• 18.01.2021 05:00 | von Mirjam Kaiser

    Mit Authentizität und Spielfreude überzeugt

    Vaduz / Das Duo Aliada entführte im ersten Livestream von «Erlebe SOL» in die variantenreiche östliche und westliche Musikliteratur.

    Eine für klassische Konzerte eher ungewöhnliche Instrumentenkombination stand am gestrigen Sonntag beim diesjährigen Auftakt der «Erlebe SOL»-Konzerte auf dem Programm: Das Duo Aliada (spanisch für Allianz) zeigte in seinem Programm «East West» die verschiedenen Facetten des Akkordeons und Saxofons.

    Die gut 70 Zuschauer des Livestreams begrüsste Stiftungsratspräsident Ernst Walch aus dem Vaduzer Rathaussaal und kündigte gleich drei Premieren an: Die Eröffnung der 33. Konzertsaison, die Übertragung der Konzerte als Livestream und das Geschenk eines Gratis-Livestreams an alle Altersheime des Landes. «Wir freuen uns, dass alle virtuell live dabei sein können», so Ernst Walch und bekräftigte, dass das SOL diesen grossen Aufwand nicht wegen, sondern trotz Corona betreiben würde.

    Zwischen Volkstänzen und Klassik-Standards

    Michal Knot und Bogdan Laketic jedenfalls freuten sich über die Einladung aus Vaduz, wie es Akkordeonspieler Laketic nach dem ersten Lied aus dem tief verschneiten Vaduz in einer Einspielung sagte. Passend zur tiefwinterlichen Stimmung startete das gestrige Livestreamkonzert ruhig mit «Auszügen aus den Goldberg Variationen» von Johann Sebastian Bach, die nach einem gemächlichen Intro heiterer und rasanter wurden. Das zweite Stück war ein russischer Tanz aus dem Ballett «Petruschka». Wie Laketic im Zwischenspann erklärte, hat Igor Strawinsky das technisch schwierige Stück für den virtuosen Pianisten Rubinstein geschrieben. «Wir haben das Stück auf vier Hände aufgeteilt, doch es ist immer noch technisch anspruchsvoll», so Laketic. Dass diese Aussage stimmt, bemerkten die Zuschauer schon in den ersten Sekunden des Stücks. In einem rasanten Tempo spielten die beiden Musiker die verschiedenen Tonläufe auf Saxofon und Akkordeon. Zwar schien das Stück für die beiden nicht ganz mühelos, doch das Duo spielte die Melodien sehr gekonnt und akzentuiert.

    Nach diesem heiteren Intermezzo standen mit Edvard Griegs «Lyrischen Stücke» erneut eher melancholische Töne auf dem Programm. Dabei wurde einmal mehr deutlich, wie gut das Saxofon und Akkordeon miteinander harmonieren, einander ergänzen und spannungsgeladene Passagen erzeugen können. Das Stück zeigt aber auch mit Solopartien, wie schön melancholisch die einzelnen Instrumente alleine klingen können. Mit «Zug der Zwerge» finden Griegs «Lyrische Stücke» ein rasantes Ende, in dem Michal Knot und Bogdan Laketic einmal mehr ihre Fingerfertigkeit bewiesen. In den verschiedenen Parts des Stücks duellierten sich die beiden Musiker – einmal schnell und tänzerisch und einmal wieder ruhig und verträumt. Die anschliessende skandinavische Volksweise «Drømte mig en drøm i nat» (Träumte mir einen Traum des Nachts) entführt die Besucher in das mittelalterliche Dänemark. Das ruhige Stück im Polkatakt erinnert teils an kirchliche Orgelklänge, teils an sagenartige Volkslieder, bis es in einem rasanten, festlichen Finale endet.

    Eigens für das Duo Aliada komponiert

    Wie Bogdan Laketic in einer weiteren Zwischenansage erklärte, wurde das folgende Stück «Sargschiff» von Tomasz Skweres 2018 eigens für das Duo Aliada komponiert. Es geht auf die tragischen Migrationsschicksale ein, die es in Irland bereits im 19. Jahrhundert gab. Diese Tragik widerspiegelt sich stark in den experimentellen Elementen dieses zeitgenössisch komponierten Werks. In eine ähnliche Richtung gehen Aaron Cop­lands «Drei Stimmungen», die auf musikalische Weise die Gefühle der Verbitterung und Wehmut wiedergeben. Um die gedrückte Stimmung wieder auf ein höheres Niveau zu heben, wird die dritte Stimmung mit heiteren, jazzigen Elementen umspielt. Fröhlich ging es weiter mit George Gershwins «Drei Präludien», dessen erster Teil im Charleston-Rhythmus gehalten ist. Der zweite Teil kommt mit seiner typischen Intonation bluesig daher und das dritte ist ein schneller Foxtrott. Bei Arturo Marques «Danzon Nr. 2» zeigten die begabten Musiker zum Abschluss erneut ihre Leidenschaft für pointierte Tanzmusik und stellten einmal mehr ihr eindrückliches Rhythmusgefühl unter Beweis.

    Klaviersolos für eigene Besetzung umgeschrieben

    Bei dem gut einstündigen Konzert bewiesen die beiden Musiker Michal Knot und Bogdan Laketic ihre beeindruckende Vielfältigkeit und Spielfreude. Sowohl zeitgenössische, experimentelle Stück wie auch traditionelle Volksweisen oder klassische Standards präsentierten sie äusserst souverän und authentisch. Eine weitere Leistung der beiden ist, dass sie viele der interpretierten Stücke zuerst auf ihre Instrumente umgeschrieben haben, um eine gewisse Auswahl an Literatur zu haben und um der Besetzung ihres Duos zu weiterer Beliebtheit zu verhelfen.

    1FLTV strahlt eine Zusammenfassung des Konzerts aus.

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