• 23.10.2020 11:57 | von Patrik Schädler

    Landtag muss den ersten Schritt machen

    Die Generalversammlung der Bergbahnen Malbun AG stand ganz im Zeichen der November-Session des Landtags.

    Die anwesenden Aktionäre vertraten fast 80 Prozent des Ak­tienkapitals an der gestrigen Ge­neralversammlung der Bergbahnen Malbun AG. Es war die zweite Generalversammlung von VR-Präsident Heinz Vogt. Er fasste in seiner Ansprache nochmals seine Aussagen der letzten Generalversammlung zusammen. Er wies bereits vor einem Jahr darauf hin, dass es ein neues Finanzierungsmodell brauche, da die Bergbahnen «nicht in der Lage sind, die Erneuerungs- oder Ersatzinvestitionen, aber auch gewisse Zukunftsprojekte aktiv in Angriff zu nehmen». Und er sagte auch schon vor einem Jahr, dass eine schlechte Wintersaison die Bergbahnen liquiditätsmässig schnell in Bedrängnis bringen könnten.

    Diese Situation ist nun bereits vor der anstehenden Win­tersaison absehbar. Im Coronawinter muss, nebst allen an­deren Unsicherheiten, mit sinkenden Einnahmen gerechnet werden. Um dies abzuwenden, hat die Regierung beim Landtag ein zinsloses Darlehen von 1,5 Millionen Franken beantragt. «Es gehe dabei weder um die eigentliche Sanierung noch um die künftige Neuausrichtung der Bergbahnen. Es gehe allein um diesen Kredit. «Wird dieser abgelehnt, dann haben wir ein echtes Problem», so Heinz Vogt. Dann brauche es auch keine Phase 2 und 3, wie es im Bericht an den Landtag aufgezeigt wird. In diesen Phasen soll nämlich überprüft werden, ob die Überführung in ein öffentlich-rechtliches Unternehmen Sinn erge­ben würde, da Land und Gemeinden schon heute rund 72 Prozent der Aktien halten. Vogt versicherte den anwesenden Aktionären aber auch: «Es war zu keiner Zeit angedacht, dass der Staat 100 Prozent der Aktien übernimmt. Die Verbundenheit zu den rund 1200 privaten Aktionären ist gut und wichtig und aus Sicht des Verwaltungsrates auch strategisch sinnvoll.»

    VR-Präsident nimmt kein Blatt vor den Mund
    Der Verwaltungsratspräsident rechnet aber mit einer Volksabstimmung, wenn es um die Phase 2 und 3 geht. «Dann müssen wir klar aufzeigen, wohin die Reise geht und wer welchen Beitrag zu leisten bereit ist respektive vermutlich auch muss.» Er sei aber überzeugt, dass das ganze Alpengebiet wichtig für das Land sei. «Wichtig als Naherholungsgebiet, wichtig als Sportstätte und auch wichtig für die Aussenwirkung Liechtensteins. Geben wir also diesem Projekt eine Chance. Malbun hat es verdient», appellierte Vogt um die Unterstützung der Aktionäre. «Bitte redet mit unseren Politikern. Momentan hört man leider nur negative Stimmen zur aktuellen Situation», so Heinz Vogt. Und zu diesen negativen Stimmen nahm der VR-Präsident kein Blatt vor den Mund. Kritik sei wichtig. «Was mich stört, sind aber Rund­umschläge, ohne sich Gedanken zu machen, welche Arbeit oder welche konkreten Umstände dahinterstecken. Aber immer gleich ein Nein, immer gleich ‹das braucht es› oder ‹das brauch ich nicht›. Das sollen doch die Bonzen und Porschefahrer im Malbun bezahlen. Ist dies die Lösung? Haben wir so eine erbärmliche Gesprächskultur in unserem Land?» Die anwesenden Aktionäre waren mit dem Vorgehen des Verwaltungsrates einverstanden. Die Generalversammlung verlief speditiv und der Verwaltungsrat wurde einstimmig entlastet.

    Risch: «Verantwortung übernehmen»
    Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch bedankte sich bei seinen Grussworten beim Verwaltungsrat, allen Mitarbeitern und bei allen, die sich in den letzten Jahren für Malbun eingesetzt haben. «Die Situation ist nicht überraschend», so Risch. Schon beim Beschluss im Jahr 2003 habe der Landtag gewusst, dass das Geld nach etwa 20 Jahren knapp wird und die Reinvesitionen nicht selbst erwirtschaftet werden können. «Die Regierung will Verantwortung übernehmen mit allen, denen etwas an Malbun liegt», so Risch. «Wir müssen dankbar sein, dass wir ein solches Gebiet wie Malbun haben.» Die Bergbahnen als «schwarzes Loch» zu bezeichnen, sei komplett daneben. Der Staat habe vor 17 Jahren 13 Millionen Franken ausgegeben und seither keinen Rappen mehr. «Für andere Einrichtungen investiert der Staat jährlich Millionen – das ist auch wichtig und richtig – aber dann sollten wir auch hier Verantwortung übernehmen.»

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