• 25.10.2020 10:30 | von Elias Quaderer

    Lehrerfreiheit und Mindeststandards

    Die Gestaltung des Fernunterrichts liegt am Gymnasium Vaduz im Ermessen der Lehrer – solange «Microsoft Teams» benutzt wird.

    Nach Stand von Montag befinden sich derzeit landesweit 53 Schüler in Quarantäne. Diese arbeiten nun den Schulstoff per Fernunterricht von zuhause aus auf. Wie gut funktioniert aber das Unterrichten der Schüler, die in den eigenen vier Wänden bleiben müssen?  Jüngst machten Beschwerden von Eltern die Runde, dass jeder Gymnasiallehrer den Fernunterricht anders handhabe: Die eine Lehrperson lasse die Schüler per Livestream am Unterricht teilnehmen, die andere schicke bloss Arbeitsaufträge an die Betroffenen oder melde sich überhaupt nicht.

    Livestreams nur für gewisse Inhalte
    Eugen Nägele, Rektor des Liechtensteinischen Gymnasiums, erläutert, dass die Gymnasiasten zuhause über den Dienst «Microsoft Teams» am Unterricht teilnehmen: Die Schüler erhalten und lösen ihre Aufgaben über diese Plattform wie auch die Lehrer die Arbeiten der Schüler über die Software korrigieren und kommentieren. Gleichfalls können sich Schüler und Lehrer über Chats und Video-Calls miteinander austauschen. Zum Teil können auch Unterrichtseinheiten über Livestream von zuhause aus mitverfolgt werden. 

    Wie die verschiedenen Tools von Microsoft Teams bei der Gestaltung des Unterrichts eingesetzt werden, liege aber im Ermessen des Lehrers: «Zur Vermittlung gewisser Inhalte eignen sich Livestreams, für andere nicht», so Nägele. Es gelte in dieser Hinsicht die Lehrerfreiheit. Der Lehrer hat die Kompetenz, zu entscheiden, welches Medium er für den Fernunterricht als passend erachtet – solange es über Microsoft Teams läuft. «Wir haben grundsätzlich vereinbart, dass wir nicht mehr über Whatsapp oder E-Mails mit den Schülern kommunizieren», stellt der Rektor klar. 

    Über die Anwendung von Teams zur Gestaltung des Unterrichts werden die Lehrpersonen fortlaufend instruiert. So findet beispielsweise am kommenden Samstag eine ganztätigen Weiterbildung für die Lehrer statt.

    Tagesstruktur-Modell zur Entlastung der Eltern
    Anders wurde der Fernunterricht während des Lockdown beispielsweise an der Realschule Vaduz gehandhabt. Rektor Peter Hilti erklärt, dass sich die Lehrer im März auf gewisse Mindeststandards für den Heimunterricht geeinigt hätten. Auch in der Realschule Vaduz ist Microsoft Teams der Dreh- und Angelpunkt des Unterrichtens. 

    Aber das Ziel sei im Lockdown gewesen, gewisse Tagesstrukturen für die Schüler zu etablieren, um die Eltern zu entlasten. Dazu gehören unter anderem Webkonferenzen, die jeder Lehrer vier Mal am Tag mit seinen Schülern führte und in denen sie sich über den Schulstoff und den Lernfortschritt austauschten. Diese Webkonferenzen waren für alle Lehrer verpflichtend – unabhängig vom Unterrichtsfach. «Selbst die Sportlektionen wurden vor den Kameras durchgeführt. Ich war zwar zunächst skeptisch, aber es hat doch gut funktioniert», sagt Hilti. Der Rektor hält fest, dass zurzeit an der Realschule Vaduz praktisch keine Schüler in Quarantäne seien und folglich der Unterricht weiterhin nach Stundenplan geführt werde. Steigen die Infektionszahlen jedoch weiterhin an, sei es sehr wahrscheinlich, dass das bereits bewährte Tagesstruktur-Modell wieder zum Einsatz komme.

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