• 28.02.2021 12:00

    «Nach nur einem Satz war es um mich geschehen»

    Für Leandro und Damiano ist es die normalste Sache der Welt, dass sich ihre Mama in eine Frau verliebt hat. «Liebe kann niemals falsch sein», sagt Caroline, die Mama der Jungs, und freut sich, dass Daniela zur Familie gehört.

    Es muss ein Mann gewesen sein, der auf die Idee kam, dass Freitag, der 13., Unglück bringen soll. Gott sei Dank gibt es Menschen, denen genau an diesem Tag das Glück widerfährt. «Wir lernten uns kennen am Freitag, dem 13. Oktober 2017. Es war der beste Tag in meinem Leben», freut sich Daniela, die Frau von Caroline.

    Caroline war mit ihren beiden Jungs vier Monate allein, eigentlich wollte sie vorerst keine Beziehung mehr. Eigentlich. Zur selben Zeit war Daniela in einer Fernbeziehung, die aber nicht funktionierte. Dennoch besuchte Caroline hin und wieder die LGBTQ-App Moovz. Immer wieder klickte sie sich zum Profil von Daniela, ohne vermeintlich eine Spur zu hinterlassen. Doch falsch gedacht. Jeder Besuch wurde registriert. Daniela reagierte auf die «Hot chick» aus dem Fürstentum. «Sie hat gemerkt, dass ich andauernd ihre Fotos stalke», erzählt die 38-Jährige.

    Von Auge zu Auge

    Daniela besuchte kurze Zeit später Caroline und ihre beiden Jungs. Bei der ersten Begegnung fehlten Caroline die Worte, und das soll etwas heissen. «Als sie das erste Mal vor mir stand, dachte ich nur Wow!»

    Gefunkt hat es ziemlich schnell. Der Kontakt war intensiv. «Als ich ihr einige Tage später von meiner Fehlgeburt erzählte, schrieb sie mir nur einen Satz. Da war es um mich geschehen», erinnert sich Caroline, die in Eschen ein Nähatelier führt. Zwei Monate später gingen sie erstmals in den Ausgang. Zuerst in die «Zwei Bar», anschliessend ins «Alpenchique» in Schaan. «Wir hatten Spass, tanzten die ganze Nacht, am Schluss waren wir betrunken», erzählt die 29-Jährige mit einem Lächeln.

    Viele Interessen und Lebenseinstellungen verbinden die beiden. «Daniela und ich machen so ziemlich alles gemeinsam, umso leichter sind dann die weniger coolen Sachen, die auch gemacht werden müssen», unterstreicht Caroline. Und Daniela ergänzt: «Uns verbinden unsere Liebe, unsere Gedanken, unsere Seelen und unsere Sexualität. Uns verbindet das Glücklichsein genauso wie das Traurigsein. Wir schaffen alles gemeinsam. Wir sind ein cooles Team, nicht nur ein cooles Paar.»

    Aufklärung in der Schule
    Mittlerweile wohnen alle vier unter einem Dach. Klar, es war nicht immer leicht. «Dani war anfangs unglaublich eifersüchtig», erinnert sich Caroline und Daniela ergänzt: «Ich bin ruhiger geworden, früher bin ich schnell ausgerastet.»

    Die beiden leben in einer eingetragenen Partnerschaft. Daniela hat es clever angestellt. «Jeweils, wenn sie mich gefragt hat, ob ich sie heiraten möchte, schenkte sie mir einen anderen, selbstgemachten Ring. Ich antwortete natürlich immer mit Ja», lächelt Caroline und sagt: «Daniela ist die Liebe meines Lebens.»

    Wie erleben es die Jungs, wenn zwei Mamas zu Hause sind? «Die finden es schön, noch einen lieben Menschen um sich zu haben, und da der Kontakt zum Vater auch eng ist, haben die Jungs nichts verloren, sondern nur gewonnen», unterstreicht Caroline.

    Wenn Leandro und Damiano in der Schule nach ihren beiden Mamas gefragt werden, erklären sie ihren Mitschülern, dass dies eben ganz normal ist, denn Liebe kann niemals falsch sein. (Mario Heeb)

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