• 25.10.2020 22:35 | von Mirjam Kaiser

    Irische Lebensfreude im TAK

    Für einen sorgenfreien Abend sorgte am Samstagabend die Celtic-Folk-Band Cara mit rasanten wie auch poetischen Stücken im TAK.

    Aufgrund der verschärften Einreisebestimmungen spielte am Samstag im TAK nicht wie ursprünglich geplant die britische Band Ímar, sondern die deutsch-schottische Formation Cara. Die «Ersatzband», bestehend aus einem Dudelsackspieler, einer Violinistin, einer Pianistin und einem Gitarristen, konnte sich durchaus hören lassen. Während eineinhalb Stunden entführten sie mit zahlreichen mitreissenden aber auch gefühlvollen Eigenkompositionen im irischen Stil auf die grüne Insel. 

    Reels, Pubsongs und poetische Balladen
    Der musikalische Abend begann mit einer ruhigen Dudelsackmelodie, in die die Violinistin Gudrun Walther disharmonisch einstimmte, bevor die Gitarre und das Piano wieder ins Harmonische überleiteten. Nahtlos ging diese Eigenkomposition mit dem Titel «There will be Fog» über in einen rasanten Reel, in dem auch die für irische Stücke typische Jauch­zer und Stampfgeräusche nicht fehlten. Es folgte ein altes traditionelles Stück aus dem Jahr 1650: «A Warning for all married Women». Darin wird eine verheiratete Frau von ihrer verflossenen Liebe zu einer Reise überredet, worauf dieser sich in den Teufel höchstpersönlich verwandelt. Passend zum Liedtext verwandelt sich die anfänglich fröhliche Stimmung mit Walthers hoher Kopfstimme in eine teuflische Stimmung mit disharmonischen Geigenklängen und kräftigen Gitarrenrhythmen. Beim anschliessenden rasanten Instrumental­stück setzte das für Coronazeiten zahlreich erschienene Publikum mit Klatschen in den für Volkstänze typischen 2/2-Takt ein. Für die melancholischen Balladen sorgte Kim Edgar am Piano. «Ich komme aus Schottland und Schottland ist noch viel trauriger als Irland», sagte sie. Daher versuche sie, diese nordische Melancholie in die Band zu bringen. Doch ein nächstes fröhliches Lied, wiederum ein rasanter Tanz, liess nicht lange auf sich warten. Die manchmal etwas mühsamen Schutzmasken waren längst vergessen und so wollte man am liebsten aufspringen und Titanic-mässig im Takt mithüpfen. 
    Die zwei Stimmen der beiden Sängerinnen und deren unterschiedliche Komponierweisen ergänzten sich hervorragend und sorgten für ein abwechs­lungsreiches Programm. Während Kim Edgar mit ihrer hohen, sanften Stimme eher gefühlvolle Töne anschlug, sorgte Gudrun Walther mit ihrer kräftigen und variantenreichen Stimme für die raueren Pubsongs. Mal sang sie mit ihrer luftigen Kopfstimme, mal eher in tiefen Lagen. Immer an ihrer Seite begleitete der Flötist Hendrik Morgenbrodt mit Dudelsack, Tin Whistle oder Querflöte virtuos die rasend schnellen Stücke, was nicht selten in musikalischen Duellen endete. Für den Rhythmus sorgte Gitarrist Jürgen Treyz, der mit seinem Effektgerät und einer elektrischen Fusstrommel die groovigsten Basstöne aus seinem Instrument zauberte. Seine Virtuosität stellte er mehrmals bei einer Art Basssolo auf der Gitarre unter Beweis. Neben mehreren irischen Reels, Balladen und Pubsongs hatte die Band auch einen Blues im Gepäck, den Gudrun Walther einen Tag nach Donald Trumps Wahl geschrieben hat. Aus aktuellem Anlass würden sie dieses Stück mit dem Titel «Isn’t it Time to be worried» nun wieder spielen. Auch etwas countrymässiges war dabei, nämlich bei Kim Edgars Komposition «The naked man in the Pool», bei dem Jürgen Treyz seine Gitarre umkippte und diese zu einer Steel Guitar umfunktionierte. 

    Publikum klatschte und sang innerlich mit
    «Wir bemühen uns, Stücke zu spielen, die nicht ganz so depressiv sind wie üblich», sagte Gudrun Walther in Anspielung auf die jetzige Zeit. So spielten sie das einzige irische Seemannslied, bei dem der Seemann am Schluss noch am Leben ist. Für diese wunderschöne, sehnsuchtserfüllte Ballade mit dem Titel «Hall away boy, hall away» forderte sie das Publikum auf, coronakonform «innerlich mitzusingen», was die Gäste augenscheinlich auch taten. Auch um das Mitklatschen musste die Band nicht lange bitten, denn das Publikum war hell begeistert von der Darbietung der vier Musiker, was sich am jeweils starken Applaus zeigte. Zum grossen Finale gab die Band nicht nur einen schnellen Reel à la «Lord of the dance» zum Besten, sondern auch einen Slide, den schnellsten Tanz, den es in Irland gibt. Nicht nur das Publikum freute sich über den sorgenfreien Abend, sondern auch die Band, dass sie trotz der geschlossenen Restaurants wieder einmal live spielen durfte.

    Geteilt: x