• 25.10.2020 09:00 | von Julia Strauss

    Das «Wildschloss» ohne intensive Pflege

    Die Bürgergenossenschaft Vaduz ist seit 2012 im Besitz der imposanten Ruine Schalun.

    Unter Mountainbikern und Wanderern ist die Ruine Schalun ein beliebtes Ausflugsziel. Um das noch stehende Gemäuer in Schuss zu halten, fällt für die Besitzerin Bürgergenossenschaft Vaduz nicht viel Arbeit an.

    Keine Denkmalpflege von der Bürgergenossenschaft
    Seit der Sicherung und Sanierung in den Jahren 1990 bis 1993 durch die damalige Besitzerin, die Gemeinde Vaduz, wurden keine grossen Arbeiten mehr vorgenommen. Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden der Bürgergenossenschaft Vaduz Franz Wachter wird bewusst auf viel Arbeit verzichtet: «Man will nicht anfangen, Denkmalpflege zu betreiben, das ist absolut nicht in unserem Sinn.» So wird auch die Bausubstanz der Ruine nicht mehr kontrolliert. Für die Mitglieder der Bürgergenossenschaft fallen zweimal im Jahr Frondienste an. Die Bürgergenossenschaft bietet an diesen Tagen Arbeiten wie Waldpflege, Ausmähen des Ruinenareals oder das Zurückstutzen der Sträucher an. Für das Brennholz der Feuerstellen und die Abfallentsorgung ist laut Wachter der Gemeindeförster zuständig. «Man sollte meinen, dass sich die Leute selbst um ihren Abfall kümmern, dem ist aber nicht so», beschwert 
    sich Wachter über liegen gebliebenen Abfall. 

    Preis anno 1880: 1300 Franken
    Die wenigen bekannten Fakten über die Ruine Schalun lassen viel Raum für Spekulationen. Denn weder der genaue Zeitpunkt der Erbauung noch das Datum der Zerstörung sind bekannt. Vermutet wird eine Errichtung im 10. oder 11. Jahrhundert und eine vollständige Zerstörung durch Abbrennen nur 200 Jahre später.

    Der Name Schalun stammt wahrscheinlich vom rätoromanischen Wort für Leiter oder Stiege («Scala») oder vom Wort «Scaluna» ab, was grosse Treppe bedeutet. Heute vor allem als «Wildschloss» bekannt, hiess das Bauwerk schon «Schalon», «Wildberg» oder «Wildenburg». Der erste Besitzer war Ulrich von Schalun, der 1237 urkundlich erwähnt wird, und bis 1290 entrichtete eine Frau von Schalun noch Lehenzins.

    1880 kaufte der Wiener Architekt Ignaz Banko die Ruine und den angrenzenden Wald für 100 Österreichische Gulden von der Gemeinde Vaduz, umgerechnet 1300 Franken. 50 Jahre später ging das Grundstück wieder an die Gemeinde zurück, diesmal für 450 Franken. Weniger Geld hatte der Historische Verein Liechtenstein ein paar Jahre später für eine erste Restaurierung zur Verfügung, nämlich 400 Franken. Bei den folgenden Ausgrabungen kamen ein paar Keramikscherben, Ofenkacheln und Tierknochen zum Vorschein. Laut Zeugen-bericht stieg den Archäologen dieser Ausgrabung immer noch  Brandgeruch in die Nase. Die wenigen Fundstücke und der  Aschefund lassen darauf schliessen, dass die Burg ausgeräumt und dann vorsätzlich angezündet wurde. Bei Grabungen in den 80er-Jahren kamen noch Mailänder Münzen, Pfeilspitzen und Gürtelschnallen zum Vorschein. Von 1990 bis 1993 wurde die Anlage gesichert und saniert.

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