• 25.10.2020 11:00

    Lebensmittel retten

    Rund ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel landet im Müll. Auf der anderen Seite hungern über 800 Millionen Menschen auf unserem Planeten. «Food Waste» ist ein weltweites Problem, in Deutschland ist das «Containern», «Mülltauchen» oder auch «Dumpster Diving» eine immer bekanntere Aktion, um dem entgegenzuwirken.

    «Containern», «Mülltauchen» oder «Dumpster Diving» bezeichnet das Mitnehmen von weggeworfenen Lebensmitteln aus Abfallcontainern. Auch in Liechtenstein werden viele Nahrungsmittel weggeschmissen, die eigentlich noch zum Verzehr geeignet wären: Pro Jahr sind das rund 11 400 Tonnen. Ben* (Name von der Redaktion geändert) setzt sich für die Rettung von Lebensmitteln in Liechtenstein ein.

    Wie und wann kamst du darauf, abgelaufene Lebensmittel zu retten?
    Vor zwei Jahren sah ich, wie ein Mitarbeiter eines Supermarktes mehrere Kilo Litschis wegwerfen musste. Da ich Litschis so gerne mag, sprach ich den Mitarbeiter an, wieso er diese noch gut aussehenden Früchte wegwerfen wolle. Er erklärte mir daraufhin, dass, wenn eine Frucht im Netz faul ist, alle weggeworfen werden müssen. So bot er mir an, die Litschis für einen symbolischen Preis zu verkaufen. Also kaufte ich ihm alle ab. So begann alles vor zwei Jahren.

    Was findet man so alles in einem Container?
    Alles (lacht). Viele kaputte Verpackungen von Kaffee, Zucker oder Mehl. Ganz viele Früchte oder Gemüse, welche nicht mehr verkäuflich sind. Oder ganz viele abgelaufene Produkte wie beispielsweise Eier, Joghurt und vieles mehr. Es gibt jedoch auch Lebensmittel, die wirklich nicht mehr geniessbar sind.

    Ist es nicht zeitaufwendiger, sich so zu ernähren?
    Nein, es ist nicht zeitintensiver als normal einkaufen zu gehen. Wenn ich jedoch mehr mitnehme, als ich brauchen kann, dann wird es aufwendiger. Es kann sein, dass ich kiloweise Bohnen oder Litschis zu Hause habe und mir dann überlegen muss, was ich mit denen anstelle. Man muss etwas flexibel und kreativ sein, um aus dem weggeworfenen Essen etwas zu kochen.

    Deckst du deinen vollständigen Nahrungsbedarf damit?
    Nein, ich kaufe auch noch zusätzlich ein. Ich denke, es wäre möglich, sich nur von geretteten Lebensmitteln zu ernähren. Eine ausgewogene Ernährung sieht dann jedoch anders aus. Milchprodukte findet man zum Beispiel nicht so oft.

    Wieso ist es dir wichtig, Lebensmittel zu retten?
    Es tut mir weh, wenn ich sehe, wie man bei uns Lebensmittel wegwirft, die noch essbar wären und andere Leute auf dieser Erde Hunger leiden. Ökologisch ist es schlimm, dass eine Mango zu uns eingeflogen wird und dann doch im Müll landet. Sehr gerne verschenke ich diese Lebensmittel auch an bedürftige Menschen oder Organisationen weiter. In Schaan hängt seit Monaten ein Plakat mit den Worten: «Werdet nicht müde Gutes zu tun. Die Bibel». Jedes Mal, wenn ich vorbeigehe und es lese, motiviert es mich aufs Neue, Lebensmittel zu retten und weiterzuverschenken.

    In Liechtenstein ist das «Containern» kaum bekannt und verboten. Siehst du eine Zukunft darin, dass mehr Liechtensteiner «containern» gehen? Oder andere Varianten? 
    Es gibt kleinere Supermärkte, die neben der Kasse einen Korb stehen haben mit Früchten, die qualitativ nicht mehr einwandfrei sind. Jeder darf sich, wenn er will, kostenlos bedienen. Auch «Tischlein deck dich»  ist eine super Organisation. Ich denke nicht die Supermärkte, sondern wir als Konsumenten sind das grösste Problem. Wir als Kunden wollen nur die schönsten Produkte, sobald ein Apfel eine Druckstelle hat, nehmen wir einen anderen. Auch die App «Too good to go» ist ein super Anfang, um gegen den verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln vorzugehen.

    Was empfiehlst du den Menschen, die etwas gegen die Lebensmittelverschwendung tun möchten, die nicht «containern» gehen können oder wollen?
    Da gibt es vieles … Es fängt beim Einkaufen an. Es ist allgemein bekannt, dass man nicht mit hungrigem Magen einkaufen gehen sollte (lacht). Vor allem geht es darum, nur so viel einzukaufen, wie man wirklich braucht. Zu Hause ist es wichtig, einen Überblick über seinen Kühlschrank zu haben und mit Resten kochen zu lernen. 

     

    Das Amt für Lebensmittelkontrolle und Veterinärwesen in Liechtestein nahm Stellung zum Thema «Containern»:
    «Lebensmittel, die sich in einem Abfallcontainer befinden, gelten grundsätzlich als nicht mehr verzehrfähig, da deren Verpackung oder das Lebensmittel selbst möglicherweise mit toxischen Substanzen des Containers oder anderen, unhygienischen Abfallbestandteilen in Berührung gekommen sind. Deren Verzehr ist demzufolge, ungeachtet des primären Entsorgungsgrundes (verdorbenes Lebensmittel, abgelaufenes Verbrauchsdatum etc.) mit einem Gesundheitsrisiko verbunden. Zudem bleiben die Abfälle, solange sich diese auf dem Firmengelände des Unternehmens befinden, im Eigentum des Unternehmens. Deren Entnahme stellt ohne entsprechende Legitimation unter Umständen einen strafrechtlichen Tatbestand dar.»

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