• 26.11.2020 14:17 | von Oliver Beck

    Die Suppen köcheln noch auf Sparflamme

    Seit Kurzem ist die Suppenküche im früheren «Central» zu finden. Die Coronapandemie hat den Start allerdings merklich erschwert.

    Dass die ehemalige «Hilti-Metzg» der Suppenküche nur noch ein Zuhause auf Zeit sein würde, war den Verantwortlichen schon bewusst geworden, als die Gemeinde das Gebäude vom vormaligen Besitzer erworben hatte. «Damals hat man uns gesagt, dass wir etwas Neues suchen müssen, sobald ein Abbruch konkret wird», erzählt Marcus Büchel, Vizepräsident des Trägervereins «Alte Metzg». Als die Confida und die Gemeinde Schaan Mitte 2019 dann über ihren Plan informierten, vis-à-vis vom Restaurant Rössle einen öffentlichen Platz sowie zwei Bauten zu realisieren, wurde aus der grundsätzlichen Gewissheit schliesslich eine konkrete Perspektive: Im kommenden Jahr würde er unweigerlich da sein, der Moment des Abschieds von der liebgewonnenen Heimat – und des Aufschlagens eines neuen Kapitels.

    Mittlerweile ist der Umbruch vollzogen. Die alte Metzgerei Hilti steht zwar noch, die sie umgebenden Baugerüste künden aber vom nahenden Ende. Die Suppenküche hat sich bereits vor gut zwei Monaten aus dem Gebäude verabschiedet. «Mitte September», erzählt Vereinspräsidentin Annelies Hilti, «haben wir unsere Gäste ein letztes Mal bewirtet. Ende des Monats waren wir draussen.» Einen neuen Standort hatten sie und ihre Mitstreiter zu jenem Zeitpunkt bereits gefunden. «Da es sich bei der Suppenküche um ein soziales Non-Profit-Projekt handelt, hat die Gemeinde stets betont, dass sie uns bei der Suche nach einer zentrumsnahen Lösung unterstützen wird», so Büchel. «Und sie hat Wort gehalten.»

    In der Tat ist das seit Herbst 2019 im Gemeindebesitz befindliche ehemalige Restaurant Central, wo die Suppenküche vor wenigen Wochen eingezogen ist, noch zentraler gelegen als der alte Standort. Doch die Hilfe der Gemeinde ging noch über die Immobiliensuche hinaus. Die Arbeiten, die im neuen Daheim angefallen seien, habe man zum Beispiel aufgeteilt, berichtet Hilti. «Wir haben uns um den Innenbereich gekümmert und die Gemeinde hat das Gebäude aussen renoviert und insbesondere die Fassade neu gestrichen.» Ausserdem zahlt der Verein, der sich ausschliesslich über Spenden, Mitgliederbeiträge und dem mit der Suppenküche generierten Ertrag finanziert, wie schon am vorherigen Standort keine Miete. «Die Gemeinde hat uns neuerlich ein Nutzungsrecht eingeräumt», so Büchel.

    Ein Start, den man sich ganz anders vorgestellt hatte

    Die Rahmenbedingungen wären alles in allem also mehr als stimmig, um an neuer Stätte an alte Erfolge anzuknüpfen. Allerdings hätte der Zeitpunkt für den Neustart kaum unglücklicher sein können. «Kurz bevor wir eröffnen wollten, wurden aufgrund der Coronapandemie alle Gastronomiebetriebe geschlossen», erzählt Hilti. Den Betrieb habe man in Form eines Take-aways zwar dennoch termingerecht aufgenommen, allerdings sei aufgrund der Umstände darauf verzichtet worden, das gross publik zu machen. Wohl auch deshalb fällt die Nachfrage nach den weithin bekannten Suppen und Buffetgerichten, die das Angebot der Suppenküche im Laufe der Jahre angereichert haben, bislang nicht sehr gross aus, wie die Vereinspräsidentin einräumt: «Das Geschäft läuft recht schwach.»

    Und das wiederum hat wirtschaftliche Konsequenzen – auch wenn der Verein gegenüber gewöhnlichen Restaurationsbetrieben sicher eine andere Fixkostenstruktur aufweist.

    «A la longue geht es auch für uns ums finanzielle Überleben», sagt Vizepräsident Büchel. Entsprechend befinde man sich in der Abklärung, mit welchen Unterstützungsleistungen der Verein rechnen dürfe.

    Noch viel schwerer wiegt in Büchels Augen aber der Umstand, dass der Gastro-Lockdown eine der zentralen sozialen Komponenten des Konzepts aushebelt: Neben der Lebensmittelabgabe an Bedürftige, der Förderung des gesellschaftlichen Miteinanders und dem Engagement gegen Food Waste zielt die Suppenküche insbesondere darauf ab, Langzeitarbeitslosen zu einer Beschäftigung zu verhelfen und auf diesem Weg deren Reintegration in den ersten Arbeitsmarkt zu erleichtern. «Diese Leute», so Büchel, «müssen arbeiten. Aber sie können nicht. Das ist wirklich sehr bedauerlich.»

    Öffnungszeiten nach Möglichkeit ausdehnen

    Ihre Zuversicht haben die Verantwortlichen ungeachtet der erschwerten Startbedingungen nicht eingebüsst. Das lässt sich allein schon daran erkennen, dass ihr Blick unverändert auch die fernere Zukunft anvisiert. Schon vor dem Umzug habe man Überlegungen angestellt, die Öffnungszeiten der Suppenküche auszuweiten, berichtet Büchel. Und diese Idee existiere auch weiterhin. «Im Hinblick auf unseren sozialen Auftrag wäre es sicher sinnvoll, die Leute länger als nur an drei halben Tagen pro Woche zu beschäftigen – sofern sich das wirtschaftlich realisieren lässt.»

    «Absolut erhaltenswertes» Gebäude

    Geschehen soll das – auch hier zeigt sich die langfristige Orientierung des Vereins – im Optimalfall noch viele Jahre am jetzigen Standort. Sie hoffe sehr, dass das «Central» sich nicht nur als Zwischenlösung erweise, sagt Hilti. Die Pläne der Gemeinde, ebendort zu einem späteren Zeitpunkt einen Park anzulegen, sind der Vereinspräsidentin durchaus bekannt. Allerdings, betont sie, sei das Gebäude der erste inländische Bau des renommierten deutschen Architekten Ernst Sommerlad, der ab den 1920er-Jahren in Liechtenstein wirkte und wohnte. «Das Gebäude ist in unseren Augen daher unbedingt erhaltenswert. Vielleicht kommt die Gemeinde ja auch noch zu dieser Einsicht.» Und die Suppenküche zu einem Zuhause auf Dauer statt auf Zeit.

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