• 26.11.2020 07:00 | von Julia Strauss

    Was der PCR-Test kann – und was nicht

    Über den PCR-Test gibt es viele Unklarheiten und Falschinformationen. Drei Experten beantworten die meistgestellten Fragen.

    Vor einem Jahr wusste fast nur medizinisches Fachpersonal, wann und wie ein PCR-Test eingesetzt wird. Mit der Pandemie sind Tausende vermeindliche «Experten» hinzugekommen. Im Wirrwarr aus Zahlen und Fachausdrücken kann es schwierig sein, den Überblick zu behalten. Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini, Manuel Frick vom Ministerium für Gesellschaft und Lorenz Risch von der LMZ Dr. Risch Gruppe klären über die wichtigsten Fragen auf.

    Wie funktioniert ein sogenannter PCR-Test?

    Ein PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktions-Test) ist ein kompliziertes laborchemisches Verfahren. Nachdem mit einem Abstrich Zellen von der Nasenschleimhaut entnommen wurden, wird durch einen speziellen Vorgang das Erbgut des Virus von dem des Menschen getrennt. Das nun vorhandene virale Erbgut ist aber zu gering, um es sicher in der entnommenen Probe nachzuweisen. Deshalb wird es mithilfe von Vervielfältigungszyklen vermehrt. «Dieser Vermehrungsprozess beginnt in jedem Zyklus mit der Anlagerung sogenannter Primer. Das sind Moleküle, welche zu spezifischen Abschnitten des Virus-Erbguts passen – wie ein Schlüssel zum Schloss», spezifiziert Mauro Pedrazzini. Diese Zyklen werden solange durchgeführt, bis eine diagnostische Sicherheit besteht, dass in der Probe virales Erbgut des gesuchten Virus vorhanden ist.

    Gibt es unterschiedliche PCR-Tests?

    Ja, es gibt verschiedene Verfahren. Der Unterschied liegt laut Lorenz Risch in der Art der Abarbeitung und welche Gene der Viren nachgewiesen werden. «In unserem Labor verwenden wir derzeit acht verschiedene Testverfahren, welche je nach Fragestellung eingesetzt werden.»

    Es wird befürchtet, dass eine 45-fache Vervielfältigung der Erbgutbestandteile dazu führt, dass irgendwann jede Probe positiv ausfällt. Stimmt das?

    Nein. Sind keine Virusbestandteile in der Probe vorhanden, können diese auch nicht vervielfältigt werden. «Abgesehen davon werden in den routinemässigen Anwendungen der  Sars-Cov-2-Tests weit weniger als 45 Zyklen gefahren», bekräftigt Lorenz Risch.

    Wie entstehen falsch positive oder falsch negative Testergebnisse?

    «In der Öffentlichkeit herrscht teils die Meinung vor, dass der PCR-Test falsch positive Resultate liefern kann. Wir konnten jedoch bei über 7000 Tests bei Personen, die keine Covid-19-Infektion hatten, kein falsch positives Resultat entdecken», klärt Lorenz Risch auf. Der Anteil an falsch positiven Resultaten ist deshalb äusserst gering. Laut Manuel Frick sind die falsch negativen Resultate aus epidemiologischer Sicht besonders kritisch, da sie der getesteten Person eine falsche Sicherheit geben. Falsch negative Tests können durch die Probenentnahme zu einem zu frühen oder zu späten Zeitpunkt entstehen.

    Was bedeuten eigentlich «validierte» PCR-Tests?

    Manuel Frick erklärt: «Durch die sogenannte Validierung wird der dokumentierte Beweis erbracht, dass ein Testverfahren oder ein System die vorher spezifizierten Anforderungen reproduzierbar im praktischen Einsatz erfüllt.» Heisst: Alle in Liechtenstein und der Schweiz verwendeten Sars-Cov-2-Tests mussten erst ein kompliziertes Entwicklungs- und Prüfverfahren durchlaufen und gelten somit als validiert.

    Was kann die Genauigkeit eines PCR-Tests verfälschen und geschieht das häufig?

    Handwerkliche Fehler wie eine unsaubere Arbeitsweise können zu einem falschen Ergebnis führen. Mauro Pedrazzini blickt zurück: «Die Erfahrungen der vergangenen Monate zeigen aber, dass das Personal gut geschult ist und nur wenige handwerkliche Fehler gemacht werden.» Zudem sind die mit Hilfe von technischen Geräten durchgeführten Prozesse sehr zuverlässig.

    Was sagt denn nun ein positives Testergebnis aus? Bin ich krank, habe ich Symptome, bin ich ansteckend oder «nur» infiziert?

    Lorenz Risch erklärt die Unterschiede: «Ein positives Resul-tat zeigt an, dass das Virus an der Stelle, an der die Probe entnommen wurde, vorhanden ist. Bei Vorliegen von Symptomen wird von einer Erkrankung gesprochen, welche die Folge einer Infektion ist. Im Fall von fehlenden Symptomen wird von einer asymptomatischen Infektion gesprochen. Wenn ein Virusnachweis positiv ausfällt, muss eine Einschätzung durch die Behörden und Ärzteschaft vorgenommen werden, ob eine Person noch ansteckend ist oder nicht.»

    Werden positive Testergebnisse noch einmal gegengeprüft?

    Nein, eindeutige Ergebnisse werden nicht gegengeprüft. «Sollten unklare Ergebnisse vorliegen, wird mit einer zweiten Methode aus demselben Material noch einmal geprüft», erklärt Lorenz Risch. Teilweise wurde bei einem unklaren Ergebnis ein zusätzlicher Abstrich aus der Nase entnommen und ein zweites Mal getestet.

    Können andere Viren wie Influenza zu einem falsch positiven Testergebnis führen?

    Nein. Die Tests haben eine sehr hohe analytische Spezifität. Diese wurde mit verschiedensten anderen Keimen wie zum Beispiel Legionellen, Streptokokken, Influenza- und Rhinoviren überprüft. Keiner dieser Keime weist ein Potenzial für falsch positive Resultate auf. Die PCR-Tests können sehr gut zwischen dem Erbgut der verschiedenen Viren unterscheiden. Laut Lorenz Risch hat eine Fehlbeurteilung von Sars-Cov-2-Infektionen durch Influenza eine stark untergeordnete Bedeutung.

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