• 21.10.2020 11:42

    Rätsel um archaischen Technologietransfer

    Basel / Der Ursprung von indogermanischen Sprachen, Wagen, Metallwaffen und Hauspferden liegt im Kaukasus. Bisher wurde angenommen, dass nomadisierende Hirten diese Innovationen verbreiteten. Nun zeigt sich: Die Viehzüchter waren doch nicht so reiselustig wie angenommen.

    Herausgefunden hat das ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Basel. Es analysierte die sterblichen Überreste dieser Hirten aus der Bronzezeit und schloss auf ihre Ernährungsweise zu Lebzeiten. Es zeigte sich, dass diese angeblich so mobilen Viehhalter das Nahrungsangebot der unmittelbaren Umgebung nutzten.

    "Die Gemeinschaften blieben offenbar in ihrem jeweiligen Ökogebiet und wechselten nicht zwischen Steppe, Waldsteppe oder höher gelegenen Regionen", erklärt Mitautorin Sandra Pichler vom Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel. Demnach bildeten Fleisch, Milch und Milchprodukte einen Grossteil der Nahrungsgrundlage, wurde aber ergänzt durch Wildpflanzen.

    "Die Ergebnisse der Untersuchungen sprechen gegen grossräumige Wanderungen", fasst Sabine Reinhold vom Deutschen Archäologischen Institut in Berlin zusammen. "Sie legen nahe, dass sich die epochalen technischen Innovationen des 4. und 3. Jahrtausends v. Chr., wie Wagen oder Waffen aus Metall, auf andere Art und Weise verbreiteten".

    Wenn es also nicht die weiträumigen Wanderschaften und Handelskontakte der Hirtengemeinschaften waren, welche Sprache, Pferde-Domestizierung, Bronzeherstellung, Wagen und Waffen nach Europa brachten, was war es dann? So etwas wie "Stille Post", mutmassen die Forschenden. Diese für die mitteleuropäische Zivilisation grundlegenden Geräte und Verhaltensweisen wurden wie Stafettenstäbe von einer Gemeinschaft zur nächsten weitergereicht.

    *Fachpublikationsnummer DOI: 10.1371/journal.pone.0239861 (sda)

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