• 25.10.2020 11:00

    Vaduz als «Fair Trade Town» ausgezeichnet

    Am Samstag erhielt Vaduz im Rahmen einer kleinen Feier als erste Gemeinde Liechtensteins die Auszeichnung «Fair Trade Town». Damit soll die Bevölkerung animiert werden, selbst beim Einkaufen mehr auf Fair-Trade-Produkte sowie das lokale Gewerbe zu achten.

    «Es macht Freude und ich bin stolz drauf.» Mit diesen Worten umschrieb der Vaduzer Bürgermeister Manfred Bischof bei der Begrüssung, was ihm die Auszeichnung bedeutet. So etwas habe eine Signalwirkung und er hoffe doch sehr, dass zahlreiche Unternehmen oder auch andere Gemeinden in Liechtenstein mitziehen werden.

    Verzicht macht glücklich
    Angestossen und Vaduz auf das Projekt aufmerksam gemacht habe Cornelia Wolf vom Hoi-Laden, erklärte Gemeinderat Stephan Gstöhl. Es sei dann alles recht zügig gegangen: Ein Beschluss vom Gemeinderat, die Gründung einer Arbeitsgruppe und Menschen aus verschiedenen Arbeitsgruppen seien sofort dabei gewesen. Nach einem kurzen Nachzeichnen der Zeitlinie überliess er die Bühne der Leiterin vom liechtensteinischen Entwicklungsdienst, Nicole Matt-Schlegel. Sie machte mit ihrem Vortrag verständlich, wie sie vom LED mit Nichtregierungsorganisationen am anderen Ende der Welt dafür sorgen, dass fair gehandelt wird. Sie gab den Interessierten noch den Tipp mit auf den Weg, sich die Ausstellung «Global Happiness» im Landesmuseum zu Gemüte zu führen. Auch sei es ratsam in der vom Konsum beherrschten Welt, es einmal mit Verzicht zu versuchen, denn dieser mache einfach glücklich.

    Fair Trade braucht Individualistinnen
    Der Wortbeitrag von Rudolf Batliner vom Verein Tellerrand zeigte eindrücklich, wie viel schon passiert ist. Auch wenn bei den Detailhändlern noch oft von «Kolonialwaren» gesprochen werde, sei Fair Trade glücklicherweise inzwischen im Mainstream angelangt. Heute werden kaum noch Bananen ohne Max-Havelaar-Aufkleber verkauft, doch er könne sich noch gut an den Anfang erinnern. Früher wurde in den Läden ein «Kässeli» platziert und über die Feldkircher «Bananenfrauen» Geld an die Produzenten gespendet. Fair Trade brauche Individualistinnen, die den Anstoss geben. Zudem sei ein langer Schnauf nötig, bis durch die «Spinnereien» auf der Welt wirklich was bewirkt werde, aber es lohne sich allemal. Fair Trade schaffe eine Win-Win-Situation für alle, während die «Geiz ist geil»-Mentalität das glatte Gegenteil bewirke. Durch sie verliere erst der Produzent, da er weniger bekomme. An zweiter Stelle leide die Umwelt darunter, da es leider billiger komme, die Waren um die halbe Welt zu karren als lokal zu beschaffen. Am Schluss falle ausserdem alles auf den Konsumenten zurück, da bei dem ganzen Spardrang die Qualität des Pro-dukts auch noch leide.  
       
    Eine Auszeichnung mit Aufgabe
    Tobias Meier, Präsident von Swiss Fair Trade, betonte bei der Zertifizierung von Vaduz, wie wichtig er den lokalen Fokus gerade in der Pandemiezeit finde. Es sei die richtige Zeit, lokal aufeinander zu schauen und dabei auch international fair zu bleiben. Eine solche Auszeichnung sei aber nicht als Abschluss zu verstehen, sondern immer mit der Aufgabe des Weitermachens verbunden. Inzwischen gebe es über 2000 «Fair Trade Towns» auf der Welt und vielleicht entbrenne bald ein Wettlauf und Liechtenstein werde nach Wales das zweite komplette Fair-Trade- Land. Er habe da ein ganz gutes Gefühl, da er solche Szenarien in der Vergangenheit in der Schweizer Nachbarschaft auch schon erlebt habe. (cim)

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