• 12.10.2020 05:55

    Souveräne Talentprobe abgeliefert

    Karoline Wocher und Yuying Chen holten ihr im Februar geplantes Konzert nach und liessen alle coronabedingten Umstände vergessen.

    Diesen Sonntag wurde nun das zweite Konzert aus der Podium-Reihe im TAK nach der pandemiebedingten Pause im Frühling und Sommer nachgeholt. Mit Karoline Wocher an der Violine und Yuying Chen als Klavierbegleitung stand ein Duo auf dem Programm, das nicht mehr zu den ganz jungen Talenten gezählt werden darf und vielmehr schon erste Schritte auf dem Weg zu einer erfolgreichen Karriere in der klassischen Musik gesetzt hat. Was beide verbindet, ist, dass sie aktuell in Leipzig ihr Studium absolvieren, wenngleich sich ihre Herkunft und ihr Werdegang stark unterscheiden. 

    Herausfordernde Werke von Bach und Mozart
    Karoline Wocher aus Rankweil entstammt einer ausgesprochenen Musikerfamilie – einer ihrer Brüder war schon im Podium-Wettbewerb – und ist Mitglied des Sinfonieorchesters Liechtenstein. Yuying Chen dagegen stammt aus Kunming (China) und hat ihr Talent in zahlreichen Meisterkursen und bei Wettbewerben bewiesen, ebenso war sie mit ihrem Klavierduo «An» schon auf Tournee durch internationale Konzertsäle. Keine Angst vor Herausforderungen zeigten die beiden bei der Auswahl der Stücke, die auf dem Programm standen. Schon das erste, Mozarts Violinkonzert Nr. 5 in A-Dur, hatte es in sich, Maestro Graziano Mendozzi sprach in seiner Einleitung von einem «Vorzeigestück für die Violine». Yuying Chen spielte am Piano flott die ersten Takte, typische Mozart-Harmonien erklangen. Keine Mühe mit den nachfolgenden hohen Tönen in den Violinsoli, die Mendozzi als besondere Schwierigkeit des Konzerts bezeichnete, liess Karoline Wocher erkennen. Bravourös spielte sie die langen Soli ohne Klavierbegleitung, die wohl jede Schwäche vor dem Publikum gnadenlos offenlegen würden. Nicht weniger herausfordernd das zweite Stück, die Partita Nr. 2 Ciaccona von Johann Sebastian Bach. Nun völlig ohne Begleitung, zeigte Wocher im sich dramatisch steigernden Vibrato beeindruckende Nuancen. Der eher repetitive Charakter des Werkes verlangt es, dass an den richtigen Stellen Akzente gesetzt werden, um den Hörer bei der Stange zu halten – was ihr auch bestens gelang. Mendozzi würdigte dieses Werk gar als «grösste Komposition der Musikgeschichte» ob seiner Geschlossenheit und ausdrucksstarken Reduktion auf ein Instrument.

    Nächstes Konzert schon in einer Woche
    Ein anderes «Lieblingsstück» des Maestros stand nun als letzter regulärer Punkt auf dem Programm, César Francks Sonate für Violine und Klavier in A-Dur. Eine bemerkenswerte Komposition, weil «aus den anfänglichen Fehlern÷ im Zusammenspiel der Instrumente eine wunderbare Sonate entsteht, wie Mendozzi ausführte. Um dies zu verdeutlichen, spielten die beiden Musikerinnen kurz den Anfang an, um dann gleich in den 3. Satz überzugehen, wo beide Instrumente schon wunderbar zu schwärmerischen Melodien harmonieren. Grosser Applaus zum Schluss, auch Chens Leistung als Pianistin bei diesem «verdammten Stück», so Mendozzi, erhielt gesonderten Beifall. Als Zugabe spielte Karoline Wocher ein Werk des Belgiers Eugène Ysaye, «L’aurore lento assai» aus der Solo-Violinsonate op. 27, Nr. 5. Dieses hatte einen ungleich moderneren Charakter, bisweilen deutlich fernöstliche Anklänge, die sich in der Kombination von langsamen, atmosphärischen Klängen und Intermezzi mit gezupften Saiten äusserten. Der Schlussapplaus verdeutlichte, dass Karoline Wocher diese nicht ganz einfache Kost souverän serviert hatte. Das nächste Podium-Konzert steht schon am nächsten Sonntag im TAK an. «Eine Stunde guter Musik tut uns allen gut» – diesem Schlusswort von Graziano Mendozzi ist nichts hinzuzufügen. (jk)

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