• 15.01.2021 09:24

    Ein Viertel mehr Todesfälle

    Das Amt für Statistik hat provisorische Zahlen zu den Sterbefällen 2020 publiziert. Seine Einschätzung zur Thematik der Übersterblichkeit in Liechtenstein lautet: Die Anzahl Todesfälle lag ein Viertel höher als im Durchschnitt der vorangegangenen zehn Jahre. Die hohe Anzahl im Jahr 2020 ist dabei insbesondere auf die hohe Sterberate in den Monaten November und Dezember zurückzuführen.

    Das Amt für Statistik berechnet für diese beiden Monate eine Übersterblichkeit von insgesamt 48 Personen. Die Zahl der Todesfälle lag im November 80% und im Dezember sogar 150% über dem erwarteten Wert. Diese hohe Anzahl Sterbefälle in den letzten zwei Monaten des Jahres 2020 können nicht durch zufällige Schwankungen erklärt werden. Die Übersterblichkeit liegt über der im gleichen Zeitraum durch das Amt für Gesundheit gemeldeten Anzahl Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19. Es gibt jedoch keine Hinweise auf eine substantielle Dunkelziffer von Todesfällen, bei denen COVID-19 nicht diagnostiziert wurde. Betroffen von der Übersterblichkeit sind 65-jährige und ältere Personen. Bei den unter 65- Jährigen gibt es hingegen keine Anzeichen auf eine Übersterblichkeit. 

    Wir haben die wichtigsten Informationen aus der Publikation des Amtes für Statistik zusammengefasst:

     

    Wie viele Personen sind 2020 in Liechtenstein verstorben?

    Gemäss der provisorischen Zahlen sind insgesamt 318 Personen verstorben. Damit sind 2020 rund 26 Prozent mehr verstorben als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Vor allem die letzten zwei Monate waren für die hohen Todeszahlen ausschlaggebend. In November verstarben 39 Personen, im Dezember 51.

    Wie erklärt sich die hohe Anzahl Sterbefälle?

    Es zeigt sich, dass die hohe Anzahl Sterbefälle in den letzten zwei Monaten des Jahres 2020 nicht durch zufällige Schwankungen erklärt werden können. Die Übersterblichkeit liegt dabei über den im gleichen Zeitraum durch das Amt für Gesundheit gemeldeten Anzahl Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19. Das Resultat legt nahe, dass es keine Indizien für eine substantielle Dunkelziffer an Todesfällen gibt, bei denen COVID-19 nicht diagnostiziert wurde

    Was bedeutet Übersterblichkeit?

    Übersterblichkeit (oder Überschussmortalität) bezeichnet in der Epidemiologie die Anzahl der Sterbefälle während einer ausserordentlichen Lage, die über der Anzahl Todesfälle liegen, welche unter «normalen» Umständen erwartet würden. Unter einer ausserordentlichen Lage können nebst Epidemien auch Hitze- oder Kältewellen als Anlass dienen, um die Übersterblichkeit zu berechnen.

    Wie wird Übersterblichkeit gemessen?

    Es gibt verschiedene Arten, um die Übersterblichkeit zu berechnen. Die einfachste Art besteht darin, die Anzahl Todesfälle in einem gewissen Zeitraum zu berechnen und davon die mittlere Anzahl Todesfälle in den Vorjahren zu subtrahieren. Als Schätzwert für die mittlere Anzahl Todesfälle wird in dieser Untersuchung der Median der letzten zehn Jahre verwendet.

    Was sind die Probleme bei der Berechnung der Übersterblichkeit in Liechtenstein?

    Die Schätzung der Übersterblichkeit in Liechtenstein stellt durch die geringen Fallzahlen allerdings eine besondere Herausforderung dar. Aufgrund der hohen Variabilität der wöchentlichen Todesfälle ist eine Auswertung dieser Angaben wenig aussagekräftig. Diese vorliegende Auswertung basiert daher auf den monatlichen Todesfällen.

    Die gesamte Publikation des Amt für Statistik findet sich unter https://www.llv.li/inhalt/118804/amtsstellen/sonderseite-covid-19

     

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