• 30.09.2020 06:00 | von Bettina Stahl-Frick

    «Auch ein Lätsch kann glücklich machen»

    Im Zusammenhang mit der «Global Happiness»-Ausstellung hat Mona Vetsch sich auf eine Glücksreise durch die Schweiz begeben.

    Ein Schwein als Haustier – «das würde mein Glück perfektionieren», sagt Mona Vetsch und lacht herzhaft. Mit dem Tier verbinde sie nicht nur Erinnerungen an ihre Kindheit, die sie zu Hause auf einem Bauernhof verbracht hat. «Es ist auch eine sehr grosse Drecktoleranz, die uns verbindet», witzelt die Fernseh- und Radiomoderatorin im Landesmuseum, wo sie gestern Abend zu einem Talk mit Ausstellungskuratorin Nadja R. Buser eingeladen war. Denn im Zuge der Ausstellung von Helvetas «Global Happiness – Was brauchen wir zum Glücklichsein?» mit der Zusatzausstellung von LED «solidarisch – weil Liechtenstein das Wohl aller am Herzen liegt» hat Mona Vetsch in der Schweiz das Glück gesucht und Menschen gefragt, ob Kinder, Geld, Glaube oder Schönheit glücklich machen. «Reporter Spezial – Mona Vetsch fragt nach dem Glück» hiess die vierteilige Sommerserie auf SRF 1. Im Talk erzählte sie von ihren Erfahrungen – frisch von der Leber, spontan und äusserst charismatisch. Eben wie man die Moderatorin kennt. 

    Etwas loszulassen macht oft glücklicher, als zu besitzen
    Im Rahmen ihrer Serie hat sich Mona Vetsch mit verschiedensten Menschen unterhal­ten und fühlte ihnen mit Fragen auf den Zahn. Doch gestern nun die Frage an sie: Wie wichtig ist das Geld denn für die Moderatorin selbst? «Um ehrlich zu sein, wichtiger als ich gedacht habe», so Mona Vetsch. Allerdings im Sinne von Sicherheit, wenn etwas Unvorhergesehenes passieren sollte. Eine grosse Konsum-Ader habe sie nicht – «Materielles macht mich nicht glücklich», sagt Mona Vetsch. Im Gegenteil: Von etwas loszulassen mache oft glücklicher, als zu besitzen. So habe es ihr einst auch eine Seniorin erzählt auf ihre Frage, wie schwierig der Weg war, das Zuhause zu verlassen, um den Lebensabend im Altersheim zu verbringen. Ihre Tochter sei es gewesen, die es ihr nicht einfach gemacht habe, erzählt die Seniorin. Denn sie habe ihr von zu Hause alles mitgeben wollen. Bilder, Dokumente, schier jeden Schnipsel. «Dabei wollte ich los- und vor allem zurücklassen. Denn loslassen bedeutet Freiheit», habe die Seniorin geantwortet. 

    Ein Stückchen Glück mit Fahrtwind im Gesicht
    «Glück ist nichts Zufälliges, sondern eine Haltung», ist Mona Vetsch überzeugt. «Und alles, was uns glücklich macht, kostet nichts: nett zu unseren Mitmenschen sein.» Abgesehen davon gibt es Millionen andere Kleinigkeiten, die Menschen glücklich machen können. Diese sind allerdings individuell. Für Mona Vetsch kann es auch der Fahrtwind sein, wenn sie auf dem Fahrrad sitzt – vor allem wenn sie sich dabei zurücklehnt und ihr Mann in die Pedale tritt. «Der Wind im Gesicht und die frische Brise auf der Haut – einfach herrlich!», schwärmt die Moderatorin. 

    Auch der Glaube war ein Themenblock in Mona Vetschs erfolgreicher Sommerserie. Sie selbst habe ihren Glauben und sei auch überzeugt, dass es weitaus mehr gibt, als wir Menschen sehen oder messen können. «Was genau das ist, muss ich allerdings nicht wissen», sagt sie und bekennt sich als «Anti-Esoteriker». Beispielsweise verzaubere sie die Natur endlos. «Ohne zwingend das Göttliche zu sehen oder nach einem tieferen Sinn zu suchen.» 

    Zum Glück gibt es nicht nur einen Weg
    Über das Thema «Kinder» hat sich die Moderatorin in ihrer Serie mit zwei Paaren unterhalten. Beide haben jahrelang versucht, Kinder zu kriegen. Nach unzähligen Versuchen mit künstlicher Befruchtung und noch unzähligeren Tränen ging bei einem Paar der langersehnte Kinderwunsch in Erfüllung, beim anderen blieb er aus. «Das Paar ohne Kinder war jedoch nicht weniger glücklich», so Mona Vetsch. Denn die beiden hätten ihren eigenen Weg gefunden, auch die Zweisamkeit zu geniessen. «Das Leben kann überraschen, man muss dafür nur offen sein und wissen, dass es nicht nur den einen Weg gibt, um glücklich zu sein.» 

    Und wie denkt Mona Vetsch über Schönheit? «Ich bin chaotisch, lustig, interessiert, leidenschaftlich, ehrgeizig, spontan ebenso wie introvertiert. Aber schön steht ganz bestimmt nicht auf meiner Liste», so die Moderatorin. Schon als Kind wäre sie lieber ein Pirat als eine Prinzessin gewesen. «Klar spielt Aussehen gerade in meinem Beruf als Fernsehmoderatorin eine Rolle», sagt sie. Sie setze Schönheit aber mit makellos gleich. «Ich will nicht die sein, die anderen gefallen möchte.» Wichtiger sei ihr eine positive Ausstrahlung. 

    Lateinamerikanischer Glücksfaktor gewünscht
    Eine positive Ausstrahlung hatte auch einst ein Paar auf Mona Vetsch, das sie in ihrer Auswanderer-Serie porträtierte. Er: Schweizer, sie: Mexikanerin. Nachdem sich die Mexikanerin in der Schweiz nicht wohl­fühlte, wanderte ihr Mann mit ihr in ihre Heimat nach Mexiko aus. Dort besuchte Mona Vetsch die beiden. «Sie erzählte mir, dass die Schweiz ein wunderbares Land sei, in dem man sich sehr sicher fühlen könne.» Aber es sei so kalt. Mona Vetsch habe daraufhin gesagt, dass sie die Schweiz dann eben im Sommer besuchen solle. «Nein», habe die Mexikanerin gesagt, sie habe mit «kalt» die Menschen gemeint. Sie seien zwar sehr höflich, aber nicht so herzlich, was ihr gefehlt habe. «Tatsächlich würde ich mir für die Menschen hierzulande mehr ­lateinamerikanischen Glücks­faktor wünschen», so Mona Vetsch. Das heisse nicht, tagaus, tagein mit einem aufgezwungenen Lachen durch die Welt zu gehen. Auch einmal einen «Lätsch» ziehen zu können, kann im Endeffekt wiederum glücklich machen. 

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