• 17.10.2020 17:00 | von Julia Strauss

    Kippfenster wird zum Höhleneingang

    Fledermäuse verirren sich bei der Quartiersuche momentan häufig in Wohnungen.

    Auf der Suche nach einem lauschigen dunklen Schlafplatz verwechseln Fledermäuse Kippfenster mit Höhlen und machen es sich in der Wohnung gemütlich. Das kommt gerade in der Zeit der Winterquartierssuche vor. Obwohl Ultraschall ein verlässlicher Wegweiser ist, finden sie den Weg zurück in die Nacht nicht gleich und können den Hausbewohnern einen kleinen Schrecken einjagen. Fledermausexperte Silvio Hoch aus Triesen beruhigt: «Grund zur Panik besteht auf keinen Fall. Ruhe bewahren, denn Fledermäuse sind nicht gefährlich oder aggressiv.»

    Vorhänge oft als Versteck genutzt
    Vor allem Jungtiere suchen in der Übergangszeit zwischen Sommer und Winterschlaf nach einem Rückzugsort. Die Spal­ten bei einem gekippten Fens­ter sind ideal. «Fledermäuse suchen mithilfe des Ultra­schalls einen sicheren Unterschlupf und erhoffen sich hinter dem Kippfenster eine Höhle. Leider kann Ultraschall nicht durch Fenster schauen, und so finden sie den Weg in die Freiheit nicht», erläutert Hoch.

    Falls sich der Eindringling erfolgreich versteckt hat, lohnt sich ein Blick auf die Oberseite der Vorhänge. Meist hängen die Fledermäuse hier kopfüber und verhalten sich sehr ruhig. Nur bei Belästigung oder Störung können sie auch laut schimpfen.

    Wildtiere grundsätzlich nicht anfassen!
    Findet sie bei weit geöffnetem Fenster nicht hinaus, kann mit einem dicken Handschuh oder einem Küchentuch nachgeholfen werden. «Es ist ganz wichtig, die Fledermaus nicht ohne Schutz anzufassen. Auf ihrem Körper und Speichel können sich viele Bakterien und Viren tummeln», warnt Hoch. Er empfiehlt, eine Schachtel mit Löchern und einem Küchentuch auszustatten, in der die Fledermaus bis Einbruch der Nacht gehalten wird.

    Hier ist aber Vorsicht geboten, denn «Fledermäuse sind in der Regel gute Ausbrecher». Ein Klebeband um die Schachtel verhindert, dass sich das Tier noch einmal in eine missliche Lage bringt. Abends wird dann die Schachtel an einen geschützten Ort gestellt und die Fledermaus kann wieder auf Insektenjagd gehen. 
    Wer sich trotzdem unsicher ist, oder die Fledermaus hat sich zu gut versteckt, kann den Experten hinzuziehen, denn «aus Wunder, um welche Art Fledermaus es sich handelt, freue ich mich immer auf Anrufe und Hilfseinsätze», so Hoch.

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