• 08.09.2020 20:59

    «Kein Mensch will das Walsermuseum weghaben»

    Am 3. Oktober können die Triesenberger über die künftige Gestaltung des Dorfzentrums diskutieren. Schon jetzt wird Stimmung gemacht.

    Ein Plakat eingangs Triesenberg klingt nach einem kulturellen Skandal: Der Triesenberger Gemeinderat wolle das Heimatmuseum abreissen  und mit Walsererbe brechen. 
    «Niemand will das Museum weghaben», erklärt Gemeindevorsteher Christoph Beck. Die Pflege der Geschichte und insbesondere des Walsertums sei dem gesamten Gemeinderat ein grosses Anliegen. Grund für die private Plakataktion ist das sogenannte «Dorfcafé», zu welchem die Gemeinde die Bevölkerung für den 3. Oktober eingeladen hat. Dort steht die Entwicklung des Dorfzentrums im Mittelpunkt. Ein Thema, das in Triesenberg – wie auch in anderen Gemeinden – schon seit einiger Zeit diskutiert wird. Wie im 2017 mit der Bevölkerung erarbeiteten Leitbild «läba erläba» festgehalten, soll das Zentrum als Treffpunkt weiterentwickelt werden. Dabei sollen Geschäfte, Wohnen im Alter und auch die Anbindung an den öffentlichen Verkehr berücksichtigt werden. Aus diesem Grund hat die Gemeinde einen Studienauftrag «Entwicklung Dorfzentrum» in Auftrag gegeben. Im Oktober 2019 wurden sechs Projekte von liechtensteinischen Architekten juriert und anschliessend in einer Ausstellung präsentiert.

    Das Projekt der Arge Erhart und Partner AG/BBK Architekten AG wurde vom Gemeinderat einstimmig als Sieger gekürt. Beim Projekt ist unter anderem vorgesehen, dass das Walsermuseum einen neuen Standort erhält. «Nicht nur das Zentrum, sondern auch das Museum soll sich weiterentwickeln», so Christoph Beck. Derzeit bestehe das Museum aus einer Dauerausstellung. Für Sonderausstellungen hätte es aber in den bestehenden Räumlichkeiten keinen Platz. «Aus meiner Sicht sollte es nach 40 Jahren möglich sein, etwas zu verändern», so Beck. 

    «Wir möchten nach einem Plan handeln»
    Doch die Pläne für das neue Dorfzentrum sind nicht in Stein gemeisselt. Am 3. Oktober soll beim «Dorfcafé» das Feld nochmals geöffnet werden und die Bevölkerung miteinbezogen werden. Vorsteher Beck hofft dabei auch auf möglichst viele Teilnehmer der jüngeren Generationen. «Wir machen es nicht für die älteste Generation. Die Jungen sollen mitbestimmen, wie sich das Zentrum weiterentwickeln soll», so der Vorsteher. Dabei seien auch kritische Stimmen sehr willkommen. Die Plakataktion ärgert ihn: «Es ist schade, wenn schon mitten im Prozess geschossen wird und mit solchen Unwahrheiten Stimmung gemacht wird.» Doch damit müsse man in der heutigen Zeit offensichtlich leben. «Der Gemeinderat möchte genau das Gegenteil: Wir möchten nach einem Plan handeln, welcher von der Bevölkerung von Anfang an mitgetragen wird.» Dabei müsse man auch berücksichtigen, dass sich die Nutzungsbedürfnisse geändert hätten und man bei einem solchen Projekt nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft im Blick haben müsse. «Ich verstehe deshalb auch nicht, warum sich gewisse Personen daran stören, wenn man in Zukunft unser Walserkulturerbe in einem besseren und attraktiveren räumlichen Umfeld präsentieren will», so Beck.

    «Es geht um weit mehr als nur das Walsermuseum»
    «Wichtig ist mir aber klarzustellen, dass es bei diesem Projekt um weit mehr geht als nur um das Walsermuseum. Es geht darum, wie unser Zentrum in Zukunft aussehen und vor allem wie es genutzt werden soll.» Der Gemeinderat habe sich nun drei Jahre intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt. «Der gesamte Gemeinderat möchte etwas bewegen und auch die Bevölkerung weiterhin einbinden», so Christoph Beck. Am 3. Oktober soll deshalb auf der Grundlage des Siegerprojektes eine offene Diskussion geführt werden. Und das Projekt kann verschiedenste Wünsche erfüllen. Der Dorfplatz wird vergrössert und soll wieder einen Ausblick ins Tal ermöglichen. Das neue Zentrumsgebäude mit einem vergrösserten Lebensmittelgeschäft, Arztpraxis und weiteren Dienstleistern würde dafür nach Norden versetzt. Und auf dem heutigen Parkplatz beim Dorfzentrum ist ein Gebäude für «Wohnen im Alter» vorgesehen. Die Parkierung wird dabei unterirdisch gelöst. Das Projekt soll – auch aus finanziellen Gründen – in Etappen umgesetzt werden. «Es ist ein Richtungsentscheid für Triesenberg. Deshalb würde ich mich am 3. Oktober über viele aktive Einwohnerinnen und Einwohner aus allen Altersgruppen freuen», so Christoph Beck. (sap)

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