• 29.09.2020 13:22 | von Julia Kaufmann

    Briefmarken vereinen Altes und Neues

    Neue Techniken haben der Philatelie Liechtenstein weitere Türen geöffnet. Dennoch wird das Altbewährte nicht aussen vor gelassen.

    So unscheinbar sie manchmal auch sein mögen, wenn sie rechts oben am Umschlag kleben, so bedeutend sind sie zugleich auch: Briefmarken aus Liechtenstein. Sie sind nicht nur Botschafter, die Liechtenstein im Ausland repräsentieren, sondern geniessen nach wie vor einen hohen Stellenwert und gehören zum Kulturgut des Landes. Auch bei Sammlern aus aller Welt sind die kleinen Kunstwerke mit der Aufschrift «Fürstentum Liechtenstein» sehr gefragt.

    Dennoch ruht sich die Philatelie Liechtenstein nicht auf diesem Erfolg aus. Mit ihrer Leiterin Christine Böhmwalder möchte die Institution in der breiten Bevölkerung ein Bewusstsein für die Marken schaffen und dabei gerade auch die jüngere Generation für das Thema begeistern. Damit dies gelingt, ist Kreativität, Fleiss und Mut gefragt, etwas Neues auszuprobieren.  
    Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne

    Die technologischen Errungenschaften eröffnen der Philatelie neue Möglichkeiten in der Gestaltung und Herstellung von Briefmarken. Die Herausforderung dabei ist jedoch, Tradition und Moderne zu vereinen. Typische Charaktereigenschaften wie die Zähnung an den Rändern oder dass sie nassklebend sind, sollen nicht so einfach über Bord geworfen werden. Schliesslich sind diese Merkmale vor allem für Sammler von grosser Bedeutung. «Gleichzeitig», erklärt Christine Böhmwalder aber auch, «möchten wir traditionelle und historische Themen durch eine moderne Gestaltung aufwerten.» Die Briefmarken sollen durchaus mit der Zeit gehen. Deshalb werden immer wieder aktuelle Themen aufgegriffen. So soll mit der PET-Briefmarke etwa auf den Umweltschutz aufmerksam gemacht oder mit den Sondermarken zum 300-Jahr-Jubiläum Liechtensteins eine Erinnerung an dieses spezielle Jahr geschaffen werden.

    Die Sonderausgabe «300 Jahre Fürstentum Liechtenstein» brachte sodann auch die ersten gestickten Briefmarken in Liechtenstein auf den Markt. Die offizielle Briefmarke und die limitierte Sonderedition, die als Zusatzprodukt für Sammler lanciert wurde, zeigen beide den Fürstenhut, wobei bei der limitierten Sonderedition neben Swarovski-Kristallen auch ein 24-Karat-Goldfaden verwendet wurde –eine Weltneuheit. Bei einer Nominale von 6,30 Franken lag der Kaufpreis bei 300 Franken. Mittlerweile ist die Briefmarke aber schon um einiges wertvoller, weiss Christine Böhmwalder. Und so ist der gestickte Fürstenhut mit Goldfaden und Swarovski-Kristallen derzeit die teuerste Liechtensteiner Briefmarke auf dem Markt.   
    Mit eigener Marke ein Statement setzen

    Da die Themen für die offiziellen Marken jeweils zwei Jahre im Voraus definiert werden müssen, gibt es zusätzlich die Briefmarken der Liechtensteinischen Post AG, mit denen die Philatelie flexibler auf aktuelle Ereignisse reagieren kann. «Wir bemühen uns, Technologien und aktuelle Themen zu verbinden, um modern zu sein. Daher hat mein Vorgänger beispielsweise die personalisierte Briefmarke eingeführt», erklärt Christine Böhmwalder. Damit gemeint sind jene Marken, die auf der Webseite «diemarke.li» selbst gestaltet werden können. Als Motive können dabei zum Beispiel Fotos vom Haustier, dem Lieblingsort oder -auto sowie Porträtbilder oder Familienfotos dienen. Mit nur wenigen Klicks entsteht so eine persönliche und postgültige Marke. «Das ist eine tolle Möglichkeit, um nicht immer die offiziellen Briefmarken nutzen zu müssen», meint die Leiterin der Philatelie. Auch viele Liechtensteiner Unternehmen hätten dieses Angebot bereits für sich entdeckt und beispielsweise Briefmarken mit dem Firmenlogo anfertigen lassen. «Dabei handelt es sich um ein hervorragendes Werbemittel und es freut uns sehr, dass die personalisierte Marke bei vielen so gut ankommt», sagt Christine Böhmwalder.  

    Jüngst hat auch die Coronapandemie ihren Teil dazu beigetragen, Aufmerksamkeit für die kleinen Kunstwerke zu schaffen. Gerade zur Anfangszeit der Pandemie, als es hiess, wenn möglich zu Hause zu bleiben, fand im Alltag vieler Liechtensteiner eine Entschleunigung statt. Sie konnten sich wieder auf das Besinnen, was wirklich zählt. Und dazu gehörte weiterhin der Austausch mit den Liebsten. Aus diesem Grund wollte die Philatelie die Menschen in Liechtenstein unter dem Motto «i denk a di» ermutigen, sich wieder einmal Zeit zu nehmen und jemandem, der einem am Herzen liegt, eine handschriftliche Nachricht zukommen zu lassen. Für diese Aktion wurden passende Briefmarken entworfen, die symbolisch darauf hinweisen sollten, wie Liechtenstein gerade in dieser schwierigen Zeit näher zusammenrücken kann. «Wir haben viele tolle Rückmeldungen zu diesem Projekt erhalten und es hat die Wertschätzung der Briefmarke gegenüber hervorgehoben.» Schliesslich gehöre das Schreiben von Briefen zur Kulturgeschichte des Landes. Und damit verbunden hätten auch die kleinen Kunstwerke wieder mehr Beachtung gefunden.

    Nächste Neuheit steht in den Startlöchern

    Momentan probiert die Philatelie so manche neue Technik  aus. Eine sei besonders vielversprechend, erklärt Christine Böhmwalder. Mehr möchte sie derzeit aber noch nicht verraten. Nur so viel: «Wir sind uns sicher, dass es eine geniale Sache für Jung und Alt werden wird.»

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