• 01.10.2020 06:00

    Mitreissendes Lebenszeichen

    Mit Feuer, Vorsicht und zwei erfrischenden Solisten überzeugte das SOL am Dienstag beim Freundeskreis-Konzert.

    Es hat sich gelohnt! Die Begeisterung war am Dienstag im Schaaner SAL von allen Seiten zu spüren: Der Freundeskreis des Sinfonieorchesters Liechtenstein hatte zum Konzert mit «seinem» Orchester geladen – das erste Konzert des SOL, nachdem es im März zum Schweigen verurteilt worden war. Wie die jüngsten kurzfristigen Absagen anderer Orchester in der Region zeigen, ist das keine Selbstverständlichkeit. Auch beim SOL wurden im Hintergrund von Absage bis Livestream viele Möglichkeiten gewälzt. Doch der Freundeskreis um den neuen Präsidenten Thomas Mathis wollte dem Klangkörper und dem Publikum den direkten Austausch ermöglichen.

    Mit kühlem Kopf hat Intendant Dražen Domjanic mit seinem Team ein konsequentes Konzept zur sicheren Durchführung des Anlasses erarbeitet. Die geplante Beethoven-Sinfonie wurde gegen eine Ouvertüre ausgetauscht. So konnte das Programm am Dienstag ohne Pause in knapp fünf Viertelstunden gleich zweimal hintereinander über die Bühne gehen. Ausgetüftelte Sitzpläne, kleine geleitete Besuchergruppen: Alles lief vor und nach dem ersten Termin ganz selbstverständlich ab. Der Szenenapplaus für die sorgfältige Desinfektion des Flügels zwischen den Stücken galt wohl stellvertretend der sauberen Abwicklung der Veranstaltung. Über ein Fünftel mehr Besucher im Vergleich zum Vorjahr belegen, dass klassische Live-Konzerte ein Anliegen sind. Das Freundeskreis-Konzert war somit ein mehrfach gelungener Testballon für die kommenden SOL-Konzerte.

    Eine gelungene Organisation
    In erster Linie war es ein erfrischendes künstlerisches Erlebnis. Frank Dupree riss mit Elan das Orchester wie das Publikum erst als Dirigent, dann in der Doppelrolle als dirigierender Pianist mit. Markig modellierte der 29-Jährige gleich zu Beginn von Ludwig van Beethovens Coriolan-Ouvertüre den trotzigen Helden aus dem antiken Rom. Wie zu Beethovens Zeit dirigierte Dupree ohne Taktstock. Der plastischen Zeichengebung folgten die Musiker mit Feuer. Das für Beethoven passend schlank besetzte SOL zeigte beste Musizierlaune. Trotz der coronabedingten Abstände auch auf der Bühne entstand ein kompakter und dabei vielfach luftig durchhörbarer Klang. Die altösterreichische Sitzordnung, mit der das SOL früher experimentierte, hätte noch mehr satte Tiefe geboten.

    Nach einem letzten Räsonieren von Moritz Huemer am Solo-Cello verebbte die Ouvertüre – und das Leben Coriolans – in düsteren Pizzicati. Dieser herben Tragik setzte Isa-Sophie Zünd verspielte Heiterkeit entgegen. Die gerade einmal 20 Jahre alte Pianistin traf den Nerv von Beethovens Rondo für Klavier und Orchester in 
    B-Dur, WoO 6. Dieses Jugendwerk Beethovens ist stark dem Geist Mozarts verpflichtet. Elastisch im Anschlag, baute Zünd geheimnisvolle Span-nung auf, die sie in locker perlenden Läufen und einer dynamischen Schluss-Sequenz mit Raffinement auflöste. Die Solokadenz – in der galanten Manier des Stücks gehalten – schrieb sich die Gamprinerin selber.

    Vitale Interpretationen am Klavier
    Hatte Frank Dupree bis dahin nur das Orchester geleitet, übernahm er für Beethovens 3. Klavierkonzert in c-Moll op. 37 auch gleich den Solopart dazu. Möglicherweise verstärkte seine Kernkompetenz als Pianist noch den tiefen gemeinsamen Atem, der ihn mit dem SOL verband und zu launig-lockeren Pingpong-Spielen besonders mit den Bläsern verführte. Im zweiten Satz zerfloss ihm im unbegleiteten Beginn die Zeit zwischen den Noten. Erst mit dem Orchestereinsatz verfestigte sie sich allmählich. Auf diese Gefahr wies bereits Beethovens Schüler Czerny hin. Diese betont romantische Anlage erlaubte das exaltierte Auskosten der Affekte, die Dupree bewusst den ganzen Satz über in Schwebe hielt.

    Dann sprang er unvermittelt ins Rondo mit den magyarischen Akzenten. Unerschrocken folgte ihm das SOL im Spiel mit Tempo und Rubati bis in die turbulent wirbelnde Presto-Coda. Für die Standing Ovations bedankten sich Isa-Sophie Zünd und Frank Dupree mit einem Marsch, den Beethoven der Fürstin Esterhazy, geborene Liechtenstein, gewidmet hatte. (hw)

    Geteilt: x