• 25.10.2020 00:00

    "Ohne Lokal fällt der Grundpfeiler des Vereins weg"

    Der Verein Krempel sucht eine neue Lokalität. Das derzeitige Clublokal in Buchs wird in drei Jahren abgerissen, um Alterswohnungen zu weichen.

    Die Stadt Buchs plant auf dem Areal Neuhof Alterswohnungen zu errichten. Dafür wird der Krempel abgerissen. Wie habt ihr von den Plänen erfahren?
    David Stäheli: Wir sind etwa eine Woche, bevor die Öffentlichkeit davon erfahren hat, vom Vermieter wie dem Stadtpräsidenten informiert worden. Sie riefen uns vormittags an und noch am selben Tag kam es zu einem Treffen, bei dem sie uns die Nachricht überbrachten. Für uns kam es sehr plötzlich. Wenigstens bleibt uns noch etwas Zeit. 

    Stefan Kradolfer: Wir wussten, dass das Areal nicht immer so bleiben wird. Jedoch zeichnete sich in der nahen Vergangenheit keine entsprechende Entwicklung ab. Daher kam der Entscheid für uns doch überraschend. 

    Pascal Senn: Stets hiess es, dass ­vielleicht etwas geschehe. Nun ist bereits ein klares Zeitfenster vorhanden, man weiss, was passiert und wer dahintersteckt, also die Pläne sind ziemlich konkret. 

    Zuvor wird aber noch über das Vorhaben der Stadt abgestimmt und es bleiben noch drei Jahre Zeit.
    Stefan Kradolfer: Eigentlich sind wir gar nicht so unglücklich darüber, dass die Stadt das Gebäude gekauft hat. Sie ist sich somit der Angelegenheit durchaus bewusst und hat uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch Unterstützung zugesichert. Da eine Abstimmung über den Baukredit noch bevorsteht, verschafft uns das etwas Zeit. Ein Privater wäre da wahrscheinlich ganz anders vorgegangen.

    Thomas Rastija: Das ist mitunter auch ein Grund, warum wir kein Referendum ergreifen. Wir sehen den Nutzen der Alterswohnungen durchaus ein. 

    Ist das nie zur Debatte gestanden?
    Thomas Rastija: Man hat dies selbstverständlich diskutiert sowie Pro- und Contra-Argumente abgewogen. Wir fassten aber rasch den Entschluss, nicht aktiv zu werden.

    Was hegt ihr für Pläne, wie es weitergehen soll?
    Pascal Senn: In einem Brainstorming mit allen Vereinsmitgliedern definierten wir, was unser Ziel ist, sammelten Ideen und werden nun schauen, was wir weiterverfolgen werden und was alles möglich ist. 

    Stefan Kradolfer: Meiner Wahrnehmung nach sind wir sehr offen und es gibt viele Ideen – auch was Veränderungen betrifft. Unsererseits kam auch schon der Gedanke bezüglich eines Kulturzentrums für Buchs mit einer noch breiteren Nutzung. Doch bleibt unsere Vorstellung eines eigenen Raumes, wegen der Flexibilität  – gerade auch als Vereinslokal – und der Möglichkeit, das zu machen, was wir wollen, erhalten. Für uns ist es wichtig, weiterhin einen zentralen Standort zu haben. Denn das wird sehr geschätzt: wir sind gut mit dem öffentlichen Verkehr wie auch zu Fuss erreichbar.

    Die Existenz des Vereins hängt also nicht primär vom Gebäude ab?
    David Stäheli: Die Idee dahinter ist, dass wir hier die junge Generation in Buchs zusammenbringen und Konzerte wie Partys veranstalten. Zwingend notwendig ist das Gebäude nicht, aber es bildet einen Zusammenhalt. Es ist ein Ort, um sich zu treffen. Darum ist ein ähnliches Lokal wieder wünschenswert. 

    Thomas Rastija: Mehrere Generationen haben hier mitgewirkt und ihren Beitrag dazu geleistet. Darum identifiziert sich jeder mit den Räumlichkeiten.

    Stefan Kradolfer: Ein Grundkern des Vereins besteht darin, Anlässe zu veranstalten. Das ist ein Grundpfeiler. Ohne ein Lokal wird dieser wegfallen.

    Pascal Senn: Es ist ein sozialer Treffpunkt. Man kommt hierhin, um rasch etwas zu erledigen oder aus sonst welchen Gründen, trifft ein paar Mitglieder, die ebenfalls spontan hier sind, und unternimmt etwas zusammen.

    Was für Reaktionen habt ihr ausserhalb des Vereins erhalten, als der Abriss bekannt wurde?
    Pascal Senn: Die erste und häufigste Frage war, wie es uns dabei gehe und wie wir weitermachen würden. In meinem Umfeld sind sich alle darin einig, dass der Krempel bestehen bleiben muss.

    Thomas Rastija: Meine Freunde sind schockiert auf mich zugekommen und fragten, ob das stimme. Ich musste sie erst etwas beruhigen und sagen, das sei nicht per sofort. Trotzdem sind sie unzufrieden mit der ­Situation. 

    Stefan Kradolfer: Das Interesse ist da und man spürt, dass der Krempel zu Buchs gehört, und irgendwie braucht Buchs den Krempel.

    Thomas Rastija: Der Krempel wird vielseitig genutzt: Für Hochzeitsfeiern, Weihnachtsessen, Geburtstagspartys und anderes. Darum schauen wir, dass wir künftig Synergien zusammen mit der Stadt Buchs optimal nutzen können. 

    David Stäheli: Wir sind bestimmt auch offen für neue Ideen. Einen neuen Standort können wir uns nicht aus dem Ärmel schütteln, darum wären wir auch dazu bereit, uns mit anderen Vereinen oder der Stadt zusammenzuschliessen oder nach Unterstützung zu suchen. 

    Stefan Kradolfer: Wenn irgendwelche Ideen aus der Bevölkerung kommen oder Kontakte vermittelt werden, sind wir offen. Die Schwierigkeit wird es sein, auf eine neue Lokalität nach unseren Vorstellungen zu stossen. Wenn wir nur ansatzweise eine finden, die wir sinnvoll nützen können, dann werden wir mit vollem Einsatz dahinterstehen. Aber wenn der Tag kommt, an dem wir sagen müssen, wir haben keinen entsprechenden Raum gefunden, dann wird es sehr schwierig für unser Vereinsleben sein.

    Der Krempel ist das einzige Club-, Konzert-, und Tanzlokal in der Region Werdenberg.
    Alle: Das ist so.

    Stefan Kradolfer: Vor allem mit dem Konzept eines Vereins, der das Lokal betreibt und ein so breit gefächertes Programm bietet.

    David Stäheli: Niemand im Verein wird für die Arbeit bezahlt. Alle sind ehrenamtlich im Einsatz und wir erhalten keine Subventionen. Das ist einzigartig in der Schweiz. 

    Habt ihr bereits Vorstellungen davon, wie die neue Lokalität sein müsste?
    David Stäheli: Der absolute Traum wäre eine Lokalität, die ähnlich gross ist wie die bisherige, aber eine räumliche Aufteilung ermöglicht. Also eine flexibel grosse Raumgestaltung mit Veranstaltungen für 100, 500 oder 1000 Personen, je nach Bedarf. 

    Stefan Kradolfer: Wir haben aktuell ein Lokal mit sehr viel Charme. Natürlich gibt es Punkte, die optimiert werden könnten. Ich glaube aber, dass wir uns dem anpassen werden, was wir kriegen. Es sollte sicherlich zentral liegen. Wichtig ist auch ein gutes Verhältnis zu den Anwohnern. Das ist immer ein heikler Punkt. Es betrifft nun mal das Nachtleben und die Partygänger sind nicht immer leise. Wir können die Lautstärke mit der Musik zwar etwas beeinflussen und dafür sorgen, dass die Besucher rasch von dannen ziehen. Was sie aber danach auf dem Nachhauseweg machen, steht dann nicht mehr in unserer Gewalt – auch das hat seine Grenzen.

    David Stäheli: Die Schwierigkeit wird darin liegen, einen zentralen Standort, der gut mit dem ÖV erreichbar und trotzdem so abgelegen ist, dass man Partys feiern kann, zu finden.

    Pascal Senn: Vielleicht kann man auch etwas mit einem Crowdfunding auf die Beine stellen, damit wir einen finanziellen Beitrag an die neue Lokalität leisten können. 

    Viele Vereine haben Mühe, Nachwuchs zu finden und Mitglieder zu gewinnen. Wie sieht das bei euch aus?
    Thomas Rastija: Mit verschiedenen Generationen wird hier der Austausch gepflegt, Menschen aus unterschiedlichen Berufsfeldern, mit den verschiedensten Charakteren und Herkunft treffen hier zusammen. Das ist ein grosser Vorteil.

    Stefan Kradolfer: Es ist auch eine Chance. Die Organisation und Mitarbeit bei grösseren Anlässen kann einen schon weiterbringen. Bekannte Künstler sind hier bereits aufgetreten, die lokal, national sowie international bekannt sind. Die meisten Mitglieder waren hier zuvor als Gast, das spielt uns in die Hände. Party, Ausgang und Konzerte ermöglichen einen einfachen Zugang zu den jungen Menschen. 
    David Stäheli: Das macht den Krempel auch bei der jungen Bevölkerungsgruppe attraktiv, weil sie hierhin in den Ausgang gehen. Sie können mithelfen und sagen: «das habe ich gemacht» oder «den DJ habe ich organisiert».

    Thomas Rastija: Der Verein ist jung und dynamisch. Der Austausch zwischen den jungen Mitgliedern und alten Hasen ist immer noch derselbe. Man spürt bei allen, dass sie Feuer und Flamme für Partys und den Krempel sind. 

    Pascal Senn: Sie werden dadurch motiviert, dass sie mit ihrem Engagement ihren Ausgang hier verdienen können. Sie arbeiten ein paar Stunden und erhalten dafür Credits und Krempelsterne, mit denen Eintritte wie Getränke bezahlt werden können. Das fördert die Eigeninitiative und Eigenverantwortung, es lohnt sich für sie, zu arbeiten, und nebenbei hat man Spass. 

    Stefan Kradolfer: Abschliessend kann man sicherlich festhalten, dass dies bei uns weniger ein Problem ist. Seit der Gründung hatte der Krempel bereits knapp 500 Personen, die im Verein aktiv waren respektive sind.

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