• 26.10.2020 10:30

    Urs Faes: "Untertags"

    Bern / Mit dem Thema Demenz muss sich die Gesellschaft zunehmend befassen. Dass es auch als Romanstoff taugt, zeigt Urs Faes in seinem überraschenden Buch "Untertags".

    Was Jakov und Herta erleben, wäre eine ganz gewöhnliche Liebesgeschichte, würden die beiden nicht eines Tages abtauchen in eine Welt ohne Worte. Nichts kann dort mehr benannt werden, erzählt oder erklärt. Dass der Aargauer Autor Urs Faes dennoch eine Sprache findet, um zu schildern, wie die beiden dem Verlust von Jakovs geistiger Gegenwart trotzen und versuchen, in Verbindung zu bleiben, macht den Reiz und Wert seines neuen Buches aus.

    Der Titel "Untertags" spielt mit der Assoziation "unter Tag", was im Bergbau die Arbeit unter der Erdoberfläche meint, während "untertags" nichts anderes bedeutet als "tagsüber". So vermischt sich der Alltag von Herta und Jakov mit den Geheimnissen des Unterbewussten, das schmerzliche Erkenntnisse bereithält - besonders für Herta.

    Denn während Jakov sie kaum mehr erkennt, regt sich in ihm eine Jugendliebe, die traumatische Folgen hatte. Virginie hiess die junge Frau - sein Vater hatte sie nach dem Tod der Mutter geheiratet. "Virginie" ist Jakovs letztes Wort, bevor er nur noch Laute von sich geben kann: "Ini, Ini!" Nachts schreckt ihn Vaters rächende Reitpeitsche aus dem Schlaf.

    Herta, die Jakov erst spät im Leben kennenlernte, hat von all dem nichts gewusst. Sie ist verletzt und fragt sich, ob sie im Leben des Liebsten, den sie voller Hingabe pflegt, nur eine Fussnote war. Was soll sie tun? Behutsam führt Urs Faes seine Heldin zur Entscheidung. (sda)

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