• 09.10.2020 21:39 | von Mirjam Kaiser

    Magische Momente vermittelt

    Bei seinem ersten Anlass des Jahres ging der Kunstverein Schichtwechsel den magischen Lebensmomenten nach.

    «Tun Sie im Leben das, was Sie wirklich tun möchten?» «Erleben Sie magische Momente?», hat sich der Schichtwechsel-Vorstand um Laura Hilti und Stefani Andersen in diesem Jahr gefragt. Zu diesem Thema haben die beiden zahlreiche Inter­views geführt mit Menschen, die in ihren Augen sinnvolle oder spannende Tätigkeiten ausüben. Sechs davon stellten sich am Freitag Abend beim Anlass  im Kunstmuseum in Vaduz vor. 

    Auf dem Weg zum Traumberuf
    Die erste Vortragende des Abends war Janine Köpfli, die über ihren Werdegang und ihre magischen Momente erzählte. «Bei der Vorbereitung habe ich gemerkt, dass ich besser über andere schreiben kann als über mich selbst», so Köpfli. Schnell habe sie festgestellt, dass ihre Notizen die vorgegebenen fünf Minuten bei Weitem sprengen würden. So habe sie rigoros «ihre Darlings gekillt», bis nur noch die Stichworte Ornithologin, Journalistin, Mama, Ministerium und Gemeindekanz­lei übrig geblieben seien. Trotz allen verschiedenen Stationen schlage ihr Herz immer noch für den Journalismus, wo sie zahlreiche ihrer magischen Momente erlebte. 
    Nahtlos ging der Vortragsabend über zu Dave Leimgruber, Geschäftsführer des Social Network Establishment (SNK) in Schaan. «Mein erster magischer Moment war meine Geburt», so Leimgruber. In der Schule sei er immer der lustige Dicke gewesen, der zwar mit allen befreundet war, aber nie eine Freundin hatte. Später habe er gemerkt, dass das Zuhören etwas ist, das ihn ausmacht. Seine Lebenswende sei dann eingetroffen, als er den Auftrag hatte, Millionen in der Formel 1 zu verteilen. Als er sah, dass zwei Aufkleber auf einem Formel-1-Auto vier Millionen kosteten, wollte er etwas ändern. Er kündigte, ging in die Jugendarbeit, später in die gesetzliche Arbeit mit Gefangenen. «Dort habe ich gemerkt, das ist mein Moment: etwas mit Menschen zu tun, die keiner will.» So habe er seine Firma SNK gegründet und hoffe, von seinen magischen Momenten etwas weitergeben zu können.

    Als dritte Vortragende sprach Mirjam Steinbock, Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg, über ihre erste grosse Liebe, ihr Pferd Bamboo. «Wir standen bei Sonnenaufgang auf einem Feld und hatten einen unendlichen Moment», so Steinbock. So habe sie auch in ihrem Berufsleben als Goldschmiedin und Kauffrau immer nach solchen Glücksmomenten gesucht. Irgendwann sei sie zum zeitgenössischen Tanz gekommen, wo sie einen weiteren magischen Moment erlebte, den sie seither versuche beizubehalten. 

    Beim nächsten Vortragenden, Rudolf Batliner, habe es nie den einen Moment gege­ben, doch im Nachhinein sei sein Lebenslauf stimmig. Durch sein Pharmaziestudium habe er seine Frau getroffen, ohne die sein Leben sicher anders ausge­sehen hätte. Auch habe er sich in seinem Leben nie mit seiner Unzufriedenheit zufrieden gegeben. Daher habe er auch immer wieder Veränderungen gesucht und sei schnell selbstständig gewor­den, um sein Leben selbst gestalten zu können.  «Magische Momente sind nicht so meins», sagte der nächste Vortragende Bernhard Frommelt. Früher sei es ihm egal gewesen, wie lange er weg war und wie es ihm am nächsten Tag gehe. Heute denke er immer gleich an die Aus­wir­kun­gen seines Verhaltens. Besonders prägend seien seine Jahre in der Lehre in der Schweiz gewesen. Er habe nie verstanden, warum man dort alle siezen muss. «In vier Jahren gab es keine magischen Momente, nur Schadenfreude», so Frommelt grinsend. Magische Momente habe er auf seiner Rucksackreise durch die USA erlebt, wo er die unendlichen Möglichkeiten in Las Vegas spürte. Doch im Nachhinein habe er feststellen müssen, dass vieles oberflächlich war. «Richtig magisch wäre es, wenn die Menschen richtig zusammenarbeiten würden.» 
    Als letzte des Abends gab Illustratorin Eliane Schädler einen Einblick in ihren Werdegang. «Ich habe mich treiben lassen und meinen momen­tanen Traum­beruf gefunden», so Schädler. Zeichnen sei ihr Beruf und Hobby gleichzeitig. Manch­mal laufe alles wie geschmiert und manchmal könne sie hundert Mal das gleiche Gesicht zeichnen, und es gefalle ihr immer weniger. Doch wenn nach einem erfüllten Auftrag alle zufrieden seien, gebe es auch bei ihr noch hin und wieder magische Momente.  
    Wie Schichtwechsel-Präsidentin Laura Hilti abschlies­send bemerkte, hätten ihr die Interviews einige Inputs geliefert, das eigene Leben etwas magischer zu gestalten. «Es würde uns freuen, wenn euch das Gleiche passieren würde.»

    Geteilt: x