• 08.10.2020 16:45 | von Mirjam Kaiser

    Kunstmuseum erhielt zweite Tinguely-Skulptur

    Zum 20-jährigen Jubiläum finanzierte die Ars-Rhenia-Stiftung dem Kunstmuseum den Ankauf der Skulptur «Ohne Titel» von Jean Tinguely. Diese wird heute im Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz der Öffentlichkeit präsentiert.

    Am Donnerstag wurde Jean Tinguelys berühmte Skulptur «Ohne Titel» von 1983, die die Ars Rhenia Stiftung dem Kunstmuseum anlässlich seines Jubiläums schenkte, der Öffentlichkeit präsentiert. «Uns ist diese Veranstaltung wichtig, um zu zeigen, was für eine lange Beziehung das Kunstmuseum mit der Ars Rhenia Stiftung hat», so Museumsdirektor Friedemann Malsch.

    Ergänzung zur Wandarbeit «Der Rosenkavalier»
    Bereits zur Eröffnung vor 20 Jahren hat das Kunstmuseum Liechtenstein von der Ars Rhenia Stiftung ein Werk des frühen 20. Jahrhunderts erhalten, Wilhelm Lehmbrucks kleiner weiblicher Torso (Hagener Torso) von 1910/1911. Nun, zum 20-jährigen Jubiläum unterstützt die Ars Rhenia Stiftung das Kunstmuseum erneut mit einem Ankauf, dieses Mal mit einer Skulptur aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. «Für das Museum ist diese Schenkung natürlich wunderbar», so Friedemann Malsch. Da das Museum bereits eine Wandarbeit, Der Rosenkavalier, von Jean Tinguely besitzt, werde diese unter Georg Malin erworbene Arbeit nun gut mit der freistehenden Skulptur «Ohne Titel» ergänzt. «So können wir diesen Künstler viel besser präsentieren als in der Vergangenheit», erklärt Malsch. «Auch können wir zeigen, wie er in derselben Zeit ganz unterschiedlich gearbeitet hat.» Die Skulptur ist eine für Tinguely typische kinetische Arbeit, eine Arbeit, die sich bewegen kann, wie Friedemann Malsch vorführte.

    Bei der Übergabe richtete auch Stiftungsrat Felix Lasser von der Ars Rhenia Stiftung ein paar Worte ans Publikum. «Diese Verbindung von Liechtenstein und der ganzen Welt über das Kunstmuseum ist uns sehr wichtig. Deshalb haben wir auch immer wieder das Kunstmuseum unter­stützt», so Lasser. Besonders gefalle ihm an Jean Tinguely, dass er mit seinen Arbeiten die Welt zum Schmunzeln bringe. Diese Wirkung bestätigte auch Museumsdirektor Friedemann Malsch: «Er war humorvoll und verspielt.» Tinguely habe sich aber bei allem, was er machte, auf eine klare, philosophische Grundlage gestützt. Dieses «Maschinchen», von Tinguely selbst auch schon «Unterhund» genannt, läuft bewusst nicht reibungslos, sondern es wurde ein Zufallsmoment eingebaut, wie Malsch erklärte. Besonders aufgrund seiner verspielten, meist motorisierten Skulpturen erlangte Tinguely (1925 – 1991) weltweite Berühmtheit. Bekannt ist er auch für seine Brunnengestaltungen, etwa der Fasnachtsbrunnen in Basel oder der Strawinski-Brunnen vor dem Centre Pompidou in Paris. Wie teuer die geschenkte Skulptur war, wollte weder das Kunstmuseum noch die Ars Rhenia Stiftung bekannt geben. Gemäss Internetrecherche erzielten auch schon seine kleineren Skulpturen bei Versteigerungen Beträge im sechsstelligen Bereich.

    Da die angekündigte Rednerin und Verkäuferin der Skulptur, Stefanie Poley, krankheitsbedingt absagen musste, verlas stattdessen Friedemann Malsch ihren vorbereiteten Text. Dabei ging die spätere Lebensgefährtin Tinguelys auf eine Studienreise nach Paris ein, bei der sie Ateliers von aktuellen Künstlern besuchte. Neben Tinguelys Atelier in Dannemois besuchte die wissenschaftliche Mitarbeiter mit den Studenten, darunter Friedemann Malsch und Dagmar Streckel, auch das Atelier von Alberto Giacometti. Höhe­punkt der Reise war der Besuch von Tinguelys «Kopf im Walde», eine seiner grössten Arbeiten. Die gebäudehohe Plastik beschreibt Poley als «aussen monströs und innen irgendwie auch witzig». Sie besteht aus drei Stöcken, die unter anderem eine Wohnung und einen Waggon der SNCF beinhaltet. Beim «gastlichen» Empfang durften die Besucher auch die Stühle eines Guckkasten-Theaters ausprobieren, die sich durch den Antrieb von Zahnrädern auf und ab bewegten. Auch wurden die Gäste von Tinguely mit Clown-Masken oder Zylindern ausgestattet. Obwohl diese Ausführungen nicht unbedingt den versprochenen Hintergrundinfos zum Werk Tinguely’s entsprachen, gaben sie durchaus einen persönlichen Einblick in die Welt des bekannten Schweizer Künstlers.

    Die Skulptur «Ohne Titel» wird nun einen Monat lang im Kunstlichtsaal des Kunstmuseums zu besichtigen sein. 

    Geteilt: x