• 17.10.2020 06:00 | von Bettina Stahl-Frick

    Nikolaus will Corona trotzen

    Noch ist es nicht fix, aber Liechtensteins Nikoläuse möchten auch dieses Jahr aus dem tiefen Wald zu den Kindern anreisen. Der Coronapandemie zum Trotz.

    Zwar kommt er von weit her aus dem Wald, der Nikolaus. Doch auch der alte Mann in rotem Gewand und mit weissem, langen Bart ist nicht gefeit vor dem Coronavirus. In der Schweiz wurde in manchen Städten und Gemeinden bereits angekündigt, dass der Nikolaus dieses Jahr keine Kinder besuchen wird. Die Nikoläuse in Liechtenstein lassen sich allerdings nicht so schnell unterkriegen. Sie brennen geradezu schon darauf, Kinderaugen zum Strahlen zu bringen, und setzen daher auf ein auf Nikoläuse angepasstes Schutzkonzept. Auch Nikolaus Martin Matt aus Mauren kann es kaum erwarten, zusammen mit dem Krampus um Liechtensteins Häuser zu ziehen und die Kinder zu be­su­chen und zu beschenken. Seit 2013 hat er sich quasi als Nikolaus «privatisiert». Waren es damals noch rund 20 Besuche, die er bei Familien machte, sind es heute über 100. Schon jetzt hat er viele Anfragen und es steht fest: In der Woche vom  3. bis 8. Dezember sind er und der Krampus ausgebucht. Von Malbun bis nach Ruggell werden die beiden Kinder besuchen. «Vorausgesetzt, die Lage verschlechtert sich bis dahin nicht massiv», sagt Martin Matt. 

    Eine etwas andere Geschenkübergabe
    Martin Matt gehört zu den optimistischen Nikoläusen und hat deshalb ein entsprechendes Schutzkonzept auf die Beine gestellt. «Wie es bereits viele Familien bislang halten, würden wir es bevorzugen, den Besuch dieses Jahr im Freien abzuhalten», sagt er. Den Abstand einzuhalten, sei natürlich das A und O. Daher wird auch die Geschenkübergabe etwas anders ausfallen, beziehungsweise werden es dieses Jahr die Eltern sein, die das Geschenk vom Nikolaus ihren Kindern übergeben. «Selbstverständlich werden wir vor jedem Besuch die Hände desinfizieren sowie die Handschuhe auswechseln», so Martin Matt. Mit der Terminbestätigung werden die Eltern in einem Schreiben nochmals auf die wichtigsten Regeln hingewiesen. «Dann sollte das schon klappen», bleibt der Nikolaus optimistisch. Obwohl er zugibt, schon etwas gemischte Gefühle zu haben, gerade in einer Zeit, in der die Sozialkontakte auf ein Minimum reduziert werden sollten. So sind auch Adventsmärkte oder Seniorenfeiern abgesagt, die Martin Matt als Nikolaus jedes Jahr besucht hat. «Umso wichtiger ist es aber nun, den Kindern eine Freude zu bereiten.» Diese hätten sich in den vergangenen Monaten ohnehin stark einschränken müssen. «Ein Geschenk dafür haben sie mehr als verdient», so der Privat-Nikolaus. 

    Auch die Vereinsnikoläuse sind bereit
    Alle Familien kann Martin Matt landauf, landab natürlich nicht besuchen. So gibt es in den Gemeinden Vereine, welche die Besuche organisieren. Alexander Gerner ist der Präsident des Nikolaus-Vereins Eschen-Nendeln. In der Gemeinde gibt es etwa fünf Nikoläuse und Krampusse, die von Haus zu Haus ziehen. Seit Jahren schlüpft Alexander Gerner selbst in das Nikolaus-Gewand und hofft, dies auch dieses Jahr tun zu dürfen. Der Verein würde alles daran setzen, dass die Kinder heuer den Nikolaus nicht im Bilderbuch anschauen müssen, sondern ihn in echt erleben dürfen. Unter den rund 20 Vereinsmitgliedern hat er sich bereits eine Meinung eingeholt. Erfreulich: «Alle sind bereit, auch in diesem speziellen Jahr mitzuhelfen», sagt Alexander Gerner. Die Generalversammlung stehe aber noch aus, um die genauen Details zu klären. Soweit ist aber auch für ihn klar, dass die Besuche nach Möglichkeit im Freien abgehalten werden und nicht der Nikolaus die Geschenke den Kindern übergibt. Im Normalfall dürften diese auch den Bischofsstab halten – «auch dies wird dieses Jahr natürlich wegfallen.» Die Sicherheit stehe über allem – «in der Hoffnung, dass der Nikolaus in wenigen Wochen zumindest ein Stückchen Normalität in Liechtensteins Stuben bringen darf. Beziehungsweise dieses Jahr nicht in die Stuben, sondern in die Gärten oder auf die Terrassen der Familien. Noch heisst es abwarten. Doch auch ein Nikolaus darf sich etwas wünschen. Und da sind sich die beiden Nikoläuse Alexander Gerner und Martin Matt einig, am liebsten schon heute den weiten Weg aus dem Wald antreten zu dürfen …

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