• 15.10.2020 06:00 | von Bettina Stahl-Frick

    Künstlerische Reise ins «Anderland»

    «Die Vernissage im Anderland» heisst das aktuelle Projekt von Katja Langenbahn und Jacqueline Beck, das im November Premiere feiert.

    Eigentlich hätte die grosse Premiere bereits im März gefeiert werden sollen. Durch die Coronakrise kam dann aber auch für das Tanz- und Theaterprojekt alles anders. Es wurde jedoch nicht nur in die Warteschleife gesteckt, durch Sicherheitsmassnahmen wurde die Arbeit von Schauspielerin Katja Langenbahn und Choreografin Jacqueline Beck gar zurück auf null katapultiert. Ein neues Konzept musste her, ebenso ein anderer Titel: Aus «Die Vernissage» wurde «Die Vernissage im Anderland». Ein Stück, das Schauspiel, Tanz, Fotografie, Lyrik und Musik vereint – geprägt von einer Pandemie, deren Ausmass sich zuvor kaum jemand hätte vorstellen können. Es ist, als lebten die Menschen seit März in einem anderen Land – eben im «Anderland».

    Liebe und Enttäuschung, Wut und Glück

    Geschrieben hat das Stück «Die Vernissage im Anderland» Katja Langenbahn, für die Choreografie der Tänzerinnen ist Jacqueline Beck verantwortlich, ebenso für die Fotografien, welche sie zum ersten Mal in diesem Rahmen ausstellt. Regie führen in diesem  Stück beide. Ein Stück, das den Fokus auf die Tugenden setzt, die es auf dieser Welt gibt. Es geht um Liebe, wie auch um Enttäuschung. Um Wut und Hoffnungslosigkeit ebenso wie um Glück und Zufriedenheit. Im Zentrum steht auch der Faktor Zeit: Wie gehen wir überhaupt mit ihr um? Und: Hatten die Menschen früher mehr Zeit? Ursprünglich wäre geplant gewesen, vier Räume mit all diesen Gedanken und Gefüh-len zu bespielen. Ähnlich wie beim Stück «Where the magic happens», das Katja Langenbahn und Jacqueline Beck im März 2019 im Rahmen eines Schulprojektes mit dem 10. Schuljahr aufgeführt hatten. Im Rahmen der Aufführung hätten die Zuschauer alle vier Räume durchlaufen, die alle zur selben Zeit bespielt worden wären. Aufgrund der begrenzten Besucheranzahl und weiteren Covid-Schutzvorkehrungen begrenzt sich das «Anderland» nun noch auf einen einzigen Raum. Was gleich geblieben ist vom ursprünglichen Konzept: «Jeder Zuschauer muss seine Hände desinfizieren, bevor er oder sie das Anderland betritt», sagt Katja Langenbahn. «Und ja, es ist tatsächlich so, dass wir dies genau so vor der Corona-pandemie geplant hatten.» Die ursprüngliche Idee der beiden Regisseurinnen war, dass jeder Besucher sich von einer vergifteten Welt desinfiziert, bevor die Gäste die heilige Halle der Tugenden betreten. Nun könnten den beiden wahrsagerische Fähigkeiten nachgesagt werden. In Wahrheit hätten Katja Langenbahn und Jacqueline Beck nie und nimmer erahnen können, dass ihre Idee tatsächlich zu einer Vorschrift wird – coronabedingt.

    Eine Plattform für junge Künstler

    Als ein «sehr spannendes Projekt» beschreibt Katja Langenbahn das Stück. Ebenso als «eine grosse Herausforderung», wie sie sagt. Vor allem weil sich innerhalb kürzester Zeit grundlegende Gegebenheiten geändert haben. Nicht zuletzt sind durch die Verschiebung auch Profitänzer ausgefallen, weil diese im November wiederum für andere Engagements gebucht sind. Für Katja Langenbahn und Jacqueline Beck hiess dies, eine ihrer Stärken einmal mehr unter Beweis zu stellen: Flexibilität. Zufrieden blicken sie nun auf das

    Geleistete – und können die Premiere kaum erwarten. Durch das Stück führt Zeno Langenbahn als Hutmacher mit seiner Assistentin, gespielt von Hanna Batliner. Jürgen Schremser wird es sich als Obermeister nicht nehmen lassen, per Videoeinschaltung ein paar Worte über die Tugend zu verlieren. 17 Tänzerinnen werden mit ihrer

    Körpersprache Emotionen erzeugen, Leonie Wanger mit ihrer Stimme durch Gesang. Katja Langenbahn und Jacqueline Beck ist es mit ihrem aktuellen Stück nicht nur gelungen, verschiedene Kunstformen zu vereinen, auch bieten sie mit ihrem Projekt eine Plattform, um junge Künstlerinnen und Künstler aus Liechtenstein und der Region zu fördern. Die Proben sind nun seit August wieder in vollem Gange, wenn auch unter etwas anderen Vorzeichen. Vorzeichen, die das Stück prägen. Ein Stück, das in die derzeitige Situation rund um Covid-19 nicht besser passen könnte.

    Geteilt: x
Rund 20 Bilder von Jacqueline Beck, die das Stück für die Tänzerinnen auch choreografierte, sind ...
Foto: Jacqueline Beck