• 13.01.2021 15:57 | von Bettina Stahl-Frick

    Internationale Anerkennung für Blum

    Vaduz / Im Rahmen des renommierten Monochrome Photography Awards hat es der Liechtensteiner Fotograf auf Platz drei geschafft. 

    Roland Blum, man darf sagen, Sie reiten derzeit auf einer Erfolgswelle: Zum einen konnten Sie bei der Photo München 2020 ausstellen, auch wenn diese Ausstellung coronabedingt nur online gezeigt wurde. Wie haben Sie mit Ihren Fotografien den Sprung nach München geschafft?

    Roland Blum: Ich habe es einfach versucht. Ich habe eine noch nicht veröffentlichte Arbeit aus meiner Wüstenserie eingereicht und offenbar ist sie auf ein sehr positives Echo gestossen und so habe ich es unter die Besten geschafft, die ausgewählt wurden. Im Vergleich zur Photo Schweiz ist München mit Sicherheit nochmal eine Schuhnummer grösser. Denn in Deutschland gibt es natürlich viel mehr Fotografen und folglich ist es schwieriger, ausgewählt zu werden. Deshalb sehe ich die Teilnahme als eine grosse Ehre. Schade ist nur, dass die Ausstellung coronabedingt nur online stattfinden konnte. Trotzdem war die Ausstellung ein toller Erfolg. Sowohl die Vernissage im Onlineformat als auch die anschliessenden Zoom-Talks waren eine neue Erfahrung, die ich so in der Form noch nicht kannte.

    Erfolgreich waren Sie auch bei dem renommierten Monochrome Photography Award und belegten in der Kategorie «Abstract» Platz drei. Welche Türen öffnet Ihnen dieser Preis?

    Dass ich es unter die besten drei geschafft habe, ist ein Supererfolg für mich, der mich wirklich freut. Gerade in dieser doch recht frustrierenden Phase, in welcher in den vergangenen Monaten doch so viel den Bach runterging. Dieser Preis bedeutet letztlich internationale Anerkennung – ich werde mit meiner Arbeit wahrgenommen und hebe mich so aus der Flut von Tausenden guten Bildern ab. Das war auch der Grund, weshalb ich mich beworben habe. Ich habe für mein Wüstenprojekt einen enormen Aufwand betrieben und es freut mich sehr, dass meine Arbeit nun in dieser Form honoriert wird. Die Arbeit der jeweils besten drei Fotografen pro Kategorie wird zudem in einem Buch veröffentlicht und auch das steigert sicher den Bekanntheitsgrad und kann weitere Türen öffnen. Wer weiss. Es ist da etwas ähnlich wie beim Sport: Gehört man zu den 30 besten Skifahrern und landet immer zwischen dem 25. und 30. Platz, kräht kein Hahn danach. Schafft man es aufs Podest, dann ist die öffentliche Wahrnehmung eine etwas andere. Man muss es einfach versuchen und darf sich auf diesem Weg auf keinen Fall verbiegen lassen.

    Womit glauben Sie, die Jury überzeugt zu haben?

    Das müsste man die Jury fragen. Es ist nicht meine Art, meine eigene Arbeit in den Himmel zu loben. Aber wenn ich mir die Liste renommierter Fotografen anschaue, die in den vergangenen Jahren die ersten drei Plätze gewonnen haben, dann freue ich mich einfach mit Demut und Bescheidenheit, in diesen Kreis aufgenommen worden zu sein.

    Diese Woche hätten Sie Ihre Ausstellung «Poetry of Silence» im Domus in Schaan eröffnet. Coronabedingt wurde sie wiederum auf Juni verschoben. Bereits im vergangenen Jahr ist Ihre Ausstellung in der Stein Egerta ins Wasser gefallen. Wie zermürbend fühlt sich dies an?

    Es ist eine sehr schwierige Situation und einfach sch... – sorry, ich kann es nicht anders sagen. Vielen geht es ja noch wesentlich schlechter. Ich habe alles so akribisch geplant und absolut nichts hat in dieser Form geklappt. Die Bilder für die Ausstellung habe ich ja bereits produzieren lassen, auf denen «sitze» ich nun. Einen Teil habe ich in meinem Schlafzimmer untergebracht und beinahe jede Nacht stosse ich meinen Kopf daran. Toll! Das Schlimmste ist, man kann niemandem die Schuld geben. Man bereitet sich vor, macht und tut – und plötzlich steht man vor einer grossen Leere. Das ist nicht so einfach. Vor allem macht es meine weitere Planung extrem schwierig. Nun ja. Immerhin habe ich das Glück, dass sich ganz unerwartet andere Türen aufgetan haben, was ich nie erwartet hätte.

    «Man muss es einfach versuchen und sich auf keinen Fall verbiegen lassen.»

    Welche neuen Türen sind denn aufgegangen?

    Damit meine ich die für mich unerwartete Zusage für die Ausstellung in München, die im November und Dezember stattfand. Und aktuell natürlich der dritte Preis bei den Monochrome Photography Awards. Beides kam für mich sehr überraschend und beides war zur Abwechslung sogar positiv! 

    Auf alle Fälle finden Sie trotzdem noch die Motivation, Neues in Angriff zu nehmen.

    Manchmal braucht man etwas Zeit, um Rückschläge zu verdauen. Diese Zeit habe ich mir genommen und jetzt geht es weiter. Es gibt keine andere Option für mich. Ich bin derzeit viel in den Bergen unterwegs und arbeite an einem neuen Projekt. Es ist schön, in eine neue Arbeit einzutauchen.

    Geben Sie einen Einblick in diese neue Arbeit?

    Ich denke, man sollte erst dann über eine Arbeit reden, wenn sie abgeschlossen ist. Was ich sagen kann: Ich brauche immer sehr viel Zeit, bis es klick macht. Ich besuche mögliche Orte immer mehrere Male und suche nach den optimalen Lichtverhältnissen und erarbeite mögliche Bildkompositionen. Ich habe die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig intensiv genutzt und war oft vor allem auf Silum, Gaflei, Gnalp, Masescha und Provatscheng unterwegs. Das setze ich momentan weiter fort. Ich weiss jetzt, in welche Richtung sich die Arbeit entwickeln kann, nun versuche ich sie Stück für Stück umzusetzen. Ausserdem plane ich nach wie vor eine Fortsetzung meines Wüstenprojekts in Namibia. Und sobald es möglich ist, werde ich diese Arbeit fortsetzen. Im Moment schaue ich aber, wohin mich mein jetziges lokales Projekt führt.

    Können Sie sich auch vorstellen, sich komplett in die Welt der Fotografie zurückzuziehen?

    Ich liebe meine Arbeit im Radio und ich liebe die Fotografie – so wie es momentan ist, stimmt es für mich.

    Was wäre Ihr Traum, fotografisch zu realisieren?

    Wie bereits angesprochen, mein Traum ist es, baldmöglichst meine Arbeit in der Wüste Namib fortzuführen.

    Was fasziniert Sie an der Fotografie ganz allgemein? Insbesondere an Schwarz-Weiss-Fotografie?

    Ich mag diese magische Einfachheit – man hat einen vorgegebenen Rahmen und füllt diesen. Was so banal klingt, ist genau die Herausforderung: Ein Bild zu schaffen, welches das wiedergibt, was man in dem Moment gesehen und gefühlt hat. Wenn einem das gelingt, dann kann es beim Betrachter etwas auslösen und dieser hat die Möglichkeit, sich darauf einzulassen. Ich liebe Abstraktion – das ist ein Hauptthema für mich. So zieht es mich auch immer wieder wie von selbst zur Schwarz-Weiss-Fotografie, die an sich ja schon eine Abstraktion ist, indem man Farbe weglässt.

    Arbeiten Sie in der Fotografie nach Vorbildern?

    Nein, Vorbilder in diesem Sinne habe ich keine. Es gibt aber viele Meister, deren zeitlose Arbeit ich sehr mag. Sei es in der Fotografie, der Malerei oder in der Musik. Ich glaube, das Schlimmste ist, wenn man versucht, etwas nachzumachen. Das ist für mich völlig uninteressant. Zuerst muss man herausfinden, was man nicht mag, und dann muss man sich viel Zeit lassen, dass sich ein eigener Stil natürlich entwickeln kann.

    Wie gross ist denn die Konkurrenz unter Fotografen?

    Ich hatte bis jetzt viele gute Erfahrungen – auch jetzt wieder an der Foto München. Alle sind sehr respektvoll, kollegial und hilfsbereit. Als Liechtensteiner ist man immer schnell mal der Exot, aber das kennen wir ja alle, daran gewöhnt man sich schnell. Und da ich weder ein «Herdenfotograf» bin, der um dasselbe Sujet kämpfen muss, noch einer, der um den selben Auftrag buhlen muss, bin ich nicht unter Zwang, was ich als grosses Glück empfinde. 

    Weitere Infos zum Monochrome Photography Award unter https:// monoawards.com/winners-gallery/monochrome-awards-2020/professional/abstract

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