• 17.10.2020 06:00 | von Elias Quaderer

    «Sapperlot, es lupft mir der Deckel» 

    Am Donnerstag erteilte der Komiker Kaya Yanar im Schaaner SAL eine Lektion in Sachen Aufregen.

    Ausgangspunkt des Bühnenprogramms war eine Bemerkung von Yanars Ehefrau: «Kaya, du regst dich immer mehr auf.» Darauf nahm sich der Komiker einmal Zeit, alles aufzuschreiben, was ihn zur Weissglut treibt.

    Entstanden ist ein eineinhalbstündiges Stand-up-Programm der Extraklasse. Yanar nahm das zahlreich erschie­nene Publikum mit auf eine Tour durch alle möglichen Lebenssituationen, bei denen es ihm «de Nuggi usse haut». Seien es die Sorgen des Älterwerdens: «Warum wachsen mir überall Haare, wo ich sie nicht brauche? Warum gibt es Nasenhaare? Abgasfilter für den Körper?» Oder die Schwierigkeiten mit dem technischen Wandel mitzuhalten: «Heute braucht man für die Bedienung des Fernsehers schon ein Informatikstudium.» Oder auch sämtliche Unannehmlichkeiten, die man an einem Flughafen erdulden muss: «Immer diese Gepäckband-Steher, die einfach nicht von ihrem Platz am Kofferkarussel weggehen wollen; als ob sie ihn reserviert hätten – ich warte nur darauf, dass jemand noch sein Handtuch ausrollt.»

    Erlebnisse einer Gastarbeiterfamilie
    Der Komiker gab auch persönliche Einblicke in seine Kindheitserfahrungen als Sohn türkischer Gastarbeiter. So wollten Yanars Eltern, dass ihr Sohn gut Deutsch spricht. Aus diesem Grund sprachen sie mit ihm nur Deutsch. Das Problem: Yanars Eltern konnten die Sprache selbst kaum. Es kam vor, dass der Komiker seine eigenen Eltern nicht verstand. 

    Mit seinem Vater konnte er sich lange Zeit nur in «Stichwort-Deutsch» unterhalten: «Du kommst – andere zurück, wo Bruder? Es war wie Lückentext-Ausfüllen.» Auch Yanars Mutter stand lange Zeit mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuss: Früher habe sie anstelle von «Räucherstäbchen» stets «Geräusche-Stäbchen» gesagt.

    «Ihr Liechtensteiner könnt euch nicht richtig aufregen»
    Gespickt war das Bühnenprogramm mit den zahlreichen Akzent- und Sprachimitationen, für die Kaya Yanar seit dem Debüt seiner Comedy-Show «Was guckst du?» berühmt ist. Zu den Highlights gehören ein russisches Auto-Navigationssystem oder der Versuch, mit einer Thai-Masseuse einen Termin zu vereinbaren. Ebenfalls für grosse Lacher sorgte das Nachspielen einer Filmszene, in der der Ehemann seine Frau in flagranti mit ihrem Liebhaber erwischt – und zwar in einer deutschen, amerikanischen, französischen und schweizerischen Variante: «Sapperlot, Regula, do lupft’s mir der Deckel!» 

    Seit gut acht Jahren lebt der deutsch-türkische Komiker bereits in der Schweiz. Dementsprechend reicherte Yanar sein Bühnenprogramm mit zahlreichen Schweizer Besonderheiten und Mundartfloskeln an. Aber auch einige spitze Bemerkungen zu Liechtenstein konnte sich der Stand-up-Komiker nicht verkneifen: «Ihr Liechtensteiner könnt euch nicht richtig aufregen. Wisst ihr wieso? Ihr habt keine Autobahn!»

    «Das Karma meines Vaters»
    Am Ende teilte Yanar dem Publikum noch seine Ängste bezüglich Familiengründung mit. Seine Kinder werden wohl in der Schweiz aufwachsen. Folglich wird ihre Muttersprache Schweizer Mundart sein. Der Komiker wird also Mühe haben, seine eigenen Kinder zu verstehen: «Das Karma meines Vaters», so Yanar.

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