• 14.10.2020 07:00 | von Mirjam Kaiser

    Spannende Quartierstorys ausgegraben

    Nach Ausgaben über Maschinenbau Hilti und «Lindarank» folgt mit «Specki» die dritte Schrift in der Buchreihe des Schaaner Domus.

    Als Leiter des Dorfmuseums Schaan (Domus) sammelt Albert Eberle schon länger Geschichten rund um Schaan. So platzierte er vor gut zwei Jahren einen kleinen Artikel im Schaaner Gemeindemagazin mit einem Aufruf, ihm Fotos und Geschichten rund um die Specki einzureichen. Dabei war das jetzige Titelfoto des Buches sowohl im Archiv wie auch im Gemeindeblatt seitenverkehrt abgedruckt. «Niemandem ist dies aufgefallen, erst nach der Publikation wurde ich darauf aufmerksam gemacht», so Albert Eberle. Nach dem Aufruf seien sehr viele Menschen aus Schaan auf ihn zugekommen, brachten ihm Fotos und Dokumente oder erzählten ihm Geschichten. So kamen nicht nur Familiengeschichten zusammen, sondern es kristallisierten sich auch Themen heraus, die in der Specki eine grosse Bedeutung hatten. «Beim Sammeln habe ich gemerkt, dass sich aus den verschiedenen Erzählun­gen immer wieder Sachthemen herauskristallisierten», erzählt Eberle. Daher hat er das Buch schliesslich in einen ersten Teil mit dem Titel «Siedlung und Leben» mit Sachthemen und einen zweiten Teil mit Familiengeschichten gegliedert.

    Teils werden unbekannte Geschichten aufgearbeitet

    Im ersten Kapitel werden teils bekannte Themen abgehandelt wie zum Beispiel der Speckibrand, aber auch noch kaum bekannte Geschichten wie jene des Specki-Kolosses. Zu beiden Kategorien führte Eberle Gespräche, recherchierte in den Zeitungs- und Gemeindearchiven und brachte Dinge zum Vorschein, die so noch nicht bekannt waren. Beim Specki­brand beispielsweise ging er auch auf den Wiederaufbau mit der umstrittenen Neuarrondierung ein. Auch durchforstete er Zeitungen aus dem Ausland und stiess auf Berichte über Theaterstücke, die zugunsten der Brandopfer gespielt wurden. Beim sogenannten Specki-Koloss, einem riesigen Felsstück, brachte er gar Forschungsergebnisse zutage, die lange Jahre in Vergessenheit gerieten. Aus der einen Geschichte entstanden wieder andere und so sind im ganzen Buch Verknüpfungen erkennbar. Anhand der Familiengeschichte von «sKaspar-Heeba» wird beispielsweise der Wandel der Landwirtschaft aufgezeigt, aber auch die Geschichte eines Gebetsheilers, der aus dieser Familie stammte. Am Beispiel der Familie Gallina zeigte Eberle schliesslich das Thema Bürgerrechte auf, worin er ­darlegt, wie schwierig es war, Liechtensteiner zu werden. Auch finden sich in diesem Kapitel Erinnerungen an die Rituale auf dem nahe gelegenen Friedhof oder an Onkel Johnny, den Kommunisten. So wird schliesslich anhand von Familiengeschichten das Leben von früher aufgezeigt.

    Gespräche mit über 100 Personen geführt

    Beim Buch seien sehr viele Leute beteiligt gewesen, erklärt Albert Eberle. So halfen ihm beispielsweise die Schaaner Jahrgänger von 1942, frühere Kinderspiele zusammenzutragen. «Da Kinderspiele immer wieder vorkamen, habe ich ein Kapitel daraus gemacht, wo die Spiele erklärt und beschrieben werden.» In den letzten zwei Jahren führte er über hundert Gespräche mit Zeitzeugen oder Nachkommen; mit manchen von ihnen längere Interviews; mit anderen sprach er einfach über die mitgebrachten Fotos, Dokumente und schriftlich festgehaltene Erinnerungen. Zusammen mit den Archivergebnissen konnte er so die Lebensgeschichten mehrerer Akteure rekonstruieren. «Manchmal bin ich per Zufall auf Dokumente gestossen, die ich noch zu Themen machen konnte», so Eberle. Auch habe er mehrere Experten wie die beiden Historiker Martina Sochin-D’Elia und Peter Geiger, den Geologen Daniel Miescher oder Architekt Florin Frick zu bestimmten Themen beigezogen, die sich mit den Sachthemen auskannten. «Mir war wichtig, dass ich die Geschichten zwar einfach, aber trotzdem wahrheitsgetreu erzähle», so Eberle.

    Buchpräsentation: Das Buch wird am Sonntag, 18. Oktober, um 17 Uhr, im SAL in Schaan präsentiert.

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Im neuen Buch «Specki – Quartiergeschichten» werden Geschichten rund um das Schaaner Quartier ...
Foto: Gemeindearchiv Schaan