• 24.01.2021 06:00 | von Melanie Steiger

    Fasnacht mal anders

    Mit dem Veranstaltungsverbot und der Beschränkung von fünf Personen wurde den gewohnten Feierlichkeiten der fünften Jahreszeit endgültig ein Riegel vorgeschoben. Genau das lässt alte Bräuche wie die selbst gebastelten Fasnachtspuppen wieder aufleben.

    Bereits seit Oktober herrscht Gewissheit darüber, dass die Fasnacht dieses Jahr ganz anders wird. Zu der Zeit wusste man zwar noch nicht, wie sich die Situation entwickeln wird, aber dass aus Umzügen, Maskenbällen und Monsterkonzerten nichts werden wird, damit haben alle gerechnet. Die derzeitigen Bestimmungen erlauben keinerlei Aktivitäten für die uns gewohnte Fasnacht. Die Fünf-Personen-Regel und die Empfehlung von zwei Haushalten haben die Situation bis Ende Februar verschärft, eine Lockerung bis zur Narrenzeit ist nicht in Sicht. Auch kleinere Aktivitäten mit Schutzkonzept sind nun ausgeschlossen und unmöglich durchzuführen. Die Gamser Fasnacht bleibt gänzlich still wie auch die Wartauer Fasnacht (WaFa) – und das bereits zum zweiten Mal in Folge. Denn voriges Jahr hätte die WaFa kurz vor dem Lockdown stattfinden sollen, als bereits viele Veranstaltungen abgesagt waren. «Wir hatten im Sinn, dieses Jahr allenfalls einen kleinen und spontanen Anlass zu organisieren», heisst es seitens der WaFa. Nun wird aber definitiv nichts daraus. Auch in der Rheintaler Fasnachtshochburg Altstätten bleibt der Röllelibutzen-Verein dieses Jahr ruhig. «Die Fasnachtszeitung der Fasnachts-Montag-Clique wird aber erscheinen», teilt OK-Präsident Alex Zenhäusern mit.

    Im Sarganserland wird gebastelt
    Die Fasnachtsgesellschaften Mels und Bad Ragaz überlegten lange, wie sie das Flair der Fasnacht in ihren Dörfern aufkommen lassen könnten. Beide Ortschaften blicken auf eine lange und stark verankerte Tradition der Narrenzeit zurück. Unabhängig voneinander lassen sie den alten Brauch der Fasnachtspuppen wieder aufleben. Denn dieser verlor im Laufe der Zeit stark an Bedeutung. Früher hängte man gerne an die Hausfassade, an den Fenstersims oder auf den Balkon eine selbstgebastelte Fasnachtspuppe hin – heute sind sie, wenn, dann nur noch vereinzelt zu sehen.

    Die Fasnachtsgesellschaft Bad Ragaz möchte trotz der derzeitigen Situation für Fasnachtsgefühle im Dorf sorgen – und zwar so, dass alle Vorgaben vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) berücksichtigt und eingehalten werden können. «Für uns war klar, dass wir etwas organisieren», sagt Patrick Probst, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Bad Ragaz. Darum lancierte die Gruppe einen Wettbewerb, bei dem die Fasnachtspuppen prämiert werden. «Für uns ist das die beste Variante in der derzeitigen Situation, denn viel mehr Möglichkeiten bleiben uns nicht», sagt der Fasnächtler. Auf die Idee mit den Fasnachtspuppen seien sie gekommen, weil die Vorgaben des BAG bereits im Voraus vieles ausgeschlossen hätten. «Es musste etwas sein, das sich an einem bestimmten Ort befindet, ohne dass dabei Personen in Kontakt treten. Trotzdem brauchen wir ein Schutzkonzept», informiert der Präsident. 
    Das Besondere an der Narrenzeit in Bad Ragaz ist, dass sie drei Wochen dauert: Vom ersten Schmutzigen Donnerstag (heuer am 28. Januar) über den dritten Schmutzigen Donnerstag am 11. Februar hinaus bis zum Fasnachtsmontag. Und genau so lange soll der Wettbewerb dauern. «Niemand weiss mehr genau, warum die Fasnacht in Bad Ragaz drei Schmutzige Donnerstage hat. Es wird vermutet, dass die Ragazer einfach länger feiern wollten. Aber eine Überlieferung über die genauen Umstände gibt es nicht», erläutert Patrick Probst. 

    Interaktive Karte verrät Standort der Fasnachtspuppen
    Während der Fasnachtszeit ruft der Verein also die Dorfbewohner dazu auf, Fasnachtspuppen selbst zu basteln und an ihrem Zuhause oder im Dorf sichtbar zu platzieren. Für die öffentlichen Plätze hat die Fasnachtsgesellschaft bereits Bewilligungen eingeholt. «Trotzdem müssen wir jeden Standort nochmals einzeln abklären», so Patrick Probst. Auf der Internetseite der Fasnachtsgesellschaft kann jeder für die Prämierung ein Foto seiner Fasnachtspuppe hochladen. Insgesamt werden elf Preise für die Meisterwerke vergeben. Einige Dorfvereine wie auch ortsansässige Unternehmen hätten bereits mitgeteilt, dass sie sich aktiv an der Aktion beteiligen werden. «Viele haben jetzt Zeit dafür. Nebst dem Foto sollen die Teilnehmer auch den Standort der Puppe verraten, damit wir eine interaktive Karte erstellen können. So haben die Ragazer die Möglichkeit, die Fasnachtspuppen bei einem Spaziergang zu bestaunen», erzählt Patrick Probst begeistert. 

    Doch damit dies ordentlich über die Bühne gehen kann, wird von der Fasnachtsgesellschaft ein Schutzkonzept erstellt. Ziel sei es schliesslich nicht, dass die Menschen dies zum Anlass nehmen, sich draussen zu treffen. «Es dürfen keine Wärmequellen oder Feuerstellen aufgestellt werden und auch der Ausschank von Getränken ist strikt untersagt.» Darum wird die Fasnachtsgesellschaft Bad Ragaz Augen und Ohren offenhalten und Kontrollgänge durchführen. «Wir hoffen darauf, dass die Menschen einsichtig sind und sich an die Vorgaben halten. Ansonsten sind wir gezwungen, weitere Massnahmen einzuleiten», so Patrick Probst. 

    Puppen und Kinder tanzen
    Die Fasnachtsgesellschaft Mels diskutierte ebenfalls gemeinsam, ob und was sie heuer organisieren könnten. Denn die Fasnachtszeitung wird auf jeden Fall erscheinen. Schliesslich landeten auch sie bei den Fasnachtspuppen, welche die Bevölkerung bastelt. «Die Idee, den alten Brauch wieder auferstehen zu lassen, kam von einem Mitglied. Heute sieht man sie nur noch selten», sagt Marco Ackermann, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Mels. Vor allem ältere Personen würden dies noch kennen. Das Vorhaben wurde kurzfristig in die Wege geleitet und kurzerhand «Gärtlifasnacht» getauft, da die fünfte Jahreszeit bei jedem daheim stattfindet. «Früher stellte man die Puppen in den Garten oder auf den Balkon. Dieses Jahr soll so jeder ein bisschen das Gefühl von Fasnacht erhalten und kann selbst mitwirken», freut sich Marco Ackermann. Damit die Motivation, eine Fasnachtspuppe zu basteln, vorangetrieben wird, lancierte die Fasnachtsgesellschaft Mels ebenfalls einen Wettbewerb, bei dem das Foto von dem Werk auf deren Internetseite hochgeladen werden kann. Es geht dabei um die Idee, kreativ zu sein und etwas mit der Familie zu unternehmen. Die drei kreativsten Fasnachtspuppen erhalten einen Preis.

    Doch das ist nicht alles. Denn die Fasnachtsgesellschaft möchte die Kinder mittels einer Challenge tanzen lassen.  Eine Animationsgruppe tanzt vor (Video auf der Internetseite der Melser Fasnacht), was die Kinder im Kostüm nachmachen und filmen können und anschlissend schicken. «So kann jeder für sich zu Hause die Fasnacht feiern und zugleich hat doch jeder etwas davon», informiert der Melser. 

    Die letztjährige Böllenkönigin, Klara Kühne, bleibt dieses Jahr in ihrem Amt. Denn ihre Aufgaben und Ämter konnte sie heuer gar nicht wahrnehmen. «Das hat es noch nie gegeben, dass dieses Amt zwei Jahre lang von ein und derselben Person besetzt bleibt», so Marco Ackermann.

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