Mitten in der zweiten Welle

Durchhaltefähigkeit sicherstellen

Die Regierung will einen zweiten Lockdown verhindern. Sie appelliert an den gesunden Menschenverstand und die Eigenverantwortung.
Manuela Schädler
Manuela Schädler
Medienorientierung - Coronavirus - Aktuelle Situation
Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini sagte bei der letzten Medienorientierung: «Die Zahlen im März waren geradezu niedlich, wenn man sie mit den Fällen der letzten zwei Wochen vergleicht.» (Bild: Michael Zanghellini)

Die zweite Welle hat Liechtenstein mit voller Wucht erwischt. «Die Zahlen im März waren geradezu niedlich, wenn man sie mit den Fällen der letzten zwei Wochen vergleicht», sagte Mauro Pedrazzini gestern an der Regierungspressekonferenz zur aktuellen Coronasituation. Die Inzidenz liegt bei über 460 Erkrankungen auf 100 000 Einwohner. Ein sehr hoher Wert – auch im Vergleich zu anderen Ländern. «Wir sind fast das Schlusslicht», so der Gesundheitsminister. Über 400 Personen befinden sich aktuell in Quarantäne. Dabei wurden die 42 Fälle von gestern durch das Contact-Tracing noch nicht ausgewertet. Die Regierung geht davon aus, dass nochmals hundert Personen hinzukommen. Über ein Prozent der liechtensteinischen Bevölkerung ist dann in Quarantäne. Zu viel, sagt die Regierung. 

Liechtenstein stösst schnell an seine Grenzen
Die weitere Ausbreitung des Virus schadet auch der Wirtschaft und dem ganzen Staatsapparat. Denn nicht nur das Landesspital kann an seine Kapazitätsgrenze stossen, auch Lehrpersonen, Pflegepersonal oder Landtagsabgeordnete können ausfallen. «Wir leben in einem kleinen Land mit kleinen Strukturen und bei uns gibt es viele Dinge nur einmal oder nicht allzu oft», sagte Wirtschaftsminister Daniel Risch. Das System könne deshalb an seine Grenzen stossen. Das Ziel der gesetzten Massnahmen sei vor allem, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig ausser Gefecht gesetzt werden. «Die Durchhaltefähigkeit Liechtensteins muss sichergestellt werden», betonten die Regierungsräte gestern mehrmals. 

Masken auch im Familienkreis empfohlen
Die Regierung appellierte deshalb auch an den gesunden Menschenverstand und an die Eigenverantwortung. Vor allem im privaten Umfeld soll der Kontakt möglichst gering gehalten werden. Viele Ansteckungen geschehen im Familien- oder Bekanntenkreis. Deshalb empfiehlt die Regierung, auch dort Masken zu tragen, wenn der Abstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann. Dabei betonte Mauro Pedrazzini nochmals, wie wichtig es ist, die Maske richtig zu tragen. Vor allem müssen die Abstands- und Hygieneregeln weiterhin strikt eingehalten werden. «Wir müssen uns immer vor Augen haben, wo man es dem Virus einfach macht, von einer Person auf die andere überzuspringen, und wie man es dem Virus eben besonders schwermachen kann», sagte der Gesundheitsminister. Die Regierung hofft auf grosse Disziplin der Bevölkerung in den nächsten Wochen, um die Spitze der exponentiell ansteigenden Infektionskurve brechen zu können. 

 

Veranstaltungen erlaubt – aber ohne Essen und Trinken

Veranstaltungen sind zwar unter den bestehenden Massnahmen wie striktes Schutzkonzept und Maskenpflicht in allen öffentlich zugänglichen Innenräumen erlaubt, doch Essen und Getränke dürfen ab heute nicht mehr ausgegeben werden. Denn die Situation birgt dasselbe Risiko wie in der Gastronomie. Dies gilt auch für Veranstaltungen, die im Freien stattfinden. Für die Veranstaltung von Vaduz on Ice heisst dies beispielsweise, dass keine Verpflegungsstände aufgestellt werden dürfen. Auch bei Marroniständen ist nur noch Take-away erlaubt – Marroni essen vor Ort geht die nächsten drei Wochen nicht mehr. Institutionen wie Theater, Kinos oder auch Casinos dürfen weiterhin geöffnet haben. Auch Sport sei weiterhin möglich, sagte die Regierung gestern. «Beispielsweise in einer Tennishalle, auch wenn das Clublokal dann selbstverständlich geschlossen sein muss», sagte Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch. Die Schutzmassnahmen wie Maskenpflicht in den Innenräumen müssen natürlich weiterhin konsequent eingehalten werden. Die Spielregeln sollen so einfach gehalten werden: Man kann Tennisspielen oder eben am Blackjack-Tisch sein Glück versuchen, aber man darf sich nicht hinsetzen und etwas essen und trinken. So dürfen auch die Restaurantbetriebe in den Casinos nicht geöffnet sein oder der Kiosk im Kino. Von der Regel ausgenommen sind Betriebskantinen und Schulmensen.  

Auch private Anlässe betroffen

Die Ansteckungen mit dem Coronavirus geschehen oft bei privaten Veranstaltungen, Familienfeiern und Hochzeiten. Deshalb gilt das Konsumationsverbot auch bei privaten Veranstaltungen mit mehr als 30 Personen oder wenn die teilnehmenden Personen nicht alle namentlich bekannt sind. Auch private Feiern in öffentlich zugänglichen Einrichtungen oder Betrieben sind von der Massnahme betroffen. Die Regierung ersucht alle Einwohnerinnen und Einwohner bei allen Anlässen, die im privaten Rahmen stattfinden, um äusserste Zurückhaltung. Der Mindestabstand sollte konsequent eingehalten werden oder wenn dies nicht möglich ist, eine Maske getragen werden. Die Regierung appelliert, die sozialen Kontakte einzuschränken.

Testkapazität ausgebaut

Die Regierung will ihre Teststrategie fortsetzen. Das in der Alterspflege tätige Personal muss sich weiterhin regelmässig testen lassen. Durch diese Strategie konnten schon einige positive Fälle entdeckt werden – auch solche, die keine Symptome aufwiesen. Auch die Drive-Through-Testanlage in der Marktplatzgarage habe sich bewährt und die Regierung will sich weiterhin auf diese konzentrieren. Doch es werden einige Tests mehr als noch im August durchgeführt. Da waren es rund 40 Personen pro Tag, der Spitzenwert in den letzten zwei Wochen lag bei 180. Der Durchsatz wurde deshalb mit technischen und organisatorischen Massnahmen erhöht, die Öffnungszeiten ausgeweitet und neu wird nun auch am Sonntag getestet. 

Noch genügend Kapazität im Spital

Momentan sind acht Personen, die an Covid-19 leiden, im Landesspital Vaduz untergebracht. Eine Person befindet sich auf der Intensivstation in einem Schweizer Spital. Laut Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini hat das Landesspital noch genügend Kapazitäten. Doch je mehr Personen hospitalisiert werden, umso mehr Teile des Spitals müssen abgetrennt werden, da die Personen in Isolationsstationen untergebracht werden. Die hohe Zahl von Neuinfizierten bereitet der Regierung Sorgen, da in der Regel erst nach einer Woche ersichtlich ist, ob der Krankheitsverlauf Richtung Heilung oder Richtung Verschlechterung geht. Kommen noch viele neue Hospitalisierungen hinzu könnte das Spital an seine Grenzen stossen.

 

 

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