• 23.10.2020 06:00 | von Oliver Beck

    Casinobetreiber zeigt Interesse an Vaduz

    Der Gemeinderat von Vaduz hat sich mit einer Voranfrage zur Umnutzung von Teilen des Central-Gebäudes zu Casinoräumlichkeiten befasst. Der Vorgang könnte der Vorbote eines baldigen Antrags sein.

    Adrian Dill wird die Verkaufsflächen seines Souvenirgeschäfts im Vaduzer Central-Gebäude deutlich reduzieren. Aktuell umfasst der Mietvertrag mit Vermieter Helmut Verling neben dem Erdgeschoss auch das erste und das zweite Obergeschoss. Künftig soll sich das Mietverhältnis auf den ebenerdigen Bereich beschränken, wie Verling sagt. Das zweite Obergeschoss habe Dill bereits geräumt, bezüglich des ersten habe man sich darauf verständigt, dass der Auszug innert dreier Monate nach erfolgreichem Abschluss der Suche nach einem Nachmieter erfolge.

    Gegenwärtig befindet sich Verling diesbezüglich in Gesprächen mit eine Reihe von Interessenten. «Darunter sind solche, für die eine Miete beider Stockwerke in Frage kommt, und solche, die sich nur für eine Etage interessieren.» Mehr ist dem Inhaber des Architekturbüros Verling & Partner zu den Parteien, mit denen er in Kontakt steht, nicht zu entlocken. Also auch nicht, ob sich unter den Interessenten, wie seit Wochen spekuliert wird, auch ein Casinoanbieter befindet: «Das kann ich weder bestätigen noch dementieren.»

    Wie das «Vaterland» aus sicherer Quelle weiss, ist das Ganze aber tatsächlich weit mehr als ein Gerücht. Denn die Thematik hat mittlerweile auch die politische Ebene erreicht. Gemäss den vorliegenden Informationen hat sich der Gemeinderat kürzlich mit einer eingegangenen Voranfrage auseinandergesetzt. Deren Gegenstand: eine allfällige Umnutzung der fraglichen Stockwerke zwecks Betriebs einer Spielbank eines namentlich nicht genannten Betreibers. Ein Zeugnis dafür, dass ein handfestes Interesse an der Realisierung eines siebten Casinos in Liechtenstein besteht. Der Klarheit halber: Mit einer Beschlussfassung seitens des Gemeinderats war die Voranfrage nicht verbunden. Es wäre jedoch keine Überraschung, sollte das Gre­mium bald in dieser Hinsicht gefragt sein. Denn eine Umnutzung der bewilligten Ladenräumlichkeiten im ersten und/oder zweiten Obergeschoss des Central-Gebäudes zu Casino- und Büroräumlichkeiten bedarf der Zustimmung des Gemeinderats. Der Eingang eines entsprechenden Antrags ist da womöglich nur eine Frage der Zeit.

    In Vaduz war ein Casino schon vor zehn Jahren ein Thema
    Sechs Casinostandorte zählt Liechtenstein bislang – Vaduz gehört nicht dazu. Das ist deshalb kurios, da die Thematik einst in der Residenz «wachgeküsst» wurde. Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, dass der Hauptort als möglicher Casinostandort in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Im Oktober 2010 präsentierte Unternehmer Wolfgang Egger in der Vaduzer Gemeindepublikation «Einblicke» seine Pläne für ein Kongress- und Touristikhotel mit 120 Zimmern, Dachrestaurant und Spielbank am Standort des heutigen «Vaduzerhofs». Realisiert wurde das 60-Millionen-Franken-Projekt bekanntlich nicht. Zwar hatten Egger und seine Mitstreiter 2012 von der Regierung auf Basis des damaligen Geldspielgesetzes eine exklusive Konzession erhalten. Doch die Casino Admiral AG, die im Konzessionswettstreit unterlegen war, focht die Vergabe vor Gericht erfolgreich an.

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