• 20.01.2021 14:37 | von Mirjam Kaiser

    Menschen hinter der Kunst sichtbar machen

    Der für seine integrativen Ausstellungen bekannte Kunstverein Schichtwechsel fokussiert sich dieses Jahr auf eine Interviewserie.

    Angefangen hat das aktuelle Projekt des Kunstvereins Schichtwechsel mit dem Thema «Magic Moments». «Wir wollten wissen, ob Menschen in ihrem beruflichen Alltag magische Momente erleben», so Vorstandsmitglied Laura Hilti. «Und ob ihnen solche Momente wichtig sind.» Einerseits hätten sie und ihre Vorstandskollegin Stefani Andersen für sich selbst über diese Fragestellung nachdenken wollen, andererseits interessierte sie, wie andere über den Stellenwert von magischen Momenten nachdenken.

    Mit Interviews Menschen  neu kennenlernen

    Dieser Frage anhand von Interviews nachzugehen, war für die beiden naheliegend. «Damit kann man Leute auf eine neue Art kennenlernen», so Laura Hilti. Im Idealfall werde man durch die Interviews sogar inspiriert und könne etwas fürs eigene Leben daraus ziehen. Die Idee zu dieser Interviewserie sei nicht erst durch die Coronapandemie entstanden, denn mit Interviews könne man nicht nur Kunstwerke, sondern auch die Menschen dahinter sichtbar machen und einen Einblick in ihre Gedankenwelten geben. Ausserdem sei eine virtuelle Ausstellung für viel mehr Menschen zugänglich als eine «normale» Ausstellung. Erst später sei durch die Pandemie noch die Frage der Systemrelevanz hinzugekommen, erklärt Laura Hilti. «Daher wollten wir vom Kunstverein Schichtwechsel umso mehr ein Statement dazu abgeben, wie wichtig Kunst für unser Leben ist.»

    Fragen zum Leben wie auch zu magischen Momenten

    Ursprünglich hätten die Interviews persönlich geführt werden sollen, doch coronabedingt ist der Verein auf schriftliche Interviews ausgewichen. Alle angefragten Interviewpartner bekamen die gleichen 21 Fragen zugeschickt, von denen sie auch manche Fragen auslassen konnten. Zu ihrem Erstaunen hätten die meisten fast alle Fragen beantwortet. «Es war sehr spannend zu sehen, wie verschieden man Fragen beantworten kann», so Hilti. Neben Fragen zu den magischen Momenten in ihrem Leben wurde auch der persönliche Hintergrund und ihr Werdegang abgefragt. «Viele Kulturschaffende haben keinen linearen Lebenslauf, was ihn sehr spannend macht.» Ebenso dabei waren Fragen zur beruflichen Erfüllung, zur Zukunft und wofür sie dankbar sind. Allgemein seien die Interviews eine sehr spannende Erfahrung. Auch wenn

    in Zukunft vermutlich noch mündliche Interviews dazukämen, würden sie die schriftlichen Interviews beibehalten. «Es gibt Leute, die gerne lange über Fragen nachdenken möchten, und solche, die lieber spontan Auskunft geben», so Hilti. Daher wolle man mit den beiden Formen allen Menschen gerecht werden.

    Leute, die in irgendeiner Form beeindrucken

    Als Interviewpartner wurden Leute ausgesucht, die einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Die meisten von ihnen haben im weitesten Sinne etwas mit Kultur zu tun, aber es wurden auch Personen aus dem sozialen und anderen Bereichen angefragt. «Es sollten Leute sein, die uns in irgendeiner Form beeindrucken, aber nicht unbedingt in einem als systemrelevant definierten Job arbeiten», spezifiziert Laura Hilti. Dabei liegt der Fokus auf Liechtenstein, es wurden aber auch Leute angefragt, die der Schichtwechsel-Vorstand bereits von irgendwoher kannte oder die ihnen empfohlen wurden. «So fragen wir auch Leute an, die wir noch gar nicht kannten.»

    Mittlerweile sind bereits 34 Interviews auf der Schichtwechsel-Homepage veröffentlicht und drei weitere in der Finalisierung. Zu ihrem Erstaunen hätten die meisten der ­Angefragten zugesagt. «Wir hätten gedacht, dass viel mehr Leute absagen», so Laura Hilti. Schliesslich exponiere man sich auch ein bisschen mit einem Interview und gäbe einiges Persönliches preis. Daher freuten sie sich umso mehr über die vielen positiven Rückmeldungen. Einige Interviewpartner bedankten sich gar für den Anstoss, über solche tiefgreifenden Fragen nachzudenken. Die Interviews sollen den Kunstschaffenden dazu dienen, sich der Öffentlichkeit vorzustellen. «Daher konzentrieren wir uns darauf, den Künstlerinnen und Künstlern und anderen spannenden Menschen eine Plattform zu bieten.»

    Präsentation an «magischen» Anlässen

    Im Oktober vergangenen Jahres konnten sich sechs erste Interviewpartner bei einem Schichtwechsel-Anlass mit 5-Minuten-Vorträgen vorstellen. «Derzeit überlegen wir, wie wir solche Veranstaltungen möglichst magisch werden lassen könnten», so Laura Hilti. Ideen für solche Veranstaltungen oder Kooperationen seien ihnen auch schon durch Antworten in den Interviews gekommen. Dadurch, dass im Moment nicht geplant werden könne, sei der Schichtwechsel viel offener geworden. «Wir haben derzeit eine sehr produktive Ruhe.» Da es für Laura Hilti magische Momente ausmache, dass man sich persönlich trifft, warten sie derzeit noch ab, bis wieder sichere Veranstaltungen möglich seien. Bis dahin konzentrieren sie sich voll und ganz auf ihre Interviewpartner und deren Geschichten.

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