• 25.10.2020 00:00 | von Stephanie Fleisch

    Der Zwang zur Freiwilligkeit

    Es war ein Fehler, sich auf die Eigenverantwortung der Bürger zu verlassen. Die steigenden Infektionszahlen zeigen deutlich, wie es um die «Es kunnt scho guet»-Mentalität der Bürger bestellt ist. Gerade im familiären Kreis herrscht allgemeine Unbekümmertheit – zum Leidwesen aller.

    Nun wird versucht mit strengen Massnahmen einen weiteren Lockdown – oder schlimmer: den Zusammenbruch des Gesundheitssystems – zu verhindern. Begleitet vom bereits bekannten Appell an die Vernunft und Eigenverantwortung. 

    «Weiterleben und weiterarbeiten – nur ein bisschen anders», meinte Bundesrat Alain Berset vor Kurzem salopp. Und versuchte wohl so, den lebenseinschränkenden Massnahmen ihre Bitterkeit zu nehmen. Doch das sagt sich leicht. Nicht überall ist das möglich. 

    Ob Lockdown oder nicht: die Lage ist ernst. Die Kultur- und Unterhaltungsbranche steckt in einer Existenzkrise. Die Gastronomie kämpft mit negativen Bilanzen und ums Überleben. Anderen Branchen geht es ähnlich – und wenn noch nicht jetzt, dann bald. 

    Und trotzdem bleibt den Regierungen fast nichts anderes über, als die Bürger in 
    die Pflicht zu nehmen. Immerhin nützen die strengsten Massnahmen nichts, wenn sie nicht befolgt werden. Und so beruht der Gesundheitsschutz am Ende doch auf der 
    Freiwilligkeit eines jeden, die Regeln zu befolgen. 

    Schönen Sonntag. Geniessen Sie ihn und bleiben Sie gesund.

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