• 22.01.2021 06:00 | von Dunja Goop

    «Haustiere sind keine Seelsorger»

    Sandra Bricci, Leiterin Tierschutzhaus Schaan, über das Verhältnis Tier-Mensch in Pandemiezeiten und fehlende Einnahmen.

    Nein, Seelsorger seien Tiere keine, so die Leiterin des Tierschutzhauses Schaan auf Anfrage von dieser Woche. Eine Feststellung, die gerade in Pandemiezeiten als durchaus relevant erscheint. Denn – so berichteten diverse Medien kürzlich – verschiedene deutsche Tierheime haben aufgrund von Corona und der damit verbundenen Zunahme an Einsamkeit eine vermehrte Nachfrage nach Tieren verzeichnet.

    Solche Anfragen bewertet Sandra Bricci kritisch: «Jeder Tierhalter weiss, wie viel Liebe und Zuneigung ein Tier mit sich bringt. Allerdings hat es auch eigene Bedürfnisse, denen man gerecht werden muss. Ein Tier, das in schwierigen Zeiten zum Seelsorger wird, ist mit dieser Rolle somit oftmals psychisch überfordert.» 
    Auch im Tierschutzhaus Schaan hätten sich im Zuge der Coronakrise gewisse Anfragen ergeben, so Bricci weiter: «Ja, Personen, die mit den Tieren Zeit verbringen und zum Beispiel mit unseren Hunden Gassi gehen wollten, haben angeklopft.» Gerade im ersten richtigen Lockdown im Frühjahr 2020 habe es Leute gegeben, die etwa aufgrund von Kurzarbeit mehr Zeit gehabt und nach einer Gelegenheit gesucht hätten, «mit unseren Hunden spazieren zu gehen oder uns sonst zu helfen». Jedoch sei dies kaum möglich gewesen, da der Kontakt mit Aussenstehenden auf das absolut notwendige Minimum habe reduziert werden müssen.

    Anrufe von Menschen, die sich ein Tier quasi hätten «ausleihen» wollen, seien indes glücklicherweise nicht vorgekommen: «Wir wären auf solche Nachfragen natürlich auch gar nicht erst eingegangen, da wir primär hier sind, um im Interesse des Tieres zu handeln», so Tierärztin und Tierschutzhausleiterin Bricci, die weiter betont: «Wir platzieren Tiere nur, wenn wir überzeugt sind, dass sie beim neuen Halter bis an ihr Lebensende gut betreut werden können.»

    Weniger Tiere in Pension lassen Erträge schrumpfen
    Grundsätzlich sei es im und ums Tierheim derzeit und bereits während der gesamten Dauer der Pandemie jedoch auffällig ruhig. Zu ruhig, für den Geschmack von Sandra Bricci: «Wir hatten vergangenes Jahr kaum Pensionstiere zu verzeichnen und somit auch viel weniger Tiere als in einem normalen Jahr zu betreuen.» Zurückzuführen sei dies wohl darauf, dass die Menschen kaum in Urlaub gefahren seien und somit auch keine Übergangsherberge für ihre Tiere benötigt hätten. «Dabei sind die Einkünfte der Pensionstiere für uns eine wichtige Einnahmequelle, die uns nun natürlich fehlt», so die Tierschutzhausleiterin weiter – dieses Problem betreffe aber auch viele andere Tierheime. Derweil sei auch die Zahl an «Verzichtstieren» – Tieren also, welche der Besitzer selbst im Heim abgibt, weil er sie nicht mehr halten kann oder will – und «Findeltieren» – also gefundenen und anschliessend abgegebenen Tieren – gesunken, so Bricci, die sich diesen Umstand wie folgt erklärt: «Wenn die Besitzer der Tiere vermehrt daheim sind, wird ein Verzicht womöglich weniger schnell zum Thema. Andererseits gehen Tiere offenbar auch nicht so leicht verloren, wenn sich ihre Besitzer öfter in den eigenen vier Wänden aufhalten.»

    Indes würden sich aus den Folgen von Corona nur bedingt Probleme für Haustiere ergeben, wie Bricci weiter feststellt: «Ich glaube, der einzige Nachteil waren die Einschränkungen betreffend Hundeerziehung. Gerade für Junghunde ist der Besuch einer Hundeschule eine gute Gelegenheit, um sich mit anderen Hunden zu sozialisieren.» Solche Gruppenstunden seien 2020 aber nicht möglich gewesen. «Ansonsten denke ich, dass Haustiere eher von Corona profitiert haben, da ihre Halter mehr Zeit daheim verbracht haben.» Auf einen neuen Besitzer würden derweil nur verhältnismässig wenige Tiere warten, so Bricci abschliessend: «Wir haben nur eine ältere Hündin sowie einige kleine Heimtiere wie Meerschweinchen, Kaninchen und Chinchillas zu platzieren.»

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