• 23.10.2020 14:56 | von Desiree Vogt

    Contact-Tracing (noch) nicht am Anschlag

    Die rund 20 Contact-Tracer des Landes haben derzeit alle Hände voll zu tun. Jeder Einzelne hat täglich bis zu 50 Telefonate zu führen.

    Sie kontaktieren auf Corona positiv getestete Personen, eruieren die Ansteckungsquellen und verfolgen zudem Kontaktpersonen nach: Die sogenannten Contact-Tracer. Aufgrund der steigenden Fallzahlen ist das Contact-Tracing in zahlreichen Kantonen der Schweiz bereits am Anschlag. Und auch Liechtensteins Contact-Tracer haben alle Hände voll zu tun. Fortlaufend werden neue Contact-Tracer rekrutiert. 

    Täglich stundenlange Detektivarbeit
    «Vom Amt werden uns die positiven Befunde gemailt. Die Indexpersonen werden im ganzen Team aufgeteilt, jeder bearbeitet dann seinen Fall einzeln», erzählen Petra Müller-Scheibelhofer und Fabienne Mascetti aus ihrem Alltag als Contact-Tracerinnen. Die Indexperson, also die positiv getestete Person, werde von einer Tracerin telefonisch kontaktiert. Gemeinsam würden dann die Personalien, Symptome, Vorerkrankungen, Ansteckungsquelle, Covid-App etc. abgefragt.

    Auch werden hier bereits offene Fragen und Anliegen beantwortet, da die Tracer und Tracerinnen mehrheitlich vom KIT Liechtenstein sind und deshalb auf diese spontanen und unvorhersehbaren Situationen vorbereitet sind. «Und danach kommt unsere eigentliche, grosse Arbeit: Es gilt, die Kontaktpersonen der letz­ten 48 Stunden vor Symptombeginn gemeinsam zusammenzutragen und dann auch jeden einzeln zu kontaktieren. Wir fragen nach, ob die Abstandsregel und das Zeitlimit unter- bzw überschritten sind.»

    Eine positiv getestete Person könne bis zu 20 Kontaktpersonen angeben – und dann wird es sehr zeitintensiv. «Wir kontaktieren jeden Einzelnen und nehmen ihn ins System auf. Dieser Vorgang dauert zwischen einer halben Stunde bis zu 6 Stunden.» Danach kontaktieren die Tracer täglich zusätzlich die Indexpersonen sowie die Kontaktpersonen, welche einer Risikogruppe angehören.

    50 Telefonate pro Tag
    Zu Beginn der Pandemie im März waren die Contact-Tracer im Auftrag des KIT noch zu viert aktiv tätig. Dazu kam die Unterstützung aus den verschiedenen Ämtern sowie der administrative Support vom Amt für Gesundheit. «D. h. es standen zu Beginn 19 Personen zur Verfügung, die für das Contact-Tracing eingesetzt werden konn­ten. Jetzt werden je nach Fallzahl fortlaufend neue Contact-Tracer durch die Geschäftsleiterin vom KIT Liechtenstein rekrutiert und eingearbeitet», so Fabienne Mascetti. Dies ist auch nötig – denn je nach Anzahl der Fälle muss jeder Contact-Tracer bis zu 50 Telefonate täglich führen.

    Innerhalb der letzten Tage Stunden kamen viele neue Fälle hinzu und die Zahl der Quarantänefälle hat sich ebenfalls drastisch erhöht. Am Anschlag befindet sich das Contact-Tracing in Liechtenstein aber trotzdem nicht: «Da wir flexibel sind mit den Rekrutierungen und alle freischaffende Mitarbeiter sind, können wir Contact-Tracer aktivieren. Dies kann innerhalb von Stunden geschehen, da die meisten von zu Hause aus arbeiten.»

    «Nichtkooperative sind glücklicherweise selten»
    Contact-Tracing ist also ein echter «Knochenjob» geworden: Nicht nur, weil er viel Aufwand bedeutet, sondern weil die Tracer nicht selten übelst beschimpft werden oder bewusst mit falschen Angaben «gefüttert» werden. Es ist deshalb eine Herausforderung für Fabienne Mascetti und Petra Müller-Scheibelhofer, wenn sie  sich auf lange Diskussionen einlassen müssen, weil Personen nicht kooperativ sind. «Das geschieht aber glücklicherweise nicht häufig», so Mascetti.

    Meist seien die positiv Getesteten im ersten Moment so schockiert, dass sie froh um Orientierungshilfe und Unterstützung seien. «Aufgrund unserer Erfahrung können wir die ersten Fragen direkt und unkompliziert beantworten. Und falls es uns nicht möglich ist, alle Fragen zu klären, nehmen wir Rücksprache mit der Amtsärztin.» Werde bemerkt, dass jemand nicht wahrheitsgetreu antworte, werde das Amt informiert – «dann kann es zu einer Anzeige kommen».

    Damit die Contact-Tracer bald wieder «durchatmen» können, bitten sie die Bevölkerung darum, die sozialen Kontakte einzuschränken, den Abstand einzuhalten und, wenn dies nicht möglich ist, Masken zu tragen.

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