hat sich Hanna Roeckle an der Plakatausstellung «Kulturkanal» der Liechtensteiner Regierung beteiligt. «Den Kulturkanal fand ich eine erfrischende, tolle Aktion, die ich gerne unterstützte», so die Künstlerin.

    Planungsunsicherheit nach wie vor spürbar
    Die Coronazeit erlebte Hanna Roeckle als gespenstische Zeit. Statt mit dem öffentlichen Verkehr sei sie immer mit dem Auto ins Atelier gefahren und hätte sich mit ihren Assistenten nur virtuell ausgetauscht. So habe sie die von Hand angefertigten Skizzen jeweils eingescannt und per E-Mail verschickt. «Diese Methode war zeitaufwendig, aber auch mal etwas Neues», sagt Hanna Roeckle. Da ihr Atelier in Zürich recht grossräumig sei, könne der Betrieb mittlerweile wieder fast normal lau­fen. «Halt etwas anders.» Die von ihr entworfenen Skulp­tu­ren lässt Hanna Roeckle jeweils im Kunstbetrieb Basel Münchenstein anfertigen. Diese setzen ihre Modelle jeweils ins Dreidimensionale um und fertigen sie aus einem Holzwerkstoff für Innenräume oder Glasfaserkunststoff für aussen. Anschliessend werden die Skulptu­ren gemäss Farbenplan mit fünf bis sechs Schichten lackiert. Diese aufwendige Technik, an der Hanna Roeckle oft herumexperimentiert, verleiht ihren Skulpturen je nach Lichteinfall eine andere Farbwahrnehmung.

    «Die Werkstätten haben zum Glück durchgearbeitet», so Hanna Roeckle. Daher habe es bei ihr keine Produktionsschwierigkeiten gegeben. Einzig reisetechnisch sei sie etwas eingeschränkt gewesen. «Drei Tage nach der Vernissage in Wien sind wieder Quarantänevorschriften in Kraft getreten», sagt Hanna Roeckle. Aus dem gleichen Grund sei sie dieses Jahr auch nicht an die Vernissage in Ingolstadt gereist. Eine gewisse Planungsunsicherheit sei im Kunstbetrieb nach wie vor zu spüren. «Jeder Ausstellungsbetrieb hat gewisse Vorbehalte, doch damit kann man leben», so Hanna Roeckle. Unsicher­heit gehöre zum Künstlerdasein schliesslich dazu. «Man muss lernen, flexibel zu sein und die Unsicherheit auszuhalten.» 

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