• 24.10.2020 14:52 | von Melanie Steiger

    Packender Teamsport hoch zu Ross

    Der Polosport etablierte sich in Liechtenstein 2014 mit einem eigenen Klub sowie später einem Dachverband.

    Seit Ende September befinden sich die Polopferde von den Mitgliedern des Liechtenstein Polo Clubs in der Winterpause. Da der Sport nur im Freien stattfindet, wird er gegen den Spätherbst eingestellt. Die meisten Pferde verbringen dann die nächsten sechs Monate auf einer Weide in Spanien oder Deutschland. Im April sind sie dann nach einem kurzen Training rasch wieder für den Sport einsatzbereit.

    Der Liechtenstein Polo Club ist klein und privat. Angefangen hat Gründerin und Präsidentin Verena Tinkler im Jahr 2014 mit einer zusätzlichen Poloschule, die auch eigene Pferde besass. Diese wurde aber vor einigen Jahren eingestellt. Jetzt sind nur noch die Privatpferde der Klubmitglieder während der Saison auf dem Neuguthof in Vaduz untergebracht. Dort befindet sich auch das Übungsfeld der Sportler. Im Jahr 2016 gründete die Reiterin zudem die Liechtenstein Polo Association – LIPA, die Dachorganisation aller Liechtensteiner Poloklubs, deren Aufgabe es ist, den Polosport aktiv und zeitgemäss zu fördern und zu verbreiten. Für das nächste Jahr stellt sie die LIPA neu auf: Sie wird sich in reiner Frauenhand befinden. «Polo war lange ein Sport, der von Männern dominiert wurde. In den vergangenen Jahren hat sich das sehr gewandelt und es gibt mittlerweile professionelle Turniere nur für Frauen», erzählt Verena Tinkler. Normalerweise sind die Teams gemischt. Die Frauenszene nennt sich Polo Feminino. «Die Frauenturniere laufen etwas entspannter ab, sind freundlicher und gemütlicher», meint sie schmunzelnd.

    Der Polosport ist in der Region kaum verbreitet
    Poloturniere gibt es in der Region keine. Lediglich der Liechtenstein Polo Club organisierte früher einige. Doch wird die Suche nach Sponsoren immer schwieriger und die Organisation ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Verena Tinkler schliesst aber nicht aus, dass sie eines Tages vielleicht wieder eines auf die Beine stellen würde. In Zug, Bern, Genf, Italien oder Deutschland sei der Sport eher verbreitet.

    Ein Spiel besteht aus vier Chukkars (Partien), die je 7,5 Minuten dauern. Zwei gegnerische Teams, bestehend aus jeweils vier Mannschaftsmitgliedern, treten gegeneinander an. Sie versuchen reitend, einen kleinen Holz- oder Plastikball mittels eines langen Schlägers in das gegnerische Tor zu treiben. Da der Sport für die Pferde mit Sprints und engen Wendungen sehr anstrengend ist, werden sie nach jedem Chukkar ausgetauscht. Nur ein Pferd darf in einem Spiel, das meist eine Stunde lang dauert, zweimal eingesetzt werden. Ein Poloreiter nimmt also drei bis fünf Pferde zu einem Spiel mit.

    Verena Tinkler selbst nimmt an keinen Turnieren mehr teil. «Es ist sehr zeitintensiv und ich habe zwei kleine Kinder zu Hause. Ich möchte im Moment einfach das Reiten geniessen», gesteht sie. Sie selbst besitzt zwei argen­tini­sche Polopferde.

    Wendige Pferde mit ruhigem Gemüt
    Das Polopferd stammt ursprünglich aus Argentinien und wurde für diese Sportart gezüchtet. Es ist muskulös, quadratisch gebaut und eher klein, im Schnitt etwa 156 Zentimeter gross. Die Rasse ist eine Kreuzung zwischen dem ausdauernden und zähen Criollo sowie dem schnellen und wendigen Vollblut. Verena Tinkler schätzt an den Pferden, dass sie klein und vom Gemüt her ruhig und entspannt sind. Am Polosport mag sie den Teamgeist. «Es ist nicht nur Reiten, sondern es geht etwas und es ist ein Mannschaftssport.» Polo wird oft als ein elitärer Sport angesehen. «Er ist eigentlich wie Springen oder Dressur, nur dass er hier kaum verbreitet ist», sagt die Präsidentin des Klubs. Vielleicht könnte es auch daran liegen, dass die englische Königsfamilie diesen Sport ausübt, er dadurch mit ihr in Verbindung steht und deshalb diesen Ruf hat. «Nach dem Reiten stehen alle gleich schmutzig im Stall», sagt sie augenzwinkernd.

    Argentinische Grooms für südamerikanische Pferde
    Sie selbst kam auf den Sport, als sie ihn als Kind im Fernsehen sah. Sie war damals schon eine begeisterte Reiterin und wollte es unbedingt ausprobieren. 2013 war es dann so weit und sie fing an, dem Sport im Polo Park Zürich nachzugehen. Da die Anfahrt lange dauerte, beschloss sie, in Liechtenstein einen Poloklub zu gründen. Relativ rasch fand sie auf dem Neuguthof in Vaduz als Mieterin die Infrastruktur dafür. «Zu Spitzenzeiten mit der Schule waren dort bis zu 30 Pferden eingestellt. Nun sind es etwa zwischen 12 und 14 Tiere.» Während ihres Aufenthalts dort werden die Vierbeiner von argentinischen Grooms betreut. «Das hat Tradition im Polosport. Sie kümmern sich um die Stallungen wie um das Wohl der Tiere und trainieren sie auch.» In sechs Monaten ist es wieder so weit und der Ball rollt wieder beim Liechtenstein Polo Club.

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